KLISCHEE-BAUERN

Ministerium erntet Proteststurm für Broschüre

Das Bundesumweltministerium versteht sich zwar als Haus der Zukunft, wurde jetzt jedoch von alten Bildern der Vergangenheit eingeholt. Nicht nur der Landfrauenverband MV ist entsetzt.
So hatte sich das Bundesumweltministerium die Landwirtschaft im Jahr 2050 offenbar vorgestellt.
So hatte sich das Bundesumweltministerium die Landwirtschaft im Jahr 2050 offenbar vorgestellt. Screenshot
Neubrandenburg.

Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) hat „optimistische, mutige Bilder eines guten Lebens im Jahr 2050“ versprochen und doch nur einen Proteststurm und viel Spott geerntet. Besonders das Kapitel Landwirtschaft in der Broschüre „Wir schafft Wunder“ geriet zum Desaster und brachte Landwirte auf die Palme. Der Grund ist die Illustration zu dem Thema: Auf einem Trecker schlichter Bauart thront ein muskelbepackter Bauer, während die Bäuerin mit einer Forke eine Heugarbe aufschichtet.

„Wir waren entsetzt, dass so etwas heute noch möglich ist“, sagt Katrin Hergarden, Geschäftsführerin des Landfrauenverbandes Mecklenburg-Vorpommern. Wie aus dem Land haben sich viele Bäuerinnen aus anderen Bundesländern ihren Angaben zufolge bei der Berliner Behörde über das dargestellte diskriminierende Frauenbild beschwert. „Das ist ein Fauxpas, den das Umweltministerium jetzt selbst ausbaden muss“, meint Katrin Hergarden.

Alle Illustrationen werden entfernt

Nach fast 20 Tagen Dauerbeschuss aus den Reihen der Landwirtschaft und einem Gespräch mit Bäuerinnen im Ministerium hat die Behörde erste Konsequenzen gezogen. War die Broschüre üppig angekündigt worden, folgt ohne großes Brimborium jetzt der Rückzieher. Die Kritik an den Illustrationen der Broschüre sei berechtigt, heißt es in einem Schreiben aus dem Ministerium an die Protestierer.

“Wir haben uns dazu entschlossen, die gesamten Illustrationen zu entfernen. Diese dienten ausdrücklich nicht der Vermittlung der einzelnen Zukunftsbilder für das Jahr 2050“, so die Mitteilung. Die Ankündigung „sehr konkreter Zukunftsbilder“ durch die Ministerin ist in der jetzt textlastigen Broschüre auf der Homepage des Ministeriums nicht gelöscht worden. Auf Fragen des Nordkurier zu Verantwortlichkeiten und Kosten für die Broschüre antwortete das Ministerium nicht.

Ministerin Schulze hatte sich immer wieder mit Landwirten angelegt, indem sie der Agrarbranche die Alleinschuld an Artenstreben und Insektenschwund zugewiesen hatte. Den Broschüren-Flop nutzt die Bauerninitiative „Land schafft Verbindung“ zur Abrechnung. „Muss man sich ausgerechnet von einem SPD-geführten Umweltministerium diesen Affront gefallen lassen?“, heißt es in einer Mitteilung. Das sei im Jahr 2020 ein Schlag ins Gesicht. „Wir müssen gar nicht darüber reden, dass die Zahl der hoch qualifizierten Landwirtinnen kontinuierlich steigt, sie als Betriebsleiterinnen oder Mitarbeiterinnen arbeiten und den Männern in nichts nachstehen.“

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Kommentare (6)

Ja, das wirft ein interessantes Licht auf die Entscheidungsträger, die diese Broschüre entwerfen und Korrektur lasen. Ein Bild aus den 50er Jahren, wie aus meinen alten Lesebuch. Im den Wandel darzustellen, hätte man auch das alte Bild der Landwirschaft einem modernen gegenüberstellen können. Wenn schon, denn schon.

hält weder Ochs noch BRD auf. Die faschistoide DDR 2.0 ist längst Realität Heil Merkel!

🤦🏼‍♂️

Bauer und Bäuerin 2050 vor?

In Zeiten von "W/M/D" könnte auf der Darstellung mglw. nur der Traktor nicht der Zukunft von 2050 entsprechen. Frauen mit Bärten und Muskeln und Bauern mit Pferdeschwanz und Kleid sind doch wohl möglich ;-)

Kein Thema für die breite Masse.

Korrektur

Haben wir wirklich keine anderen Probleme als eine stilisierte Darstellung? Natürlich entspricht sie nicht der Zukunft im Jahr 2050. Aber sollte sie das? Und wozu die so hart im Nordkurier zitierten Worte der "entsetzten Geschäftsführerin"? Ich zweifle an, dass diese Worte so gefallen sind. Möglicherweise entspricht dies eher journalistischem "Neudeutsch". Vielleicht war man erstaunt, befremdet, verärgert.... aber: entsetzt?
Verärgert könnte man eher über den Umgang mit finanziellen Mitteln sein- mit Geldern die an anderer Stelle fehlen. Schade!