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Schweres Erdbeben in Mexiko tötet mehr als 200 Menschen

Trauer und Zerstörung: Ein Junge hockt vor den Trümmern eines eingestürzten Supermarktes im Stadtteil Tasquena im Süden von Mexiko-Stadt.
Trauer und Zerstörung: Ein Junge hockt vor den Trümmern eines eingestürzten Supermarktes im Stadtteil Tasquena im Süden von Mexiko-Stadt.
German Eluniversal

Helfer suchen verzweifelt nach Überlebenden, zahlreiche Gebäude stürzten ein. Mehr als 200 Menschen kamen ums Leben, die Zahl dürfte noch steigen.

Riesige Trümmerhaufen türmen sich in der Millionenmetropole Mexiko-Stadt, verzweifelt suchen Nachbarn, Angehörige und Retter nach den vielen Verschütteten. Bei einem heftigen Erdbeben der Stärke 7,1 sind in Mexiko mehr als 200 Menschen ums Leben gekommen.

Ausgerechnet am Jahrestag des verheerenden Erdbebens von 1985 bebte die Erde am Dienstag heftig – nur kurz nach der alljährlichen Erbebenübung. Die Zahl der Toten dürfte weiter steigen: Da in der Hauptstadt viele Gebäude eingestürzt sind, wird mit weiteren Opfern gerechnet.

Nach Angaben von Innenminister Miguel Ángel Osorio Chong kamen mindestens 226 Menschen ums Leben. Der nationale Zivilschutzkoordinator sprach dagegen von 217 Toten im gesamten Land; darunter 86 in Mexiko-Stadt, 71 im Bundesstaat Morelos und 43 in Puebla. Rund weitere 700 Menschen sind verletzt, 400 davon schwer.

Zahlreiche Freiwillige suchen nach Verschütteten

Ausgerüstet mit improvisierten Atemmasken, Fahrradhelmen, Spitzhacken und Schaufeln bilden Hunderte Menschen in Mexiko-Stadt eine Menschenkette. Auch noch in der Nacht zu Mittwoch tragen sie zusammen den Bauschutt der Ruinen ab, um Opfer zu retten. „Wir brauchen Wasser und Medikamente!“, schreien einige Jugendliche. Im Licht von Laschenlampen und Scheinwerfern suchen sie zwischen den Steinen und Ziegeln der zusammengestürzten Gebäude nach möglichen Überlebenden.

Viele der Freiwilligen sind Nachbarn oder Menschen, die an den betroffenen Orten vorbeikamen und sich entschlossen, den Rettungskräften und Sanitätern zu helfen.

Angesichts der verzweifelten Rettungsmaßnahmen forderte Präsident Enrique Peña Nieto die Bevölkerung jedoch auf, zu Hause zu bleiben: „Sofern die Häuser sicher sind, ist es wichtig, dass die Bevölkerung drinnen bleibt, um die Straßen für Krankenwagen frei zu halten und die Arbeit der Rettungshelfer zu erleichtern“, sagte er in einer Videobotschaft.

Unter den Trümmern sind Kinderstimmen zu hören

Oberste Priorität habe nun die Suche nach Vermissten und die medizinische Versorgung der Verletzten. „Dieses Erdbeben ist eine harte Probe und sehr schmerzhaft für unser Land, aber wir Mexikaner haben gelernt, dem mit dem Geist der Solidarität zu antworten“, sagte Peña Nieto in seiner Videobotschaft weiter. US-Präsident Donald Trump schrieb auf Twitter: „Gott schütze die Menschen in Mexiko-Stadt.“

Dramatisch ist die Lage etwa an der Grundschule „Enrique Rébsamen“ in Mexiko-Stadt. Dort war auch ein Kindergarten untergebracht. Das Gebäude ist eingestürzt, mindestens 25 Menschen kamen dabei ums Leben, wie Bildungsminister Aurelio Nuño Mayer sagte. Viele Kinder und Erwachsene werden noch vermisst. Unter den Trümmern sind Kinderstimmen zu hören. Weitere 209 Schulen in Mexiko-Stadt wurden geschlossen, 15 davon haben schwere Schäden, so Nuño Mayer.

In Mexiko-Stadt ist vor allem das Zentrum mit den touristischen Vierteln betroffen. Viele der beschädigten oder eingestürzten Gebäude wurden vor dem Erdbeben 1985 gebaut und entsprachen nicht den später eingeführten strengeren Baunormen. Der Flughafen wurde geschlossen und auf Schäden untersucht. Beschädigte Krankenhäuser wurden evakuiert. Nach Angaben des Elektrizitätsunternehmens CFE waren mindestens 3,8 Millionen Menschen ohne Strom.

Die Wolkenkratzer schwankten hin und her

Bei dem schweren Erdbeben vor 32 Jahren waren rund 10.000 Menschen ums Leben gekommen. Rund zwei Stunden vor dem heftigen Erdstoß am Dienstag hatten sich viele Behörden, Unternehmen und Schulen noch an der alljährigen Erdbebenübung beteiligt.

Kurz darauf, um 13.14 Uhr, bringt eine heftige Erschütterung dann den Alltag von Millionen Menschen ins Wanken. Viele fahren gerade in den Aufzügen der Bürohäuser zum Mittagessen nach unten. Sie trifft das Beben völlig unerwartet.

Danach kommt Panik auf. Menschen schreien und weinen. Die Wolkenkratzer in Mexiko-Stadt schwanken hin und her, einige Gebäude stürzen ein, Fasseadenteile fallen wie Pappe auf die Straßen. Wer kann, rennt so schnell es geht nach draußen, weg von den Häusern. Über der Skyline hängen Rauchschwaden, Staub liegt in der Luft. In der Hauptstadt und dem angrenzenden Großraum leben rund 20 Millionen Menschen.

Letztes Beben erst knapp zwei Wochen her

Im Volkswagen Werk Puebla, einem der größten Fahrzeugwerke des Konzerns, wurden nach Informationen der Wolfsburger Konzernzentrale keine Mitarbeiter verletzt.

Mehrere Nachbeben versetzen die Menschen zusätzlich in Angst. Wie das nationale Seismologische Institut auf Twitter mitteilt, wurden am Dienstagabend und in der Nacht zum Mittwoch (Ortszeit) unter anderem im Bundesstaat Oaxaca Nachbeben gemessen. Betroffen war mehrmals die Küstenregion vor der Stadt Salina Cruz. Das schwerste Nachbeben hatte demnach die Stärke 4,9. Bei einem Beben im Landesinneren nahe der Stadt Loma Bonita gab das Institut eine Stärke von 4,0 an.

Erst am 7. September waren bei einem Beben der Stärke 8,2 rund 100 Menschen im Land umgekommen, dabei lag das Zentrum aber im Pazifik und war in Mexiko-Stadt längst nicht so stark zu spüren. Danach gab es weit über tausend Nachbeben. Mexiko befindet sich in einer der weltweit aktivsten Erdbebenzonen.