Ärzte-Portale

Mangelnde Neutralität - Ärzte-Paar klagt gegen Online-Portal Jameda

Wer kein Premium-Kunde bei dem Online-Ärzteportal sei, werde unfair behandelt, behaupten die Kläger. Nun verhandelt Deutschlands oberste Gericht den Fall.
dpa
Der Bundesgerichtshof verhandelt am 12. Oktober zur Listung von Ärzten bei Jameda. Eine Zahnärztin und ein Zahnarzt
Der Bundesgerichtshof verhandelt am 12. Oktober zur Listung von Ärzten bei Jameda. Eine Zahnärztin und ein Zahnarzt wehren sich dagegen, dass Jameda die Profilseiten zahlender Kollegen mit Gold oder Platinpaket ansprechender gestaltet. Marijan Murat
Karlsruhe

Fragen zur Neutralität des Ärztebewertungsportals Jameda beschäftigen seit Dienstag den Bundesgerichtshof. Verhandelt werden in Karlsruhe die Klagen von zwei Zahnmedizinern: Das Ehepaar will nicht hinnehmen, von dem Bewertungsportal gelistet zu werden. Aus Sicht der Kläger begünstigt Jameda Ärzte, die mithilfe kostenpflichtiger Gold- und Platinpakete ihre Profile mit Bild oder Verlinkungen zu eigenen Webseiten aufpeppen dürfen.

Gleichbehandlung von zahlenden und nicht zahlenden Ärzten

Der zuständige Senat machte bei der Verhandlung sehr deutlich, dass es ein allgemeines Gebot zur Gleichbehandlung zahlender und nicht zahlender Ärzte nicht gebe. Entscheidend sei im Einzelfall, ob Basiskunden gegenüber den Premiumkunden unzulässige Nachteile entstünden.

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In den Vorinstanzen hatten die beiden Mediziner erfolgreich auf Löschung ihrer Profile geklagt. Sie wollen aber auch in Zukunft nicht mehr auf dem Portal auftauchen, solange Premiumkunden in dieser Weise bevorzugt würden. Konkret beanstanden die Kläger 24 einzelne Merkmale von Premiumprofilen. Der BGH muss nun klären, ob Jameda in diesen Fällen seine neutrale Rolle als Informationsmittler verlassen hat. Ob es noch am Dienstag ein Urteil gibt, blieb zunächst offen.

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Kommentare (1)

Bald entscheidet der BGH, ob das Lauterkeitsrecht in der Bundesrepublik noch Bestand hat. Denn die Informationsfreiheit Jamedas überwiegt nur im Falle der Neutralität das informationelle Selbstbestimmungsrecht der Ärzte. Diese Neutralität ist aufgehoben, wenn das Portal bei Listung sämtlicher Ärzte Dienstleistungen für Portalteilnehmer gegen Entgelt anbietet, z. B. die Web-Präsentation optimiert. Denn Noten zugunsten von Portalkunden zu beeinflussen – sie für das Entgelt zu belohnen - ist sehr einfach. Man erzielt es durch zweierlei Maß bei der Veröffentlichung grenzwertig zulässiger Bewertungen. Deshalb haben Kunden statistisch die besseren Noten. Ein solcher Portaltyp führt
1) Zur Kunden-/Patiententäuschung und
2) Zur Ärztekorrumpierung
Es wird Zeit, dass der BGH hier ein Riegel vorschiebt. Jameda muss sein Geld entweder durch neutrale Sponsoren verdienen, Auto-, Elektronik- oder Reisekonzerne, oder die vollständige Arztlistung muss fallen.