JUNGE IN BRUNNENSCHACHT

So kompliziert ist die Rettungsaktion für Julen (2)

Ein Junge ist in einen 107 Meter tiefen Schacht in Spanien gefallen. Bei der Suche scheint es nur schleppend voranzugehen. Die Retter haben mit einer Vielzahl von Problemen zu kämpfen.
Gerhard, Christine Gerhard, Christine
Ein Junge ist in einen 107 Meter tiefen Schacht in Spanien gefallen. Bei der Suche scheint es nur schleppend voranzugehen.
Ein Junge ist in einen 107 Meter tiefen Schacht in Spanien gefallen. Bei der Suche scheint es nur schleppend voranzugehen. Bomberos De Málaga
Totalán.

Noch immer gibt es kein Lebenszeichen von Julen. Der Zweijährige soll vergangenen Sonntag bei einem Familienausflug in einen 107 Meter tiefen Schacht gefallen sein, das entspricht einem 30-stöckigen Hochhaus. Darin seien mithilfe einer Kamera Haare und eine Süßigkeitentüte des Kindes gefunden worden, von dem Jungen selbst keine Spur. Seitdem dauert die Suche an.

„Unsere ganze Kraft ist darauf ausgerichtet, dass unsere Arbeiten so wenig Zeit wie möglich in Anspruch nehmen”, versichert Ángel García Vidal, Leiter einer Rettungsgruppe der spanischen Zeitung El País. Die Arbeiten zur Suche und Bergung seien aber „außerordentlich komplex”.

Instabiler Boden bedeutet große Herausforderung

Derzeit werden laut Berichten von El País zwei vertikale Tunnel, in etwa vier Metern Distanz parallel zu dem 25 Zentimeter breiten Schacht, gegraben. Ursprünglich sei nur einer vorgesehen gewesen, doch García Vidal weiß: „Je mehr mögliche Zugangspunkte zu dem Schacht haben, desto besser.” Vor der Bohrung muss das hügelige Terrain für den Einsatz der Maschinen geebnet werden.

Allein die teils knapp 40 Tonnen schweren Maschinen in die Nähe der Unfallstelle zu manövrieren, sei eine Herausforderung, heißt es in der spanischen Zeitung, zumal der Boden sehr instabil sei. Am Freitag sollte die Plattform fertig gestellt sein, am Donnerstag waren 15 von 30 Metern bereits geschafft.

Bedingungen sind nicht ideal für Rettung

Unter idealen Bedingungen sei es dann möglich, die nächsten 50 Meter in zwölf bis 16 Stunden zu graben, so der Verantwortliche, doch die Bedingungen sind alles andere als ideal. Der Zugang zum Schacht muss manuell weitergegraben und mit einer Holzwand und Stützen gesichert werden. Auch der Schacht werde mit einer „zweiten Haut” stabilisiert, um weitere Ablösungen der Erde zu verhindern und den Jungen und die Rettungskräfte nicht zusätzlich in Gefahr zu bringen. Bei der Suche nach dem Julen mit einer Kamera hat sich Erde gelöst, die nun den Schacht in etwa 71 Meter Tiefe verstopft.

Der Plan, sich dem verschollenen Kind zusätzlich durch einen horizontalen Tunnel zu nähern, scheint ebenfalls wegen der Instabilität des Bodens mit den vorhandenen Maschinen nicht realisierbar, es wird aber weiter nach Alternativen gesucht.

Erdrutsche könnte Anwohner gefährden

Eine andere Schwierigkeit ist die hohe Lage des Unfallorts in der Provinz Málaga, die bei den Rettungsmaßnahmen bedacht werden muss. Denn durch die Arbeit ausgelöste Erdrutsche oder Steinschlag könnten Anwohner gefährden.

All das behindert die Arbeiten. “Aber wir werden keine Sekunde ruhen, bevor wir den Jungen gerettet haben”, sagt María Gámez, stellvertretende Delegierte der Regierung in Málaga El País. „Keiner im Team bezweifelt, dass wir ihn herausholen werden und wir hoffen und vertrauen darin, dass er am Leben ist.” Es ist die Hoffnung, dass sich unter der Verstopfung im Schacht ein Hohlraum gebildet hat, in dem der Junge atmen kann.

Der Brunnen war illegal von einer Bekannten des Vaters ausgehoben worden, berichtet die dpa. Jeden Monat entdecke die Umweltbehörde Andalusien etwa zwanzig solcher Schächte.

 

 

 

 

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