BLACKOUT

Riesen-Stromausfall in Südamerika

Nach einem massiven Stromausfall in Südamerika waren Millionen Menschen ohne Elektrizität. Viele nahmen es mit Humor, andere fürchteten um ihre Angehörigen.
dpa
Christine Gerhard Christine Gerhard
Für Millionen Südamerikaner gab es am Sonntag ein böses Erwachen.
Für Millionen Südamerikaner gab es am Sonntag ein böses Erwachen. dpa
Buenos Aires.

Züge blieben stehen, U-Bahnen fuhren nicht mehr, die Ampeln fielen aus: Nach einem massiven Stromausfall waren am Sonntag viele Millionen Menschen in Südamerika ohne Strom – und sind es teilweise noch immer. Vom argentinischen Energieversorger Edesur hieß es, der Riesenblackout erstrecke sich nach einer schweren Strömung über ganz Argentinien und Uruguay. Damit wären 48 Millionen Einwohner betroffen gewesen.

Inzwischen gibt es Hinweise, dass der Stromausfall womöglich nicht flächendeckend war. Die argentinische Zeitung „La Nación” berichtet aber von Blackouts in der Hauptstadt Buenos Aires und verschiedenen Provinzen des Landes. Auch Teile von Brasilien und Chile seien ohne Elektrizität. Laut BBC kam es außerdem in Paraguay zu Stromausfällen. Und warum?

„Wegen einer Generalstörung im Verbindungssystem befinden sich Argentinien und angrenzende Länder ohne Elektrizität”, hieß es vom größten argentinischen Energieverteiler Edenor. Der uruguayische Versorger UTE meldete auf Twitter, dass der Schaden im argentinischen Netz sich auf das Verbundsystem ausgewirkt habe, so dass das eigene Staatsgebiet ganz ohne Strom war. Die genauen Ursachen des Ausfalls würden untersucht, teilte das argentinische Energieministerium mit.

Viele Betroffene nahmen es mit Galgenhumor

Um 7.07 Uhr Ortszeit wachten die ersten Betroffenen im Dunkeln auf und ärgerten sich zunächst nur über einen kleineren Stromausfall, wie sie dem Twitterverlauf von Edesur zufolge dort offenbar häufiger vorkommen. Einer von der harmlosen Sorte, der hoffentlich in kurzer Zeit behoben wäre. „Der Strom ist aus, aber der kommt schon wieder”, dachte wohl nicht nur ein Twitter-Nutzer am Morgen. Über vier Stunden später waren sich die meisten des eigentlichen Ausmaßes bewusst. Und warteten teilweise noch immer auf Strom.

Auf Twitter, wo sich so mancher anfangs noch beklagte, an diesem Regentag keine Filme auf Netflix sehen zu können, wuchs allmählich der Frust. Nutzer machten ihrer Wut über den Energiebetreiber Luft oder spekulieren, mal mehr mal weniger sarkastisch, über Anschläge und Verschwörungstheorien. Solange der Akku reichte.

„Und mit dieser Anfrage verschwinde ich von der Welt, da ich nur noch zwei Prozent Akku habe”, twitterte ein Nutzer. „Vielleicht sehe ich die Ergebnisse in einem anderen Leben oder von einem anderen Planeten, falls es sich um eine Invasion von Außerirdischen handelt.

"Mein Sohn hängt an Geräten"

Wie er nehmen viele Betroffene den Blackout mit schwarzem Humor, erinnern an Szenen aus Serien wie den „Simpsons” und „The Walking Dead”.

Für andere war die „Apokalypse”, wie einige es nennen, von Anfang an ernst: „Ich habe einen Sohn, der an Geräten hängt”, twitterte ein Nutzer. Eine Frau verbreitete eine Notfallnummer für Familien mit kranken Angehörigen, deren Leben ebenfalls vom Strom abhängt. Die meisten Krankenhäuser versorgten sich anscheinend über Generatoren.

Hinzu kommt, dass auf der Südhalbkugel gerade der Winter beginnt und viele Menschen in den betroffenen Ländern heizen mit Strom.

Lichter gehen wieder an

Der Energieversorger machte sich daran, den Schaden zu beheben, kündigte aber an, dies könne einige Stunden dauern. Nun scheint nach und nach in den Haushalten wieder das Licht anzugehen. Im Netz der Hauptstadt und des Großraums Buenos Aires habe der Strom wieder zu fließen begonnen.

Das Departement Misiones im Süden Paraguays konnte bereits nach 40 Minuten wieder angeschlossen werden, weil das Netz mit dem brasilianischen Wasserkraftwerk Itaipú verbunden wurde. Aus Chile berichtete der Sender Radio Cooperativa, dass sich der dortige Stromausfall schon vor dem argentinischen ereignet habe und behoben wurde.

„Und es ward Licht”, freute sich eine Nutzerin auf Twitter und knapp gehaltene, aber merklich erleichterte Nachrichten wie diese mehren sich.

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