Feuer frei

Wölfen geht es jetzt an den Kragen

Gleich zwei Wölfe in Deutschland sind ab jetzt zum Abschuss freigegeben. Die Raubtiere hatten immer wieder Haustiere getötet, obwohl die hinter Zäunen gehalten wurden, die als wolfssicher galten. Welche Jäger den Tieren nachstellen werden, bleibt geheim.
dpa
Ein für mehrere Schafsrisse hinter wolfssicheren Zäunen im Kreis Pinneberg verantwortlicher Wolf darf abgeschossen werden (Symbolbild).
Ein für mehrere Schafsrisse hinter wolfssicheren Zäunen im Kreis Pinneberg verantwortlicher Wolf darf abgeschossen werden (Symbolbild). Carsten Rehder
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Kiel.

Ein als verhaltensauffällig geltender Wolf im südlichen Schleswig-Holstein ist ab sofort zum Abschuss freigegeben. Das Tier wird für mehrere Schafsrisse hinter wolfssicheren Zäunen im Kreis Pinneberg verantwortlich gemacht. Auch in Niedersachsen wurde für einen anderen Wolf eine entsprechende Genehmigung erteilt. Das wurde am Donnerstag bekannt.

Bisher gab es in Deutschland nur zwei behördlich angeordnete "Entnahmen". Dass jetzt gleich zwei weitere Tiere zum Abschuss freigegeben wurden, kann als deutlicher Kurswechsel in der Wolfspolitik gewertet werden, zumal der Abschuss in Schleswig-Holstein sogar von einem grünen Umweltminister befürwortet wird.

 

 

 

Acht Risse in kurzer Zeit

Im Bereich Pinneberg in Schleswig-Holstein hatte es seit Ende November acht Risse gegeben, bei denen Tiere als wolfssicher geltende Zäune überwanden. Für sechs der Fälle ist der Wolf mit der Kennung „GW 924m” laut DNA-Untersuchungen verantwortlich.

Laut Umweltministerium gab es gleich mehrere Anträge auf Abschuss des Wolfs. Das soll nun eine Gruppe Fachleute unter Einbeziehung des Landesjagdverbands übernehmen. Die Anonymität der Jäger müsse gewährleistet sein, sagte der grüne Umweltminister Albrecht. „Diese Aufgabe ist doppelt schwer – weder schön, noch einfach.”

Angesichts umfassender Präventionsmaßnahmen und erheblicher wirtschaftlicher Schäden sei ein Abschuss trotz des strengen Artenschutzes erlaubt. „Es besteht zudem die Gefahr, dass der Wolf sein Verhalten an Nachkommen weitergibt und damit die Risszahlen trotz umfassender Herdenschutzmaßnahmen deutlich steigen”, sagte der Minister. Das wäre für die Akzeptanz des Rückkehrers ein Problem.

In Niedersachsen hatte Umweltminister Olaf Lies (SPD) in aller Stille bereits vor einer Woche die Genehmigung erteilt, ein Tier aus dem sogenannten Rodewalder Rudel zu töten. Das niedersächsische Umweltministerium bestätigte mittlerweile entsprechende Meldungen.

Rüde zeigte problematisches Verhalten

Minister Lies habe wegen auch durch Gen-Tests nachgewiesener Risse von Rindern die „Erteilung einer Ausnahmegenehmigung zur Entnahme des Rüden“ unterzeichnet. Die Ausnahme sei zur Abwendung von Schäden in der Weidewirtschaft erforderlich.

Anfang 2018 war in Sachsen ein auffälliger Wolf erschossen worden, weil er Hunde getötet hatte. In Niedersachsen war 2016 ein von den Medien "Kurti" genanntes Tier erschossen worden. Dieser Wolf hatte keine Scheu vor Menschen, alle Versuche, ihm dieses auffällige Verhalten zu verleiden, blieben erfolglos.