ZWEI FRAUEN STERBEN

Terrorverdacht nach tödlicher Messer-Attacke in Marseille

Ein Mann tötet mit einem Messer in einem Bahnhof in Marseille zwei Frauen, bevor ihn das Militär stoppt. Ermittler vermuten, dass es sich um einen neuen Anschlag handeln könnte.
dpa
Französische Soldaten patrouillieren in Marseille vor dem Bahnhof.
Französische Soldaten patrouillieren in Marseille vor dem Bahnhof. Claude Paris / dpa
Bahnhof Saint Charles in Marseille: Ein Mann hat mit einem Messer mindestens einen Menschen getötet.
Bahnhof Saint Charles in Marseille: Ein Mann hat mit einem Messer mindestens einen Menschen getötet. Claude Paris / dpa
Marseille.

Nach einer tödlichen Messer-Attacke am wichtigsten Bahnhof von Marseille gehen Ermittler einem Terrorverdacht nach. Der Angreifer tötete am Sonntag nach Angaben aus französischen Sicherheitskreisen zwei Frauen, bevor er von Soldaten erschossen wurde. Die für Terrorfälle im ganzen Land zuständige Pariser Staatsanwaltschaft zog die Ermittlungen an sich.

Aus Polizeikreisen hieß es, dass Soldaten der Anti-Terror-Operation Sentinelle im Bahnhof Saint-Charles gegen 13.45 Uhr das Feuer auf den Mann eröffneten. Im Rahmen dieses Einsatzes patrouillieren seit dem Anschlag auf das Satiremagazin «Charlie Hebdo» Militärs in französischen Städten - darunter auch an zahlreichen Bahnhöfen.

Schüsse gehört

Angaben zur Identität des Angreifers gab es zunächst nicht. Aus Sicherheitskreisen hieß es, dass die terroristische Spur privilegiert werde. Die Informationen müssten aber noch gesichert werden. Die Staatsanwaltschaft leitete eine Untersuchung wegen Mordes in Verbindung mit einem terroristischen Vorhaben und versuchten Mordes an Amtspersonen ein. Der Sender Franceinfo zitierte eine Augenzeugin, wonach der Mann bei der Attacke «Gott ist groß» auf Arabisch gerufen habe. Dies berichteten auch andere Medien übereinstimmend - eine offizielle Bestätigung gab es aber zunächst nicht.

«Ich habe Schüsse gehört weniger als eine Minute, nachdem ich die Attacke beobachtet habe», sagte die Frau bei Franceinfo weiter. «Die Intervention war extrem schnell.» Eine weitere Frau erzählte, dass sie gesehen habe, wie der Mann eins seiner Opfer von hinten am Hals angriff. «Sie hat nichts gesehen.» Ein Mitarbeiter des französischen Bahnkonzerns SNCF sagte der Zeitung «La Provence», dass Menschen nach der Attacke panisch weggerannt seien.

Bahnverkehr unterbrochen

Einsatzkräfte riegelten den üblicherweise stark frequentierten Bahnhof Saint-Charles ab. Die Polizei rief dazu auf, den Bereich zu meiden, der Bahnverkehr sei unterbrochen. Von dort fahren auch die TGV-Hochgeschwindigkeitszüge nach Paris ab. Innenminister Gérard Collomb wollte noch am Sonntag den Tatort besuchen.

Seit Anfang 2015 wurden bei islamistischen Anschlägen in Frankreich 239 Menschen ermordet - die Attacke vom Sonntag nicht mitgerechnet. Mehrfach kam es auch schon zu Angriffen mit Hieb- oder Stichwaffen. Im Land gilt seit der Pariser Terrornacht vom 13. November 2015 der Ausnahmezustand. Das Parlament berät derzeit über eine weitere Verschärfung der Sicherheitsgesetze, die es ermöglichen soll, den Ausnahmezustand Anfang November auslaufen zu lassen.

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