Die Kernenergie ist ein zentraler Streitpunkt bei den Verhandlungen über die künftige Energiestrategie der Welt bei
Die Kernenergie ist ein zentraler Streitpunkt bei den Verhandlungen über die künftige Energiestrategie der Welt bei der UN-Klimakonferenz COP26 in Glasgow. (Symbolbild) Czarek Sokolowski
Klimaziele

Rückkehr zur Atomkraft – Befürworter auch in Deutschland

Die weltweite Energiekrise hat zuletzt zu einer hitzigen Debatte um die Zukunft der Atomenergie in Deutschland geführt. Es gibt viele Gegner, aber auch Befürworter.
Berlin

Mehr als ein Jahrzehnt galt Atomkraft in Deutschland als Teufelszeug. Das Thema war verbrannt, der Ausstieg beschlossene Sache. Dies hat sich nun geändert. Dabei spielt nicht nur die Energiekrise mit zuletzt massiv gestiegenen Preisen eine Rolle. Auch die gewaltigen Herausforderungen beim Klimaschutz rücken immer stärker in den Fokus.

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Spätestens seitdem Microsoft-Gründer Bill Gates Mini-Atomkraftwerke als Heilsbringer im Kampf gegen den Klimawandel propagierte, ist auch in Deutschland eine schon ad acta gelegte Frage neu entbrannt: Befindet sich die Bundesrepublik mit dem Atomausstieg auf einem Irrweg?

Diese Haltung vertreten unter anderem der Ökonom Hans-Werner Sinn und Sanjiv Lamba, der neue Chef des DAX-Konzerns Linde. Auch der ehemalige Vorstandsvorsitzende des Chemiekonzerns BASF, Jürgen Hambrecht, der selbst Mitglied der Ethikkommission zum Atomausstieg war, sprach sich für eine Laufzeitverlängerung der sechs verbliebenen deutschen Atomkraftwerke aus.

„Bitte lass die Kernkraftwerke am Netz”

In „Welt“ schrieben vor einigen Wochen internationale Experten aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik einen offenen Brief mit der Überschrift „Liebes Deutschland, bitte lass die Kernkraftwerke am Netz“. Sie argumentieren, dass Deutschland mit dem Atomausstieg das Erreichen seiner Klimaziele gefährde.

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Die Abschaltung der letzten Kernkraftwerke führe „unweigerlich zu rund 60 Millionen Tonnen zusätzlicher Kohlenstoffemissionen pro Jahr“, da dann „mehr fossile Brennstoffe verbrannt werden“ müssten, „um die erforderliche Ersatzleistung zu erbringen“.

Für Wirtschaft und Bürger spielen dabei auch die Versorgungssicherheit und wettbewerbsfähige Energiepreise eine Rolle, insbesondere vor dem Hintergrund, dass sich SPD, Grüne und FDP in ihren Koalitionssondierungen darauf einigten, schneller aus der Kohleverstromung auszusteigen. „Idealerweise gelingt das schon bis 2030“, heißt es in einem gemeinsamen Papier.

Zuletzt sind auch windkraft-kritische Bürgerinitiativen in die Diskussion eingestiegen. So sprachen sich die Initiativen „EnergieVernunft“ und „Vernunftkraft“ in einem den Fraktionsvorsitzenden in Berlin vorgelegten Papier für ein „Kernkraftwerk-Moratorium“ aus.

Für weitere Nutzung der Braunkohle

Die verbliebenen Atommeiler dürften erst stillgelegt werden, wenn die wegfallende Strommenge durch Ersatzneubauten von erneuerbaren Energien und Gaskraftwerken ersetzt worden sei, heißt es. „EnergieVernunft Mitteldeutschland“ tritt nach eigenen Angaben auch für eine weitere Nutzung der Braunkohle ein.

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Der Präsident des Bundesamts für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung, Wolfram König, lehnt derweil längere Laufzeiten für die noch verbliebenen Atomkraftwerke entschieden ab. Die Diskussion sei „völlig losgelöst“ von den „technischen, genehmigungsrechtlichen und politischen Realitäten“. Zudem sei die Frage nach der Endlagerung der hochgefährlichen Abfälle „immer noch weltweit unbeantwortet“, so König.

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