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Nicht alle Weihnachtsbäume werden zerhäkselt

Dieser Berberaffe blickt sichtlich interessiert auf den leicht sonderbar dekorierten Christbaum. 
Dieser Berberaffe blickt sichtlich interessiert auf den leicht sonderbar dekorierten Christbaum.
Britta Pedersen

Mehrere hundert Tonnen ausgedienter Weihnachtsbäume sammeln die Entsorgungsunternehmen im Nodosten im Januar ein. Einige bekommen aber noch einen Auftritt.

Gestern war er noch der festlich geschmückte Mittelpunkt des Wohnzimmers, heute ist er lästiger Abfall: Die Glanzzeit des Weihnachtsbaums währt kurz. Die ersten ausrangierten Blaufichten und Nordmanntannen liegen bereits an den Straßenrändern. In den nächsten Wochen werden sie von den Entsorgungsunternehmen eingesammelt, vielerorts beginnt dies an diesem Montag. Mehrere hundert Tonnen sind es allein in Mecklenburg-Vorpommern. Wohin geht ihre letzte Reise?

Im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte wird dieses Jahr mit 115 bis 120 Tonnen gerechnet. Ein Teil wird kompostiert, ein Teil zur Energiegewinnung verbrannt. Wer sich an der Seenplatte von seinem Bäumchen länger nicht trennen mag, kann es später auch selbst zum Wertstoffhof bringen. „Dort ist allerdings eine Annahmegebühr zu zahlen“, sagt Landkreissprecherin Haidrun Pergande.

Die meisten Bürger entfernen den Schmuck sorgfältig

Auch in In Rostock werden die meisten Bäume geschreddert und kompostiert. Im Kompostwerk Parkentin nahe der Hansestadt dauere das bei mehrfachem Umsetzen der Kompostmieten etwa sechs Monate, sagt Steffen Böhme von der Stadtentsorgung Rostock GmbH. Das Substrat werde anschließend an die Landwirtschaft verkauft. Der Aufwand sei höher als der Ertrag, doch das Minus sei in der Müllgebühr drin.

Rund 200 Tonnen ausgediente Weihnachtsbäume werden nach Böhmes Worten allein in Rostock bis zum 1. Februar von den Sammelplätzen abgeholt und entsorgt. Mit Rest-Lametta oder Plastiktüten als Transporthülle für die dahinnadelnde Pracht gebe es kaum Probleme, da seien die Bürger ganz vernünftig. Im Kompostwerk werde aber vorsichtshalber noch einmal kontrolliert.

Auf Hiddensee werden Bäume geworfen

Bundesweit werden jedes Jahr geschätzt 23 bis 25 Millionen Weihnachtsbäume verkauft. Den wenigsten ist ein später Auftritt im neuen Jahr vergönnt, wie etwa in Vitte auf Hiddensee. Kurdirektorin Katrin Köppen beauftragt nach dem Fest einen Verwaltungsmitarbeiter mit der Suche nach geeigneten Exemplaren für den Weihnachtsbaum-Weitwurf – ein Event, das dieses Jahr am 6. Februar stattfindet. Dann sind Winterferien und Gäste auf der Insel.

„Es sind gebrauchte Bäume von der Insel“, sagt Köppen. Für die Kinder seien sie 80 bis 90 Zentimeter hoch, für die Männer zwei Meter lang „und für die Frauen etwas dazwischen“. Voriges Jahr hatten sich 93 Teilnehmer eintragen. Die Sieger kamen von der Insel: 7,57 Meter schaffte Robert Wiechmann, 6,01 Meter Steffi Klug. „Wir rechnen dieses Jahr wieder mit um die 100 Teilnehmern“, sagt Köppen. „Werfen, schmeißen, schleudern, mit und ohne Anlauf – alles ist erlaubt.“

An manchen Orten werden die Bäume sogar verbrannt

Beim „Knutfest“ in Zinnowitz auf Usedom, das einen schwedischen Brauch aufgreift, werden die Weihnachtsbäume am 12. Januar erst geworfen und anschließend verbrannt. Für jeden mitgebrachten Tannenbaum gibt es einen Heißgetränke-Gutschein. Das gemeinsame Weihnachtsbaumverbrennen hat sich mancherorts als Januar-Gaudi etabliert. „Fichten vernichten“ heißt es zum Beispiel am 19. Januar bei der Freiwilligen Feuerwehr Vogelsang-Warsin (Landkreis Vorpommern-Greifswald).

Eine Woche vorher organisiert die Freiwillige Feuerwehr in Lubmin ihr „Tannenbaumfeuer 2019“. In Dömitz an der Elbe (Landkreis Ludwigslust-Parchim) lädt die Feuerwehr ebenfalls am 12. Januar zum Weihnachtsbaum-Verbrennen. In Burg Stargard (Landkreis Mecklenburgische Seenplatte) heißt die Aktion „Tannen in Flammen“.

Nach Angaben des Landesfeuerwehrverbands ist der Brauch aber bisher nicht allzuweit verbreitet - es gibt ihn allerdings auch an der Mecklenburgischen Seenplatte. Und so bleiben den Entsorgungsunternehmen Hunderte Tonnen ausgedienter Weihnachtsbäumezum Abholen. Im Landkreis Ludwigslust-Parchim sind es geschätzt 60 bis 65 Tonnen, die bis zum 23. Januar von den 340 Sammelstellen abgeholt werden, wie ein Kreissprecher sagt. Die Bäume würden gemeinsam mit Grünabfällen geschreddert und kompostiert.

In Berlin an Zoo-Tiere verfüttert

In Berlin hingegen haben Zootiere das Vergnügen, ausgediente Tannenbäume geschenkt zu bekommen. So machten sich vorigen Freitag Berberaffen teils mit großen Augen über den essbaren Baumschmuck her. Statt einer Weihnachtsbaumspitze thronte eine aufgespießte Tomate auf einem der Bäume, zwischen den Zweigen steckten unter anderem Gurkenstücken und Paprikaringe.

Die Asiatischen Elefanten hingegen verspeisen die stacheligen Gewächse an sich: „Die nach ätherischen Ölen duftenden Nadelzweige sorgen für Abwechslung auf dem Speiseplan der Dickhäuter“, erklärte der Tierpark. Außerdem bekam auch der Vierlingsnachwuchs der Sumatra-Tiger Bäume zur Beschäftigung – bei ihnen hingen Fleischstücke in den Zweigen. „Die spielen daran rum“, sagte eine Sprecherin.

Bei den Tannen, die in Berlin verfüttert wurden, handelt es sich allerdings ausschließlich um überschüssige Ware von bestimmten Händlern – nur so sei gesichert, dass das Futter und das Spielzeug den Tieren nicht schade.