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Schönheitskönigin erschossen und im Wald verscharrt

Ermittler bergen die Leichen von María José Alvarado und ihrer Schwester. Die Körper wurden in der Nähe eine Flusses entdeckt. Fotos (2): STR
Ermittler bergen die Leichen von María José Alvarado und ihrer Schwester. Die Körper wurden in der Nähe eine Flusses entdeckt. Fotos (2): STR
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In rasender Eifersucht soll der Freund ihrer Schwester die junge Frau erschossen haben. Bei der Miss-World-Wahl wollte María José Alvarado ein positives Bild ihrer Heimat zeichnen. Eine Welle der Gewalt hat Honduras jedoch längst in ein Krisengebiet verwandelt.

Sie wollte ihr von Gewalt erschüttertes Land auf der großen Bühne in einem positiven Licht erscheinen lassen – und wurde selbst Opfer einer Bluttat. „Mein Land ist nicht so, wie es dargestellt wird“, lautet der Titel der Rede, die die honduranische Schönheitskönigin María José Alvarado für die Wahl zur Miss World vorbereitet hatte.

Der kaltblütige Mord an der 19-jährigen Studentin und ihrer Schwester wirft allerdings einmal mehr ein Schlaglicht auf die katastrophale Sicherheitslage im mittelamerikanischen Honduras.

In rasender Eifersucht soll der Freund von Marías Schwester Sofía die beiden jungen Frauen auf seiner Geburtstagsfeier in einem Erholungsgebiet in Santa Bárbara im Nordwesten des Landes erschossen haben. Seine Freundin tanzte offenbar mit einem anderen Mann – das war ihr Todesurteil.

„Viele Mädchen sind auf die gleiche Weise gestorben, aber sie waren nicht berühmt, deshalb wurde es nie bekannt, und die Verbrechen blieben ungesühnt“, sagte der Fernsehmoderator und ehemalige Präsidentschaftskandidat Salvador Nasralla.

In Honduras gehört Gewalt inzwischen zur Tagesordnung

Lokale Medien beschreiben den Hauptverdächtigen Plutarco R. (32) als dominant und unbeherrscht. Der ausgebildete Grundschullehrer gilt als einer der mächtigsten Männer seines Heimatorts San Vincente Centenario. Beinahe über Nacht hat er es zu einem Vermögen gebracht.

Sofía und Plutarco seien unzertrennlich gewesen, erzählen Leute, die sie kannten. Nur selten kam es zu Meinungsverschiedenheiten zwischen ihnen. Die letzte Auseinandersetzung des Paars endete allerdings in einer blutigen Tragödie.

Auch wenn die junge Schönheitskönigin María ein anderes Bild von ihrer Heimat zeichnen wollte: Kriminelle Banden haben das mittelamerikanische Land längst zu einem Schlachtfeld gemacht. Mit 90,4 Morden pro 100  000 Einwohnern ist Honduras nach Angaben des Büros der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) das gefährlichste Land der Welt außerhalb von Kriegsgebieten.

Für den Großteil der Gewalt sind Jugendgangs – die sogenannten Maras – verantwortlich. Die Banden sind in Schutzgelderpressung und Drogenschmuggel verwickelt und kämpfen mit Waffengewalt um Einflussgebiete.

Auch die Alvarado-Schwestern und ihr mutmaßlicher Mörder hatten schon vor der Bluttat Erfahrungen mit der Gewaltwelle gemacht. Vor einem Jahr töteten Unbekannte den damaligen Freund von Sofía. Das Paar lebte zusammen und wollte heiraten.

Auch Plutarco hat bereits einen Angehörigen verloren. Im Februar töteten Auftragskiller seinen Bruder David. Die als Polizisten verkleideten Täter stürmten ein Restaurant in San Pedro Sula und eröffneten mit Sturmgewehren das Feuer auf den Viehzüchter.