AFRIKANISCHE SCHWEINEPEST

Polnische Teilstreitkräfte jagen Wildschweine

Aus Angst vor einer möglichen russischen Invasion wurden in Polen Bürgerwehren gegründet. Momentan bekämpfen sie aber die Afrikanische Schweinepest.
Natalie Meinert Natalie Meinert
Mit Nationalstolz gegen an Afrikanischer Schweinepest erkrankter Wildschweine - das ist das Rezept von paramilitärischen Bürgerwehren in Polen.
Mit Nationalstolz gegen an Afrikanischer Schweinepest erkrankter Wildschweine – das ist das Rezept von paramilitärischen Bürgerwehren in Polen. obs/RTL II
Warschau.

Mit Nationalstolz gegen kranke Wildschweine – das ist das Rezept von paramilitärischen Bürgerwehren in Polen. Die „Wojsk Obrony Terytorialnej” (wörtlich übersetzt „Militärische Territoriale Verteidigung”; kurz WOT) wurde November 2016 gegründet, um im Notfall die polnische Armee im Kampf gegen Russland zu unterstützen. Damit die Teilstreitkräfte aber nicht tatenlos bleiben, weist ihnen die polnische Regierung einen interessanten Zeitvertreib zu: Das Finden von Wild, das an Afrikanischer Schweinepest gestorben ist.

Laut dem polnischen Ministerium ist die WOT auch für „nichtmilitärische Bedrohungen gedacht”. Ein Sprecher des polnischen Verteidigungsministeriums sagte Nordkurier, dass deshalb seit 2017 Freiwilligen-Bataillone polnische Wälder durchforsten, um Wildschweine zu finden, die durch die Afrikanische Schweinepest verendet sind. Alleine 2018 hätten 1500 Kräfte die Wälder in Ostpolen durchkämmt. Das sei bisher auch das einzige Aufgabenfeld der insgesamt 15.000 Teilstreitkräfte gewesen, erzählte der Sprecher. Aktuell gebe es keine solche Wald-Aktion, allerdings sei es möglich, dass so etwas in Zukunft wieder stattfinde.

Die WOT-Soldaten durchlaufen eine 16-tägige Grundausbildung, in der sie Schießen üben oder Erste Hilfe lernen. Anschließend erscheinen sie einmal monatlich zu Ausbildung und Training. Anlass für die Gründung war die russische Invasion 2014 in die Ukraine. Die Verunsicherung war groß: Würde die NATO bei einem solchen Kriegsfall ausreichen? Um einer möglichen Bedrohung aus dem Osten gewachsen zu sein, investiert die polnische Regierung deshalb nun jährlich 1,5 Milliarden Złoty (umgerechnet 350 Millionen Euro) in die WOT. Damit die Armee ausreichend Mitglieder hat, erhält jeder Freiwillige eine Aufwandsentschädigung von umgerechnet 125 Euro pro Monat. Allerdings müssen die Soldaten das meiste ihrer Ausrüstung selbst kaufen.

Auf der offiziellen Website der WOT ist zu lesen, dass „patriotische Polen” mit und ohne Militärlaufbahn rekrutiert werden. Die größte Gewinn für die Nation und die Rekrutierten seien „der Beitrag für die nationale Sicherheit und das Stärken von patriotischen Werten durch durch das Format des Aufopferns für Polen”. Bis 2021 ist eine Mitgliederzahl von 53.000 geplant. Da die WOT direkt dem polnischen Verteidigungsminister untersteht und nicht wie die polnische Armee den Generälen, gab es auch Kritik an der Gründung: Die WOT könnte für die Innenpolitik des Verteidigungsministers eingesetzt werden.

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Kommentare (1)

Die „Wojsk Obrony Terytorialnej” (WOT) ist die Nachfolgearmee (Erbe) der polnischen Heimatarmee (Armija Krajowa) 1939-1944. Diese hatte den Warschauer Aufstand 1944 gegen die Nazibesatzung angeführt. Übrigens: die Bundeswehr hat früher Sandsäcke an der Elbe gestapelt, um Nutzvieh und Menschen zu schützen. Die WOT schützt derzeit Tiere vor der Schweinepest und sammelt Kadaver ein.