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Mysteriöses Delfinsterben an der US-Küste

Delfine sind sehr intelligente Tiere.
Delfine sind sehr intelligente Tiere.
Orestis Panagiotou

Sie sind – zumindest im Wasser – des Menschen bester Freund. Doch vor der US-Ostküste sterben in diesen Wochen Hunderte von Delfinen – und niemand weiß warum. Ist die Ursache ein Virus?

Sie sehen aus, als würden sie lachen, aber das ist nur die Physiognomie. Delfine sind die munteren, intelligenten Tiere, die wohl jeder mag. Doch in den USA macht „Flipper“ gerade ganz andere Schlagzeilen. Zu Hunderten werden tote Tiere an die Strände zwischen New York und Florida gespült. Und keiner weiß genau, was den klugen Säugetieren den Garaus macht. Von einem „alarmierenden Anstieg“ der Fälle spricht die für den Schutz der Ozeane zuständige Umweltbehörde NOAA (National Oceanic and Atmospheric Administration).

Schon vor drei Wochen haben die Experten das Phänomen offiziell zur „Ungewöhnlichen Todeshäufung“ erklärt. In diesem Sommer wurden nach Angaben der NOAA schon 430 Delfine angeschwemmt. Der Durchschnitt für den Zeitraum liegt sonst bei 26.

Einige leben noch, andere sind stark verwest

An den Küsten der Mittelatlantik-Staaten der USA sind Experten und Freiwillige unterwegs, um die Kadaver einzusammeln. „Sie arbeiten rund um die Uhr, um schnell zu toten oder lebenden Tieren zu kommen, damit wir die Sterblichkeit erfassen können“, sagt Teri Rowles, die bei der NOAA eine Expertengruppe zur Gesundheit von Meeressäugern leitet.

Was sie vorfinden: Delfine aller Altersklassen und beiderlei Geschlechts, an den Strand gespült, manchmal noch lebend, zumeist längst tot und oft schon stark verwest. Die angespülten Tiere sind deutlich abgemagert, viele haben Lungenschäden.Betroffen ist vor allem der Große Tümmler. Das sind genau die Tiere, die die meisten Menschen mit dem Begriff „Delfin“ in Verbindung bringen. Sie machen in Freizeitparks Kunststücke und winken in Delfinarien scheinbar fröhlich den Besuchern zu.

Ähnlich wie die Staupe bei Hunden

Es ist das größte Delfinsterben seit einem viertel Jahrhundert in den USA. Damals, 1987/88, waren zwischen New Jersey und Florida etwa 750 Tiere verendet. Letztlich wurde ein Virus gefunden. Und diesmal? „Der Hauptgrund für die Todesfälle könnte ein Virus sein“, heißt es auch diesmal von der NOAA. In 32 Kadavern aus allen betroffenen Staaten seien das Cetacean morbillivirus oder zumindest Hinweise darauf gefunden worden. Ein ganz ähnlicher Erreger kann bei Hunden eine gefürchtete Krankheit auslösen, die Staupe.

Für die Meeresbiologen ist das Virus zumindest der Hauptverdächtige. Doch sie haben auch noch Brucella in einigen Tieren gefunden. Wegen dieses weitverbreiteten Bakteriums wird Milch pasteurisiert. Hier macht Brucella offenbar, zumindest in einigen Fällen, mit dem Virus gemeinsame Sache – und hat möglicherweise zu Entzündungen von Lungen, Gehirnen, Haut und Knochen geführt.

Menschen können sich kaum anstecken, Badende müssen keine Sorge haben. Dennoch sollten tote oder auch sterbende Tiere keinesfalls berührt werden.