ZWEI TOTE

▶ Rechtsextremist wollte in Synagoge in Halle Massaker anrichten

Die jüdische Gemeinde in Halle entgeht knapp einem Massaker. Ein Attentäter will die Synagoge stürmen, scheitert aber. Dann erschießt er zwei Menschen. Es soll ein 27-jähriger Deutscher sein.
dpa
Eine Ex-Neubrandenburgerin hat ein Foto vom Tatort am Döner-Imbiss in Halle gemacht. Bis vor einem Jahr hat sie in fast direkter Nachbarschaft gelebt. Ute Schulz
Bei Schüssen in Halle sind zwei Menschen getötet worden.
Bei Schüssen in Halle sind zwei Menschen getötet worden. Sebastian Willnow
Polizeikontrolle an der Bundesstraße 91 zwischen Deuben und Werschen ein Taxi.
Polizeikontrolle an der Bundesstraße 91 zwischen Deuben und Werschen ein Taxi. Bernd März
Die bewaffneten Angriffe in Halle haben nach Angaben von Bundesinnenminister Seehofer sehr wahrscheinlich ein rechtsextremisti
Die bewaffneten Angriffe in Halle haben nach Angaben von Bundesinnenminister Seehofer sehr wahrscheinlich ein rechtsextremistisches Motiv. Jan Woitas
Die bewaffneten Angriffe in Halle haben nach Angaben von Bundesinnenminister Seehofer sehr wahrscheinlich ein rechtsextremisti
Die bewaffneten Angriffe in Halle haben nach Angaben von Bundesinnenminister Seehofer sehr wahrscheinlich ein rechtsextremistisches Motiv. Swen Pförtner
Halle.

Ein schwerbewaffneter Täter hat am Mittwoch versucht, in einer Synagoge in Halle/Saale ein Blutbad unter rund 80 Gläubigen anzurichten. Die jüdische Gemeinde entging an ihrem höchsten Feiertag Jom Kippur nur knapp einer Katastrophe.

Der mutmaßliche Rechtsextremist Stephan B. aus Sachsen-Anhalt wollte nach Angaben aus Sicherheitskreisen am Mittwochmittag die Synagoge mit Waffengewalt stürmen, scheiterte jedoch. Danach soll der 27-jährige Deutsche vor der Synagoge und in einem nahen Döner-Imbiss zwei Menschen erschossen und mindestens zwei weitere verletzt haben. Er floh vom Tatort und wurde am Nachmittag festgenommen.

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Erst nach langen Stunden des Wartens wurde klar, dass es sich um einen Einzeltäter handelte. Innenminister Horst Seehofer (CSU) sprach am Abend von einem antisemitischen Motiv. Der Generalbundesanwalt, der die Ermittlungen rasch an sich gezogen hatte, habe zudem „ausreichend Anhaltspunkte für einen möglichen rechtsextremistischen Hintergrund”. Seehofer sagte weiter: „Der höchste jüdische Feiertag Jom Kippur ist heute ein schwarzer Tag. Ein schwer bewaffneter Täter hat versucht, in eine Synagoge einzudringen, in der sich rund 80 Menschen aufhielten.”

Der MDR zeigte ein Video, auf dem womöglich derselbe Mann aus einem Auto aussteigt und mehrfach seine Waffe abfeuert. Hier ist das Video zu sehen.

Schwere Vorwürfe an die Polizei

Der Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, sagte am Abend: „Die Brutalität des Angriffs übersteigt alles bisher Dagewesene der vergangenen Jahre und ist für alle Juden in Deutschland ein tiefer Schock.” Zugleich erhob er schwere Vorwürfe gegen die Polizei. „Dass die Synagoge in Halle an einem Feiertag wie Jom Kippur nicht durch die Polizei geschützt war, ist skandalös.” Er fügte hinzu: „Wie durch ein Wunder ist nicht noch mehr Unheil geschehen.”

Mehr lesen: Die Polizei Mecklenburg-Vorpommern hat mehrere jüdische Objekte unter besonderen Schutz gestellt.

Bei dem Angriff legte der Täter auch selbstgebastelte Sprengsätze vor dem Gotteshaus ab. Eine Frau wurde vor der Synagoge von tödlichen Schüssen getroffen. Etwa 30 Meter vor der Synagoge wurde sie auf der Straße neben der Synagoge getötet. Das Opfer aus dem Döner-Imbiss war ein Mann.

Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Halle, Max Privorozki, bestätigte, dass sich der Angriff der Täter direkt gegen die Synagoge richtete. „Wir haben über die Kamera unserer Synagoge gesehen, dass ein schwer bewaffneter Täter mit Stahlhelm und Gewehr versucht hat, unsere Türen aufzuschießen”, sagte Privorozki der „Stuttgarter Zeitung” und den „Stuttgarter Nachrichten”. „Aber unsere Türen haben gehalten.”

Täter filmt tödliche Schüsse

Die Tat erinnert an den Anschlag eines Rechtsextremisten auf Muslime in zwei Moscheen im neuseeländischen Christchurch, bei dem Mitte März mehr als 50 Menschen getötet worden waren. Wie dieser Täter hatte der Schütze von Halle eine Kamera auf dem Helm und filmte seine Taten. Ein Bekennervideo kursiert seit Mittwoch im Internet.

Darin ist ein junger Mann in Kampfanzug mit weißem Halstuch in einem Auto zu sehen. Der Mann gibt in nicht muttersprachlichem Englisch und Deutsch extrem antisemitische, rassistische und frauenfeindliche Äußerungen von sich. In dem Video sind auch mehrere Schießszenen zu sehen. Neben der mehrfachen Schüsse auf die Frau vor der Synagoge, zeigt das Video des Täters auch, wie in einem Döner-Imbiss mehrfach auf einen Mann geschossen wird, der hinter einem Kühlschrank liegt. Das Video liegt dem Nordkurier vor.

20 Menschen verschanzten sich in Synagoge

Levi Salomon vom Jüdischen Forum für Demokratie und gegen Antisemitsmus bestätigte der dpa nach einem Telefonat mit Privorozki, der maskierte Täter habe gegen die Tür geschossen, dabei aber nicht in die Synagoge eindringen können. Rund 20 Menschen seien am Nachmittag noch in der Synagoge verschanzt gewesen, darunter auch mehrere Gäste aus den USA.

Laut Salomon wurden auch Flaschen mit Flüssigkeit geworfen. Eine habe die Sukka (Laubhütte), eine andere den Jüdischen Friedhof in unmittelbarer Nähe und eine den Hof der Synagoge getroffen. Nur die Flasche gegen den Friedhof habe sich entzündet.

US-Botschafter Richard Grenell sagte, zehn Amerikaner seien in der Synagoge gewesen. „Alle sind sicher und unverletzt”, schrieb Grenell auf Twitter. Bundeskanzlerin Angela Merkel informierte sich über die Lage und sprach den Angehörigen der Opfer ihr tiefes Beileid ausgesprochen. Die Kanzlerin habe mit Seehofer und Haselhoff gesprochen, twitterte Regierungssprecher Steffen Seibert. Die Solidarität gelte allen Jüdinnen und Juden am Feiertag Jom Kippur.

Zunächst mehrere Täter vermutet

Die Stadt Halle sprach am frühen Nachmittag von einer „Amoklage” und rief die Menschen überall in Halle dazu auf, in Gebäuden zu bleiben. Zunächst war die Polizei davon ausgegangen, dass mehrere bewaffnete Täter mit einem Auto auf der Flucht seien. Gegen 18.15 Uhr gab sie Entwarnung. „Sie können wieder auf die Straße, die Warnungen sind aufgehoben”, twitterte die Polizei.

Es gab mindestens zwei weitere Verletzte. Sie wurden mit Schussverletzungen in das Universitätsklinikum Halle gebracht, waren aber am Abend außer Lebensgefahr.

Auch in Landsberg, rund 15 Kilometer östlich von Halle, gab es Schüsse. Ein Zusammenhang zu Halle war zunächst von den Behörden aber nicht bestätigt worden.

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) zeigte sich entsetzt über die Tat. „Es wurden durch sie nicht nur Menschen aus unserer Mitte gerissen, sie ist auch ein feiger Anschlag auf das friedliche Zusammenleben in unserem Land.”

Schweigeminute im Europaparlament

Aus dem Ausland kamen ebenfalls bestürzte Reaktionen. Das Europaparlament legte eine Schweigeminute für die Opfer ein. In Gedanken sei man bei Deutschland, der deutschen Polizei und bei der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland, sagte Parlamentspräsident David Sassoli.

Auch UN-Generalsekretär António Guterres bewerte den Vorfall als „eine weitere tragische Demonstration von Antisemitismus”, teilte ein UN-Sprecher in New York mit.

Stadt. Land. Klassik! - Konzert in Halle

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Kommentare (4)

Ich habe mir das Video ebenfalls in Ausschnitten angeguckt und komme zu den Schluß ,dass es sich bei dem Täter ebenso um ein Autisten handeln könnte.

In der ersten Sequenz sagt er:

Hi my name is Anon (oder Anan), and i think the holocaust never happened. Feminism is the cause of decline of the west, which acts as a scapegoat for mass immigration. And the roots of all this problems is the Jew.
Would you like to be friends?

Dazu der Gesichtsausdruck... Der Täter muss entweder stroh dumm sein oder geistig behindert. Auch die Tatsache, dass er eine Handgranate auf den Friedhof schmeißt umdann mit einen "selbstgebauten" Gewehr versucht die Tür auf zu schießen ist nicht sehr intelligent.

Er soll auch irgendwo noch ein Paar Worte niedergeschrieben haben, da bin ich noch am suchen.

Die Opfer sind übrigens weder Juden noch Moslems, sondern 2 "Bio-Deutsche".

Laut NTV steht sonst ein Polizeiauto vor der Synagoge. Ausgerechnet gestern war er nicht da.

Hier ist sein Pamphlet:

https://19vierundachtzig.com/2019/10/10/halle-die-bekenner-pdfs-vom-amoklaeufer-stephan-balliet/

steht aber nicht viel drin. Ist hauptsächlich eine Auflistung sein Waffen und eine Beschreibung der Synagoge. Außerdem noch Drohungen gegen Juden, Muslime, Schwarze und Christen.