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Mann will Ebay-Dorf zum Modell machen

Das Dorf Liebon in Sachsen wurde 2009 bei Ebay angeboten. Drei Jahre später kaufte Andreas Reitmann den Ort. Seitdem hat er große Pläne.
Das Dorf Liebon in Sachsen wurde 2009 bei Ebay angeboten. Drei Jahre später kaufte Andreas Reitmann den Ort. Seitdem hat er große Pläne.
Arno Burgi

Ein Mann – ein Dorf. Es gehört ihm, seit Andreas Reitmann das Mini-Dorf in Sachsen bei Ebay gekauft hat. Jetzt hat er ehrgeizige Pläne. Doch so manche Stolperfalle wartet.

Ein Wohnhaus, drei Stall- und Lagergebäude, knapp 1,5 Hektar Land und ein Teich: Andreas Reitmann gehört ein eher unscheinbarer Hof im Osten Sachsens. Doch Liebon, wie der Mini-Ort abseits der Straße zwischen Bautzen und Kamenz heißt, hat 2009 bundesweit Schlagzeilen gemacht. Als ganzes Dorf boten ihn seine damaligen Besitzer 2009 auf der Auktionsplattform Ebay vergeblich an. Letztlich erwarb Reitmann das Anwesen drei Jahre später, um dort seine Idee von einem energieautarken Mehrgenerationenhof zu verwirklichen.

Die Vision des gelernten Kaufmanns ist es, auf fossile Brennstoffe völlig zu verzichten. „Es gibt keine Alternative zu regenerativen Energien“, sagt der Mann, der im Jahr 2000 in München in seine erste private Photovoltaik-Anlage investierte. Er arbeitet für eine Schweizer Firma, die Wind- und Solaranlagen baut. Neben Sonnenenergie will er auf dem eigenen Hof auch Erdwärme sowie Brunnen- und Quellwasser nutzen.

Derzeit wohnt der Vater von drei Kindern in Dresden zur Miete. Ende 2014 wollte er eigentlich nach Liebon ziehen. Grundsätzlich werde die energetische Sanierung von Gebäuden gefördert, sagt Reitmann. Doch bislang bekam er keinen Kredit.

Das 1332 erstmals erwähnte Dorf liegt im Siedlungsgebiet der katholischen Sorben, einer slawischen Minderheit. Nur noch zugewachsene Ruinen stehen von einem zweiten Gehöft.

Liebon stand bei Ebay für 300 000 Euro zum Verkauf. Zum Preis von 62 000 Euro erhielt Reitmann 2012 den Zuschlag. „Damals war das Dorf mit acht Leuten noch bewohnt.“

Der neue Eigentümer plante ein Modelldorf zum nachhaltigen Leben – mit Wohnungen in allen Gebäuden. Das allerdings erlaubte die Gemeinde Göda nicht, zu der Liebon gehört. Nur ein Haus darf er zum ständigen Wohnen sanieren.