Strahlung in Deutschland gemessen

Russland bestätigt extrem hohe Radioaktivität

Ende September herrschte in Teilen Russlands das 1000-fache der erlaubten Strahlung, auch in Deutschland stiegen die Werte. Einen Atomunfall bestreitet Russland.
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Die russische Atombehörde hat die extrem hohen Strahlungswerte bestätigt - bestreitet aber einen Atomunfall.
Die russische Atombehörde hat die extrem hohen Strahlungswerte bestätigt – bestreitet aber einen Atomunfall. Sebastian Kahnert
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Osjorsk.

In Teilen Russlands wurde Ende September extrem erhöhte Radioaktivität gemessen. Die Konzentration überstieg den erlaubten Wert um fast das 1000-fache, wie der russische Wetterdienst laut Medienberichten am Montag bestätigt hat. Auch in Deutschland wurde seinerzeit leicht erhöhte Radioaktivität festgestellt.

Das deutsche Bundesamt für Strahlenschutz hatte den Ursprung im südlichen Ural vermutet, die russische Atombehörde Rosatom bestritt das aber noch Mitte Oktober. Den damaligen Rosatom-Angaben zufolge herrschte weder im südlichen Ural noch sonstwo erhöhte Radioaktivität – mit Ausnahme von St. Petersburg, dort aber sei nur eine niedrige Konzentration gemessen worden.

Atomkraftwerk liegt ganz in der Nähe

Der russische Wetterdienst hat nun das Gegenteil bestätigt. Nach seinen Angaben herrschte in manchen Regionen eine "äußerst hohe” Konzentration von radioaktivem Ruthenium-106, so die Medienberichte. Die höchste Konzentration wurde demnach in der Region Tscheljabinsk gemessen – im südlichen Ural unweit der Grenze zu Kasachstan. In dem Dorf Argajasch habe die Konzentration das 986-fache des erlaubten Werts betragen.

Argajasch liegt keine 50 Kilometer entfernt von dem Atomkraftwerk Majak. Dort ereignete sich im Jahr 1957 einer der schlimmsten Atom-Unfälle der Geschichte, nach Tschernobyl und Fukushima gilt er als der drittschwerste. Heute werden in dem Atomkraftwerk abgebrannte nukleare Brennstoffe aufbereitet.

Greenpeace fordert Untersuchung von der russischen Atombehörde

Die extrem erhöhten Strahlenwerte gingen aber nicht auf einen Atomunfall zurück, beteuerte die Atombehörde Rosatom nun – weder in Majak noch anderswo. „Es gab keinerlei Zwischenfälle innerhalb der nuklearen Infrastruktur Russlands”, versicherte ein Rosatom-Vertreter gegenüber der Nachrichtenagentur AFP.

Greenpeace aber traut den Angaben offenbar nicht. Den Medienberichten zufolge fordert die Umweltschutzorganisation von Rosatom eine gründliche Untersuchung und von der russsischen Staatsanwaltschaft „Ermittlungen über die mögliche Verschleierung eines Atomunfalls”.

Höchste Konzentration innerhalb Deutschlands in Görlitz gemessen

Einen Atomunfall als Ursache für die erhöhte Strahlung schloss das Bundesamt für Strahlenschutz allerdings bereits im Oktober aus, da ausschließlich Ruthenium-106 nachgewiesen wurde. Die Gesundheit der Bevölkerung sei nicht gefährdet, hieß es damals.

Die höchste Konzentration in Deutschland wurde in Görlitz gemessen und lag bei etwa fünf Millibecquerel pro Kubikmeter Luft. „Selbst bei konstanter Einatmung über den Zeitraum von einer Woche ergibt sich daraus eine Dosis, die niedriger ist als die, die durch die natürliche Umgebungsstrahlung in einer Stunde aufgenommen wird”, erklärten das Bundesamt für Strahlenschutz und das Bundesumweltministerium in einer gemeinsamen Mitteilung.