„HEIMAT DEFENDER”

Rechtes Zocken mit Björn Höcke

Björn Höcke verteidigt mal wieder die multibedrohte Heimat. So aufgesetzt und grotesk, dass man das entsprechende Video ruhig kommentieren darf, auch wenn man diesem Rechtsextremen eigentlich keine Plattform geben will, findet unser Kollege Jochen Klein.
Björn Höcke, AfD-Chef in Thüringen, macht auf YouTube Werbung für das rechte Computerspiel „Heimat D
Björn Höcke, AfD-Chef in Thüringen, macht auf YouTube Werbung für das rechte Computerspiel „Heimat Defender”. Screenshot Youtube 1 Prozent
Berlin.

Soso, Björn Höcke ist jetzt also Gaming-Experte. In einem YouTube-Video wirbt der Thüringer AfD-Chef für das rechtsbelustigende Computerspiel „Heimat Defender”. Zum elektronischen Beat freut sich der anfangs verpixelte Höcke über das Jump & Run-Game, das im Stil der 80er-Jahre gehalten ist. Musste es vielleicht auch, weil es so billig war, aber dazu später mehr.

Man müsse „wachsam bleiben und trainieren – täglich”, sagt Höcke da ernst in die Kamera, denn: „Heimat ist bedroht!” Von innen, von außen, das gräbt dem wie immer im Reichsflaggen-schwarzen Sakko gekleideten Rechtsaußen-Propagandist die liebevoll ausgeleuchteten Sorgenfalten noch tiefer ins Deutschland-retten-Gesicht.

Und dagegen soll Zocken mit Björn Höcke helfen? Mit einem 48-jährigen Geschichtslehrer, der für Möchtegern-jugendliche Gamerwerbung steif Slogans aufsagt, die so gar nicht zum sonst hingebungsvoll zelebrierten leibesertüchtigenden Holzhacken und – Achtung – Waldspaziergängen passen?

Feindbilder im Spiel sind Böhmermann oder George Soros

Aber halt, nicht doch, das alles ist – supermodern, wie Björn Höcke nun mal ist – natürlich total ironisch gemeint. Spätestens zum Schluss soll das – mit dem Holzhammer – auch jedem deutlich werden. Denn da, wirklich endlustig, fragt Höcke, seine eigene Hölzernheit parodierend und natürlich total spontan: „Warum heißt es nicht 'Heimat Verteidiger'?” Weil, verstehst, Höcke ist ja Nationalist und deutsche Sprache und so.

20.000 Euro soll das Spiel gekostet haben. Zu bekämpfende Antagonisten ähneln übrigens Jan Böhmermann oder George Soros, gegen den antisemitisch geprägte Hetzkampagnen immer noch en vogue sind. Spieler können als Höcke himself oder Aktivisten der rechtsextremen Identitären zocken. Das Youtube-Video wurde von dem Kampagnenprojekt „1 Prozent” beworben.

Höcke + 1 Prozent = Schweineleber + Sauerkraut

Dass Höcke Rechtsextremist ist – geschenkt. Bei einem Verein wie „1 Prozent”, dem vom neurechten Verleger Götz Kubitschek finanzierten Sprachrohr der Identitären, passt das wie Schweineleber zu Sauerkraut, um in deren rassistischer Welt zu bleiben, wofür lecker Leber und famoses Kraut natürlich nichts können.

Das Video ist in Summe fast so geeignet wie die berühmte Dresdner Rede Höckes, in der er gestikuliert und spricht wie ein überdosierter Koks-Freak im Goebbels-Wahn, um bürgerliche Wähler endgültig zu vergraulen. Das ist die gute Nachricht.

Rechtes Computerspiel als Propaganda für leicht zu beeinflussende Jugendliche

Die schlechte: Propaganda-Mittel wie das Spiel „Heimat Defender”, rechter Rap oder Kleidung mit entsprechenden Symbolen können jungen Menschen tatsächlich einen erleichterten und popkulturellen Einstieg in die Ideenwelt von Rassisten und Rechtsextremisten bieten. Der Gaming-Experte Christian Huberts beobachtet mit Sorge, dass heutzutage Spiele produziert werden, „die eine ganz klare rechtsextreme Agenda verfolgen.”

Die gewollte Provokation im sich selbst sehr gewollt nicht ernst nehmenden Werbevideo täuscht dann eben doch nicht darüber hinweg, worum es in dem Spiel und dem politischen Denken der Entwickler geht: Dass man seine vermeintliche Heimat (Höcke als Westdeutscher bezeichnet in dem Video Thüringen als diese) mit überbordernder Gewalt vor Linken, Juden und Andersdenkenden verteidigen soll. Deswegen der Vorschlag: Vielleicht am besten doch einfach ignorieren.

Mehr lesen: Verfassungsschutz beobachtet Höckes „Flügel” jetzt offiziell

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Kommentare (3)

Vergewaltigungen, Mord und Totschlag in jeglicher Form, Raub, Erpressung, Schatten und Clanwirtschaft lieber sind - dann nur zu und weiter so mit Merkels Politik und Typen wie Amthor

Gibt es den noch? Der gehört doch zu den Untoten!

Adolfs Wiedergänger 😱