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Die langen Schlangen an den polnischen Tankstellen in der Nähe der deutschen Grenze könnten bald noch ein wenig länger werden. (Foto von Anfang Januar aus Lubieszyn) Marcin Bielecki
Benzin und Diesel

Preise fürs Tanken in Polen könnten bald weiter sinken

Im Vergleich zu den Preisen an deutschen Tankstellen sind Benzin und Diesel in Polen schon jetzt deutlich günstiger. Um die Inflation im Land zu stoppen, könnten die Spritpreise bald weiter fallen.
Warschau

Die Benzinpreise werden in Polen voraussichtlich weiter sinken. Nachdem am 20. Dezember 2021 die Senkung der Kraftstoffsteuer inkraft getreten ist, kündigt sich die nächste Steuersenkung in Polen an. Die Umsatzsteuer auf Kraftstoffe soll von aktuell 23 % auf 8 % gesenkt werden.

Diese Initiative der polnischen Regierung gehört zu einem Maßnahmenpaket, das die galoppierende Inflation im Land stoppen soll. Im Dezember 2021 lag die Inflationsrate in Polen bei 8,6 %. In Deutschland betrug dieser Wert etwas mehr als 5 %.

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Das Inflationsbekämpfungspaket wartet noch auf die Zustimmung der Europäischen Kommission. Am 07.01. lag diese noch nicht vor. Umso kämpferischer gab sich in dem Zusammenhang der polnische Regierungschef Mateusz Morawiecki.

“Ich möchte das tun, weil ich mehr daran interessiert bin, was Polen in Gorlice oder Szczecinek, Ełk, Rawicz oder Siedlce denken, als die europäische Bürokraten in Brüssel oder Berlin.”

Steuersenkungen laut Regierung nur vorübergehend

Sollte diese Senkung der Umsatzsteuer auf Benzin und Diesel in Polen Wirklichkeit werden, so könnte sich daraus ein Preisvorteil von 70 bis 60 polnische Groschen je Liter ergaben, was umgerechnet 0,12 – 0,15 Euro entspricht. Zusammengenommen mit der Steuersenkung von 20. Dezember könnten sich die Polen dann auf einen Rückgang des Benzinpreises, von durchschnittlich 5,85 zł je Liter auf 5 zł freuen. Das sind umgerechnet 1,10 Euro für einen Liter Benzin.

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Beide Steuersenkungen sind nach Aussagen der Regierung nur vorübergehend und haben das Ziel, die hohen zusätzlichen Belastungen für die privaten Haushalte zu begrenzen. Mateusz Morawiecki bezifferte die Mindereinnahmen, die durch das Ausbleiben der Umsatzsteuereinnahmen auf den polnischen Staatshaushalt zukommen werden, auf 1,5 Milliarden Złoty je Quartal. Das sind umgerechnet 330 Millionen Euro. Diese Kosten und die Kosten für die anderen Inflationsbekämpfungsmaßnahmen möchte die polnische Regierung aus den Emissionspapierverkäufen decken, die letztes Jahr rund 4,4 Milliarden Euro einbrachten.

Steigende Energiekosten

Nach Einschätzung der polnischen Regierung sind die steigenden Energiekosten die schlimmsten Preistreiber in der aktuellen Situation. Wirtschaftsexperten des Polnischen Wirtschaftsinstitutes (PIE) gehen davon aus, dass im laufenden Jahr die Verbraucherpreise für Energie in Polen zwischen 10 – 15 % wachsen werden. Das ist doppelt so viel, wie im Jahr 2021, wo der Anstieg etwas mehr als 6 % betrug. “Die größten Preissteigerungen sind mit den CO2-Emissionen und indirekt dem Anstieg des Preises für Kohle verbunden,” heißt es im aktuellsten Inflationsbericht des PIE.

Die Steuersenkungmaßnahmen bei den Kraftstoffen sollen laut des polnischen Ministeriums für Finanzen die privaten Haushalte gezielt im Bereich dieser Warengruppe entlasten. Das PIE prognostiziert aber eine langfristige Preissteigerung bei allen Energieträgern, die weit über das Jahr 2022 hinaus dauern wird.

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Die Belastungen dürften sich daher kaum in 1-3 Quartalen auflösen. Dementsprechend können die angekündigten Steuersenkungen wohl länger nötig sein, als das von der polnischen Regierung kommuniziert wurde. Ferner, so das PIE, könnte die Wirkung der teuren Steuersenkungen im Laufe des Jahres abnehmen. Während im 1. Quartal diese Maßnahmen die Inflation um etwa 1,2 % zumindest aufhalten könnten, wäre im Folgequartal nur noch mit einer Wirkung von 0,3% zu rechnen.

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