Kottbusser Tor
Noch mehr Polizeigewalt in Berlin?

Ein Einsatz der Polizei in Berlin lief aus dem Ruder. Offenbar wurde die Polizei erst angegriffen, hat dann aber unverhältnismäßig darauf reagiert.
Ein Einsatz der Polizei in Berlin lief aus dem Ruder. Offenbar wurde die Polizei erst angegriffen, hat dann aber unverhältnismäßig darauf reagiert.
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Neue Vorwürfe gegen die Berliner Polizisten am Kottbusser Tor: Zwei jugendliche Zeugen sollen am Tatort angeblich grundlos festgenommen und bedroht worden sein.

Gerät die Polizeigewalt in Berlin außer Kontrolle? Mit dieser Schlagzeile betitelte die Berliner Zeitung den Artikel am Montag über neue Kritik an Berliner Beamten. Darin wird von einer Festnahme am vergangenen Donnerstag am Kottbusser Tor berichtet, der in den sozialen Medien für Aufruhr gesorgt hatte. In dem Text steht ein neuer Vorwurf: Am Tatort sollen angeblich unbeteiligte Jugendliche von der Polizei festgenommen und daraufhin stundenlang von der Polizei festgehalten und bedroht worden sein.

Die Zeitung berichtete von einer Gruppe von vier Jugendlichen, die zwar kurz am Tatort in der Reichenberger Straße gewesen sein sollen, dann aber weiter gegangen wären. Etwas später wären mindestens zwei der Jugendlichen in der Dresdner Straße unter Gewalteinwirkung festgenommen worden. Die Polizisten hätten nach den umstehenden Steine- und Flaschenwerfern gesucht, die einige der Kollegen während des vorherigen Einsatzes verletzt hatten. Der Vorwurf: Landfriedensbruch.

Jugendliche stundenlang unschuldig festgehalten?

Zuerst wurden sie laut BZ in einem Polizeigruppenwagen festgehalten und durchsucht. Nach Aussagen der Jugendlichen hätte nach zwei Stunden ein dazugekommener Polizist, der in der Reichenberger Straße attackiert wurde, schließlich festgestellt, dass keiner von ihnen an den Angriffen beteiligt gewesen wäre. Dennoch wären die Jugendlichen zum Landeskriminalamt am Tempelhofer Damm gebracht worden. Mit welcher Begründung, wäre bislang unklar, heißt es.

„Dort haben sie Fingerabdrücke von mir genommen, ich musste mich vor fünf uniformierten Polizisten ganz ausziehen”, erzählte der eine Jugendliche der Zeitung, die ihn Murat B. nennt. Ein Anruf an Familie oder Anwälte wäre ihm verweigert worden. Einer der Beamten soll angeblich gesagt haben: „In den USA hätten sie dir den Knüppel schon in den A … geschoben. Du hast Glück, dass der schwule Kollege nicht da ist.”

Erst neun Stunden nach der Festnahme wäre Murat B. freigelassen worden. Ein Arzt hätte später bei seinem ebenfalls festgenommenen Freund einen angebrochenen Kiefer, schwere Prellungen der Wangenknochen und zahlreiche Schürfwunden diagnostiziert, schreibt die BZ.

Social Media-Video sorgte für Empörung

Der Polizeieinsatz am Donnerstag wurde durch einen mutmaßlichen Fahrraddieb ausgelöst, der am Tatort von mehreren Polizisten gewaltsam festgenommen wurde. Das wurde von einem Augenzeugen per Video festgehalten und auf sozialen Medien geteilt. Die Polizei erklärte mittlerweile, dass Gewalt – sogenannte Schocktechniken – manchmal notwendig wäre, um den Widerstand von Tätern zu minimieren. Jedoch gingen die Tritte eines Beamten der Polizeigewerkschaft zufolge möglicherweise zu weit. Ein Ermittlungsverfahren der Berliner Polizei wegen Körperverletzung im Amt wurde deshalb eingeleitet.

Eine Mitarbeiterin der Pressestelle der Berliner Polizei sagte dem Nordkurier, dass der Polizei der Artikel der Berliner Zeitung nicht bekannt wäre, dieser aber nicht relevant wäre und das laufende Ermittlungsverfahren nicht beeinflussen würde.