KINDER-FASCHING

Nach Verbot von Indianer-Kostümen tobt das Internet

Eine Hamburger Kita hat ihren Kindern das Tragen von Indianer-Kostümen zum Fasching verboten. Und das regt viele Menschen auf! Auch Pädagogen und Politiker äußern sich kritisch.
Simone Schamann Simone Schamann
Kinder wollen zu Fasching gerne jemand sein, den sie bewundern. Mit Diskriminierung hat das für sie wenig zu tun (Symbolbild).
Kinder wollen zu Fasching gerne jemand sein, den sie bewundern. Mit Diskriminierung hat das für sie wenig zu tun (Symbolbild). Fotolia.com
Kinder wollen zu Fasching gerne jemand sein, den sie bewundern. Mit Diskriminierung hat das für sie wenig zu tun (Symbolbild).
Kinder wollen zu Fasching gerne jemand sein, den sie bewundern. Mit Diskriminierung hat das für sie wenig zu tun (Symbolbild). VASILYEV ALEXANDR
Neubrandenburg.

Kann ein Kinder-Kostüm zum Fasching diskriminierend oder sogar rassistisch sein? Nachdem bekannt wurde, dass eine Hamburger Kita ihren Kindern aus Gründen der Kultursensibilität verbietet, als Indianer zum Fasching zu gehen, empörten sich viele Eltern ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen über den Fall.

„Sind die jetzt völlig verrückt geworden?”, fragte sinngemäß eine große Mehrheit der Nordkurier-Leser auf unserer Facebookseite. „Die kleinen Fans von Yakari wollen ganz sicher niemanden diskriminieren!” Andere sagten klipp und klar: „Ich lasse mir doch nicht vorschreiben, in welchem Kostüm mein Kind zum Karneval gehen darf!”

Einige sehen den Ansatz, Kinder bereits im Kindergarten für Vorurteile und Klischees zu sensibilisieren positiv, sagten zum konkreten Fall aber: „Sorry, man kann es auch übertreiben!”

Kinder bewundern Indianer

Was aber denken Pädagogen im Nordosten über das heiß diskutierte Thema? Der Nordkurier rief in mehreren Einrichtungen an. Fast immer hieß es: Die Idee hinter dem Verbot sei möglicherweise gut gemeint, die Umsetzung aber alles andere als kindgerecht. Öffentlich wolle man sich jedoch lieber nicht äußern.

Cornelia Marquardt von der Katholischen Kita „St. Nikolaus” in Neubrandenburg fand als einzige klare Worte zum heiß diskutieren Thema. Sie sagte dem Nordkurier: „An Fasching wollen die Kleinen für einen Tag jemand sein, den sie bewundern. Daran ist doch nichts schlimm!”

Superhelden wie Spiderman und andere Figuren mit besonderen Fähigkeiten seien in diesem Jahr besonders angesagt gewesen. Und was gefällt den Kleinen speziell an Indianern? „Viele Dinge”, sagt Frau Marquart, die seit Jahrzehnten mit Kindern arbeitet. „Dass sie gut reiten können, Feuer machen können, sportlich sind.”

„Man sollte Kinder nicht bremsen”

Die Kostüm-Kritiker meinen, dass genau solche Klischees an Karneval vermieden werden sollten. Nicht alle Indianer seien gleich, streng genommen gäbe es gar keine Indianer, sondern nur amerikanische Ureinwohner. „Ich verstehe natürlich, was gemeint ist”, sagt Pädagogin Marquardt. „Aber ich bin ja auch erwachsen! Die Kinder verbinden doch vollkommen andere Dinge mit dem Begriff Indianer. Positive Dinge! Warum sollte man sie da bremsen?”

Die Kita-Leiterin schlägt vor, den Kindern in der Kostümwahl Freiheit zu lassen. Vorurteile und Klischees gegenüber bestimmten Gruppen könne man in der Vor- und Nachbereitung besprechen. „Auf diese Weise würde man das Bewusstsein der Kinder für solche Themen schärfen, ohne Ihnen den Spaß am Fasching und Verkleiden zu nehmen.”

Bundeselternvertretung lehnt Kostümverbot ab

Genauso sieht es die Bundeselternvertretung der Kinder in Kindertageseinrichtungen (BEVKi) in Berlin. Sprecherin Ulrike Grosse-Röthig: „Ein Kostümverbot würden wir als Verband ablehnen. Wir plädieren dafür, das Thema pädagogisch zu begleiten.”

Sogar Spitzenpolitiker haben sich inzwischen zum Indianer-Verbot in der Hamburger Kita geäußert. Beim politischen Aschermittwoch sagte CSU-Chef Markus Söder: „Wenn die Welt wüsste, über welchen Quatsch wir streiten, hätte sie keine Angst oder Respekt mehr vor uns.” Stattdessen sollte man sich um die wirklich wichtigen Dinge kümmern.

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Kommentare (1)

Ach, da kann ich Herrn Söder beruhigen.....die Welt lacht schon lange über uns. Und Respekt geschweige denn Angst, haben sie schon längst nicht mehr! :-)