Gerahmtes Bild von Papst Benedikt XVI. mit einem schwarzen Band an der Seite als Zeichen der Trauer am 2. Januar 2023 in der A
Gerahmtes Bild von Papst Benedikt XVI. mit einem schwarzen Band an der Seite als Zeichen der Trauer in der Apostolischen Nuntiatur in Berlin. Gordon Welters
Katholische Kirche

Schwulen-Clubs und Pornos – schwere Vorwürfe vom toten Papst

Ein Buch mit theologischen Texten des ehemaligen Papstes ist jetzt im Buchhandel erhältlich. Darin erhebt Benedikt XVI. posthum schwere Anschuldigungen.
Rom

Unter dem Titel „Was ist das Christentum?“ (Che cos'e il Cristianesimo) enthält das posthum veröffentlichte Buch des verstorbenen Papstes Benedikt XVI. 16 Texte aus der Zeit nach Benedikts Rücktritt vom Papstamt 2013. Die meisten wurden um das Jahr 2018 verfasst, der letzte 2022. Erschienen ist das Buch im italienischen Verlag Mondadori.

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Das „spirituelle Fast-Testament“, wie es im Untertitel heißt, enthält neben bereits veröffentlichten Texten, Interviews und Briefwechseln auch Material, das bislang nicht öffentlich zugänglich war. Dazu zählen Aufsätze etwa zum Begriff der Religion oder zum Thema Monotheismus und Toleranz.

Privatsekretär betreute das Projekt

Aber auch weltlichere Themen finden ihren Platz. Wie die „Berliner Zeitung” berichtet, schreibt Benedikt in dem Buch auch von „homosexuellen Clubs“ im Vatikan, die sich in Priesterseminaren gebildet hätten und von einem Bischof, der pornografische Filme zeigte. Ratzinger kritisierte demnach auch die Mentalität im Vatikan, Raum für Debatten gebe es dort kaum. „Studenten, die beim Lesen meiner Bücher erwischt wurden, wurden für das Priesterturm als ungeeignet angesehen. Meine Bücher wurden als schädliche Literatur verschleiert und sozusagen nur im Geheimen gelesen.“

Für das Buch habe Benedikt zudem auch einige ältere Texte, etwa zum katholischen Priestertum, überarbeitet und ergänzt, heißt es in dem Vorwort von Mit-Herausgeber Elio Guerriero. Neben ihm betreute auch Benedikts Privatsekretär, Erzbischof Georg Gänswein, das Projekt.

Große Erschöpfung nach Rücktritt

Laut Guerriero war Benedikts zwingende Bedingung, das Buch erst nach seinem Tod herauszugeben. „Ich für meinen Teil möchte im Leben nichts mehr veröffentlichen. Die Wut der Kreise gegen mich in Deutschland ist so stark, dass das Erscheinen jedes meiner Worte sofort ein mörderisches Geschrei ihrerseits hervorruft. Das will ich mir und der Christenheit ersparen“, zitiert der Herausgeber den Autor. Ein weiterer Wunsch des ehemaligen deutschen Papstes war die Erstausgabe in italienischer Sprache.

Benedikt XVI. schildert in seinem Vorwort vom 1. Mai 2022 seine Erschöpfung nach dem Rücktritt vom Papstamt im Jahr 2013. Nach der Wahl von Franziskus habe er seine theologische Arbeit erst langsam wieder aufgenommen. Die Schriften seien alle in seinem Alterswohnsitz „Mater ecclesiae“ in den Vatikanischen Gärten verfasst worden.

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