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18-Jähriger Attentäter erschießt in München neun Menschen

Ein beispielloses Attentat in München erschüttert Deutschland: Ein 18-jähriger Deutsch-Iraner hat in der bayerischen Landeshauptstadt neun Menschen erschossen. Auf der Flucht hat er sich selbst getötet. Alle Details im Überblick.

Polizei und Rettungskräfte sind mit einem Großaufgebot vor Ort.
Matthias Balk Polizei und Rettungskräfte sind mit einem Großaufgebot vor Ort.

FREITAG

18.30 Uhr: In einem Einkaufszentrum in München hat es eine Schießerei gegeben. Ob Menschen verletzt oder getötet wurden, konnte eine Sprecherin der Polizei am Freitagabend zunächst nicht sagen. "Es ist wohl etwas Größeres", sagte sie weiter. Regionalen Medienberichten zufolge ist das Gebiet um ein Einkaufszentrum in dem Stadtteil Moosach weiträumig abgesperrt.

18.52 Uhr: Die Polizei in München hat mittlerweile bestätigt, dass es bei der Schießerei Verletzte und möglicherweise auch Tote gab.

Todesfall bestätigt

19.02 Uhr: Mittlerweile hat die Polizei bestätigt, dass mehrere Menschen bei der Schießerei ums Leben kamen.

19.19 Uhr: Die Polizei forderte die Anwohner über Twitter auf, ihre Wohnungen nicht zu verlassen und vom Tatort fernzubleiben. Von überall in der Stadt eilten Polizisten zum Ort. Vor dem Olympia-Einkaufszentrum (OEZ) waren zahlreiche Einsatzfahrzeuge der Polizei und auch ein Krankenwagen zu sehen.  Das Gelände nahe dem Olympiapark sei weiträumig abgesperrt, so die Sprecherin.

19.27 Uhr: Die Schießerei in München hat nach Angaben der Polizei bei einem Schnellrestaurant im Olympia-Einkaufszentrum begonnen. Es sei um 17.52 Uhr losgegangen, sagte Thomas Baumann, stellvertretender Sprecher des Polizeipräsidiums, am Freitag. Die Lage sei noch immer komplett unübersichtlich. Man wisse nicht, ob man es mit einem Täter oder mehreren zu tun habe. Die Polizei rechnet mit mehreren Toten und Verletzten.

Nahverkehr komplett eingestellt

19.33 Uhr: Mittlerweile hat die Münchner Verkehrsgesellschaft bestätigt, dass auf polizeiliche Anweisung der gesamte Betrieb und U-Bahn, Bus und Tram eingestellt wurde.

19.45 Uhr: Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) ist  auf dem Weg in die Landeshauptstadt.

19.51 Uhr: Die Polizei warnt davor, öffentliche Plätze zu betreten. Vor allem sollten Augenzeugen keine Bilder oder Videos von dem Polizeieinsatz im Internet veröffentlichen: "Unterstützt nicht die Täter!"

Am zweiten Schauplatz Fehlalarm

19.58 Uhr: Die Münchner Polizei hat klargestellt, dass es am Stachus in der Innenstadt einen Fehlalarm gegeben hat. Die Polizei war mit einem Großaufgebot vor Ort gewesen, nachdem Panik ausgebrochen war. Leute hatten geschrien und waren in Tränen ausgebrochen.

20.00 Uhr: Laut Polizeiangaben soll es drei Täter geben.

20.07 Uhr: Der Münchener Hauptbahnhof wurde evakuiert. Die Züge aus allen Richtungen würden vorzeitig an Bahnhöfen im Umland gestoppt. Zudem hat die Polizei mit zahlreichen irreführenden Berichten in sozialen etzwerken zu tun. "Da gibt es im Moment im Netz relativ viel Unsinn", sagte ein Sprecher der Münchner Polizei. "Das müssen wir dann überprüfen und das bindet natürlich Ressourcen."

20.18 Uhr:  Die Landeshauptstadt München hat am Freitagabend den "Sonderfall" wegen einer "Amoklage" ausgerufen. Die Bürger wurden über das Smartphone-Warnsystem Katwarn aufgefordert, ihre Wohnungen nicht zu verlassen.

20.34 Uhr: Sicherheitskreise schließen nach den Schüssen in München einen Terroranschlag nicht aus. Es gehe tendenziell in Richtung Terrorverdacht, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur am Freitagabend.

20.42 Uhr: Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) ist in die Einsatzzentrale der Münchner Polizei geeilt. Der von der Stadt ausgerufene "Sonderfall" bedeute, dass jetzt alle Dienste der Stadt zusammenarbeiteten, sagte er.

20.44 Uhr: Die Polizei spricht von einer "akuten Terrorlage " in München. Das gab die Münchner Polizei in einer offiziellen Mitteilung bekannt.

20.47 Uhr: Wegen des Großeinsatzes hat die Polizei alle Autofahrer aufgerufen, von den Autobahnen in Richtung der Landeshauptstadt abzufahren. „Die Polizei ersucht alle Verkehrsteilnehmer, die Autobahnen auf dem Weg nach München zu meiden beziehungsweise zu verlassen, um anfahrenden Einsatzfahrzeugen auf dem Weg nach München die freie Durchfahrt zu ermöglichen“, berichtete der Verkehrsservice des Bayerischen Rundfunks.

20.58 Uhr: Feuerwehr und Rettungskräfte in München sind mit einem Großaufgebot im Einsatz. „Alles, was verfügbar ist, ist im Einsatz“, sagte ein Sprecher der Münchner Feuerwehr. Von den Einsatzkräften sei bisher niemand verletzt worden.

20.59 Uhr: Nach Angaben der Polizei sind "bis zu drei Täter mit Langwaffen“ auf der Flucht.

21.12 Uhr: Die Münchner Polizei hat nach eigenen Angaben bisher noch keine Täter festgenommen.

21.18 Uhr: Bei dem Anschlag in München sind mindestens fünf Menschen getötet worden. Das gab ein Polizeisprecher am Abend bekannt.

21.27 Uhr: Nach den Attacken im Münchner Einkaufszentrum hat es nach Angaben der Polizei bislang keine weiteren Attentate in der Stadt gegeben. Gerüchte über andere Schauplätze hätten sich nicht bestätigt, sagte ein Sprecher der Polizei am Abend.

Zahl der Toten steigt auf sechs

21.28 Uhr: Die Zahl der bestätigten Todesopfer ist nach Polizeiangaben auf sechs gestiegen.

21.40 Uhr: Die Bundesregierung stellt sich auf eine Krisenlage wegen der tödlichen Attacken in München ein. Am Freitagabend kamen nach dpa-Informationen im Kanzleramt Mitarbeiter zusammen, um die Geschehnisse in der bayerischen Landeshauptstadt zu verfolgen und Kontakt mit allen zuständigen Stellen zu halten. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) war nicht persönlich im Kanzleramt. Innenminister Thomas de Maizière (CDU), der wegen des Attentats in Würzburg am Montagabend seinen Urlaub unterbrochen hatte, war am Abend noch auf dem Weg in die USA.

21.50 Uhr: Die Polizei hat für den Anschlag in München bislang keinen Hinweis auf einen islamistischen Hintergrund. "Dafür ist es viel zu früh", sagte Polizeisprecher Marcus da Gloria Martins.

21.50 Uhr: Die Polizei spricht derzeit von einer "akuten Terrorlage". Dazu sagte der Sprecher: "Wir gehen insofern von einem Terroranschlag aus, als wir mit unseren Maßnahmen bei dieser Annahme die höchstmögliche Wirkung erzielen und wir lieber zu viel als zu wenig Personal auf der Straße haben. Wenn sich herausstellt, dass es einen anderen Hintergrund hatte, haben wir den worst case auch abgedeckt." Die Polizei fordert die Menschen auf, in den Häusern zu bleiben und öffentliche Plätze zu meiden. Der öffentliche Nahverkehr ist eingestellt. Der Hauptbahnhof ist evakuiert. Gaststätten in der Innenstadt schließen.

Spezialeinheit nach München unterwegs

22.05 Uhr: Wegen der Sperrung des Hauptbahnhofs sind am Freitagabend viele Reisende in München gestrandet. Vor einem Hotel gegenüber dem Hauptbahnhof bildete sich eine lange Schlange von Touristen, die nach einem Zimmer suchten. Der gesamte Bahnverkehr in München war auch späten Abend noch gesperrt.

22.19 Uhr: Nach dem Attentat hat die Polizei Spezialeinheiten aus mehreren anderen Bundesländern angefordert. Darunter ist auch die GSG9 der Bundespolizei, wie ein Polizeisprecher  sagte.

22.30 Uhr: Bundespräsident Joachim Gauck hat sich bestürzt über das Attentat geäußert: "Der mörderische Angriff in München entsetzt mich zutiefst", wurde Gauck in einer Mitteilung des Bundespräsidialamtes zitiert. In Gedanken sei er bei allen Opfern und bei allen, die um einen geliebten Menschen trauerten oder fürchteten.

22.33 Uhr: Die Zahl der bestätigten Todesopfer nach dem Attentat in München ist auf mindestens acht gestiegen. Das teilte die Polizei über Twitter mit.

22.41 Uhr: Nach dem Fund einer männlichen Leiche im näheren Umfeld des Münchner Olympia-Einkaufszentrums prüft die Polizei, ob es sich um einen Täter handeln könnte. "Die Variante, ob es sich um einen Tatbeteiligten handelt, wird derzeit intensiv geprüft", sagte ein Polizeisprecher.

Statement des US-Präsidenten, noch keines der Kanzlerin

22.44 Uhr: Das Tollwood-Festival im Münchner Olympiapark ist angesichts der Terrorlage abgebrochen worden.

22.55 Uhr:  Barack Obama sagte in einem persönlichen Statement, die USA stünden zu ihren engsten Verbündeten in Deutschland. Der britische Außenminister Boris Johnson hat sich "zutiefst schockiert" und "traurig" über die tödlichen Schüsse in München geäußert. Der französische Außenminister Jean-Marc Ayrault betonte nach dem Attentat seine Verbundenheit mit Deutschland. Kanzlerin Merkel äußerte sich noch nicht zu den Ereignissen in München.

23.02 Uhr: Kanzleramtschef Altmaier äußert sich: Die Bundesregierung schließe keine Hypothese zu den Tätern und ihren Motiven aus. Nach dem Anschlag in München soll an diesem Samstag das Bundessicherheitskabinett in Berlin zusammenkommen. Dem Gremium unter Vorsitz von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gehören auch Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD), Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD), Innenminister Thomas de Maizière (CDU), Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) und Peter Altmaier (CDU) an. Die meisten sind derzeit im Urlaub.

23.23 Uhr: Rufnummern für besorgte Angehörige: Die Münchner Uni-Klinik Großhadern hat nach dem Anschlag in der Landeshauptstadt eine Hotline für Angehörige freigeschaltet. Die Nummern lauten 089 4400-15555 und 089 4400-15556. Zudem können sich besorgte Menschen noch bei der zentralen Auskunfts- und Vermisstenstelle für Angehörige unter der Nummer 0800 7766350 informieren. Diese wird unter anderem von der bayerischen Polizei betrieben.

Kriseninterventionsteam betreut Augenzeugen

23.32 Uhr: Rund 100 Menschen sind nach Angaben der Polizei Augenzeugen des Anschlags in München geworden. Sie würden von einem Kriseninterventionsteam betreut, sagte ein Polizeisprecher am späten Freitagabend in der ARD.

23.37 Uhr: Vize-Kanzler Sigmar Gabriel hat sich bestürzt zum Attentat in München geäußert und gleichzeitig die Arbeit der Polizei in der bayerischen Landeshauptstadt gelobt. „Schockierende Nachrichten aus München“, schrieb der SPD-Chef am Freitagabend bei Twitter. „Gedanken sind bei den Opfern. Jetzt keine Spekulationen.“ Die Polizei München leiste Großartiges, schrieb er weiter.

SAMSTAG

00.04 Uhr: Auf die unsichere Lage nach dem Anschlag in einem Münchner Einkaufszentrum haben unzählige Internetnutzer mit Hilfsangeboten für verängstigte Menschen reagiert. Unter dem Hashtag #OffeneTür konnten Menschen bei Twitter Unterschlupf finden oder gewähren. Auch etliche Moscheen blieben in der bayerischen Landeshauptstadt offen, um Schutzsuchenden Unterkunft anzubieten.

0.10 Uhr: Nach dem Terroranschlag halten auch Fehlalarme die Polizei in Atem. Der Chefredakteur der Münchner „Abendzeitung“, Michael Schilling, berichtete auf Twitter über drei Schüsse, die vor dem Redaktionsgebäude gefallen und die auch von mehreren Anwohnern gehört worden seien. Die Polizei rückte mit einem größeren Aufgebot an, konnte aber nichts Verdächtiges finden. Möglicherweise habe es sich um einen üblen Scherz von Feiernden gehandelt, sagte Schilling auf Anfrage. Es seien aber keine bloßen Böllerschüsse gewesen.

Polizei stellt Bilderupload zur Verfügung

0.11 Uhr: Die Münchner Polizei hat nach dem Attentat in der Nähe eines Einkaufszentrums ein Formular zum Hochladen von Bildmaterial online gestellt. Die Behörde bat Augenzeugen darum, Fotos und Videos dort einzustellen. Dies könne womöglich auch bei der Suche nach dem Täter oder den Tätern helfen, sagte Polizeisprecher Marcus da Gloria Martins. Das Formular ist unter https://medienupload-portal01.polizei.bayern.de/ abrufbar. Außerdem prüft die Münchner Polizei ein im Internet kursierendes Video, auf dem möglicherweise der oder einer der Täter zu sehen oder zu hören sein soll. Ein Sprecher betonte, das Video werde derzeit geprüft. Es sei aber noch völlig unklar, wer darauf zu sehen oder zu hören sei. Der Sprecher bat mögliche Zeugen darum, derartige Aufnahmen an die Polizei zu übermitteln. „Wir brauchen derartige Zulieferungen.“

0.50 Uhr: Mindestens zehn - zum Teil sehr schwer - Verletzte werden derzeit in Münchner Krankenhäusern behandelt, sagte ein Polizeisprecher.

Polizei gibt "vorsichtige Entwarnung"

1.20 Uhr: Die öffentlichen Verkehrsmittel fahren wieder, teilt die Polizei München via Twitter mit.

1:42 Uhr: Ein verletztes Opfer ist seinen schweren Verletzungen erlegen. Damit erhöht sich die Zahl der Getöteten auf neun. Die Polizei geht von einem Einzeltäter aus. Der etwa ein Kilometer vom Olympia-Einkaufszentrum entfernt gefundene Mann hat sich offenbar selbst getötet. Die Polizei gibt "vorsichtige Entwarnung".

2:35 Uhr: Auf einer Pressekonferenz fasst der Münchner Polizeipräsident Hubertus Andrä den Stand der Ermittlungen zusammen: Der mutmaßliche Täter sei ein 18-jähriger Deutsch-Iraner, der nach derzeitigem Stand alleine gehandelt habe. Er habe schon "länger" in München gelebt und sei der Polizei bislang nicht bekannt gewesen.

Demnach habe das Attentat um ca. 17:50 Uhr vor und in einem Schnellrestaurant begonnen und sich danach im Olympia-Einkaufszentrum (OEZ) fortgesetzt. Eine Zivilstreife habe den Täter noch im OEZ angetroffen und beschossen. Er konnte jedoch fliehen und hat sich in einer Nebenstraße dann selbst getötet. 

Zu den Motiven des Täters gebe es noch keine Erkenntnisse, heißt es auf der nächtlichen Pressekonferenz der Polizei. Die Ermittlungen stünden ganz am Anfang. Derzeit gebe es drei Schwerverletzte und 13 leicht Verletzte.

Wohnung der Eltern des Täters durchsucht

9:35 Uhr: Die Polizei hat noch in der Nacht eine Wohnung in der Münchner Maxvorstadt durchsucht, die in Zusammenhang mit der Schießerei stehen könnte. Gegen Mittag soll es eine weitere Pressekonferenz geben, wie die Polizei auf Twitter mitteilte.

Außerdem trifft sich Innenminister Thomas de Maizière am Vormittag mit den Chefs von Verfassungsschutz, BND und BKA zu einer Lagebesprechung.

11:55 Uhr: Auf der Pressekonferenz bestätigte der Polizeipräsident Andrä, dass es sich um einen Einzeltäter handelt. Die Tat habe nichts mit Flüchtlingen zu tun. Der Attentäter war in Deutschland geboren und hatte keinen Bezug zum IS. Stattdessen habe er sich "intensiv" mit dem Thema Amoklauf beschäftigt.

Andrä bestätigte außerdem neun Tote und 27 Verletzte.

11:43 Uhr: Der 18-jährige Attentäter von München soll sich viel mit Computer-"Ballerspielen" beschäftigt und den Attentäter des Amoklaufs von Winnenden verherrlicht haben. Das meldete am Samstag die Deutsche Presse-Agentur und beruft sich auf Informationen aus Sicherheitskreisen. 2009 hatte ein 17-Jähriger an seiner früheren Realschule in Winnenden bei Stuttgart und auf der Flucht 15 Menschen und sich selbst getötet.

Aus den Sicherheitskreisen hieß es weiter, der Attentäter von München soll Probleme in der Schule gehabt haben. Er sei in Deutschland groß geworden, habe die doppelte Staatsbürgerschaft und seine Eltern seien in den 90er Jahren in die Bundesrepublik gekommen. Die Motive für die Bluttat seien noch unklar. Nach ersten Erkenntnissen sei der junge Mann bislang nicht im Zusammenhang mit politisch motivierter Kriminalität in Erscheinung getreten. Es werde aber in alle Richtungen ermittelt.

12:15 Uhr: Bei der Obduktion des Täters hatte sich herausgestellt, dass er durch einen aufgesetzten Schuss starb. Die Polizei geht von Suizid aus. Der junge Mann habe sich außerdem wegen Depressionen in psychatrischer Behandlung befunden haben.

Der Täter hatte sich, so die Polizei, eine illegale Waffe besorgt und dazu noch 300 Schuss Munition dabei. Das Motiv ist weiterhin unklar.