Sturmfluten erwartet

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Mit voller Wucht: Hurrikan "Irma" trifft Florida

Der heftige Wind zerriss in Naples (USA) eine US-Flagge.
Der heftige Wind zerriss in Naples (USA) eine US-Flagge.
David Goldman

Hurrikan „Irma” wütet in Florida. Zehntausende harren in Notunterkünften aus. In Millionen Haushalten fällt der Strom aus. Die Innenstadt von Miami steht teilweise unter Wasser.

Mit gewaltiger Zerstörungskraft hat Hurrikan „Irma” am Sonntag Florida erreicht. Schwerste Schäden drohten fast im gesamten Bundesstaat. Der Sturm brachte weitreichende Überflutungen – Fernsehbilder zeigten Überschwemmungen in der Innenstadt von Miami. Der Wetterdienst meldete mehrere Tornados an der Ostküste. Der gewaltige Hurrikan zog im Laufe des Sonntags über die Inselkette Florida Keys weiter in nördlicher Richtung die Westküste Floridas hinauf.

Strombetreiber sagten, rund fünf Millionen Menschen seien in ganz Florida ohne Strom. Da der Sturm über viele Stunden nordwärts ziehen sollte, wurden weitere Schäden erwartet – anders als in Deutschland sind in den USA die Leitungen meist überirdisch verlegt. „Irma” gilt als extrem gefährlich. Meteorologen warnten vor schweren Regenfällen und Sturmfluten.

Binnen einer Stunde entwickelten sich sechs Tornados

Sonntagnachmittag (Ortszeit) wurde Irma zwar von der zweithöchsten Kategorie 4 auf Kategorie 2 herabgestuft, an Gefährlichkeit büßte der Sturm aber nichts ein. Mit Windgeschwindigkeiten um die 140 Kilometer pro Stunde traf er am Samstagnachmittag auf die Stadt Naples, in der rund 20.000 Menschen leben, die zuvor aufgerufen waren worden, ihre Häuser zu verlassen. Am Morgen gegen 9 Uhr Ortszeit hatte „Irmas” Auge mit Windgeschwindigkeiten von mehr als 200 Kilometern die Inselkette Florida Keys erreicht. Dort hieß es vielerorts „Land unter”.

Später am Tag entwickelten sich an der Ostküste allein binnen einer Stunde sechs Tornados, wie der nationale Wetterdienst berichtete. Mit weiteren Wirbelstürmen müsse gerechnet werden. In Miami brachen mindestens zwei große Baukräne im Sturm zusammen, meldete der „Miami Herald”. Wie der Sender ABC in Florida berichtete, starben am Sonntagmorgen (Ortszeit) drei Menschen bei vom Wetter mitverursachten Verkehrsunfällen.

Gigantisches Wettersystem sorgt für kuriose Situation

Nach jüngsten Prognosen sollte der Hurrikan weiter westlich vor der Küste Floridas nordwärts ziehen, allerdings nicht so weit westlich wie zuletzt angenommen. So stieß das Auge des Sturms am Sonntagnachmittag (Ortszeit) südlich der Stadt Naples aufs Festland. Und wenn sich der Kurs des Hurrikan-Kerns nur wenige Meilen ändert, zieht das große Konsequenzen für umliegende Ortschaften nach sich.

Das Problem: „Irma” ist breiter als die Halbinsel Florida. Abgesehen von heftigem Regen führte das gigantische Wettersystem so zu einer kuriosen Situation: Auf seiner „rechten” Seite, also an der Ostküste, sorgte der riesengroße Wirbel für erste Überflutungen, so in Miami. Auf Bildern und Videos war zu sehen, wie sich Wassermassen durch die Innenstadt Miamis wälzen. An seiner „linken” Seite drückte der Wirbelsturm das Wasser zunächst von der Westküste weg. Bilder zeigten leere Hafenbecken; andernorts hatte sich das Wasser meterweit von der Strandpromenade entfernt.

Mehr als 6,5 Millionen Menschen sollten ihre Häuser verlassen

Die Meteorologen warnten aber, dass das Wasser in einer Art gewaltigen Schaukelbewegung zurück an die Westküste kommen sollte, während es im Osten dann zurückfließen würde. Von Fort Myers bis hoch nach Tampa bereiteten sich die verbliebenen Menschen auf das Schlimmste und bis zu 4,5 Meter hohe Sturmfluten vor. „Das Schlimmste kommt, wenn das Auge durchgezogen ist – dann kommt das Wasser”, sagte ein Meteorologe bei CNN.

In Florida waren zuvor mehr als 6,5 Millionen Menschen aufgefordert worden, ihre Häuser zu verlassen und sich vor dem Sturm in Sicherheit zu bringen. Das entspricht rund 30 Prozent der Bevölkerung des Bundesstaates – es war eine der größten Evakuierungsaktionen in der Geschichte der USA. Weit über 100.000 Menschen harrten in Notunterkünften aus.