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So ticken Männer wirklich

Freunde, Bier und der Verein – ein Vorurteil, dass Männer sich für nichts anderes interessieren.
Freunde, Bier und der Verein – ein Vorurteil, dass Männer sich für nichts anderes interessieren.
Tobias Hase

Während für viele Frauen die Emanzipation noch nicht erreicht ist, geht einem Teil der Männer in Deutschland die Gleichberechtigung inzwischen zu weit.

Viele Frauen gehen arbeiten, Männer wickeln Kinder und nehmen Elternzeit – was früher unüblich war, wird immer normaler. Auf dem Weg zur Gleichstellung von Frauen und Männern ist in der Republik viel erreicht. Doch wollen die Deutschen eine noch stärkere Entwicklung in diese Richtung? Nein, sagt eine Mehrheit der Männer: Mit der Gleichberechtigung reiche es, finden fast zwei Drittel laut einer am Montag veröffentlichten Studie des Allensbach-Instituts. 28 Prozent meinen sogar, dass die Angleichung der Geschlechter bereits übertrieben worden sei.

Der Männerforscher Walter Hollstein rechnet damit, dass der „männliche Widerstand“ gegen die Gleichstellungspolitik noch weiter wachse, wenn diese geschlechterpolitisch so einseitig bleibe. Die Sprecherin des Deutschen Frauenrates, Ulrike Helwerth, hält es dagegen für „ernüchternd bis frustrierend, wie wenig Männer Verbesserungsbedarf für die Gleichberechtigung sehen“ und beklagt einen „Emanzipationsstau“. Nur 29 Prozent der Männer sehen in Sachen Gleichberechtigung noch Handlungsbedarf. Bei den Frauen meint dagegen jede Zweite, dass noch mehr getan werden müsse. Entsprechend häufiger fühlen sich Frauen gegenüber Männern benachteiligt.

Wichtig: Gleichstellung der Frau

Die Studienergebnisse decken sich laut Hollstein mit anderen Befunden, etwa der Sinus-Studie der Bundesregierung von 2007 über die Einstellungen 20-jähriger Frauen und Männer. „Dort drückten die jungen Männer durchaus ihre Sympathie für die Gleichberechtigung und Gleichstellung aus, monierten aber, dass nichts für sie getan wird“, sagt der Soziologe mit Blick auf die Studie.

Gleichstellung in der Bundesrepublik sei Frauenpolitik geblieben. Es gebe immer neue Fördermaßnahmen für Mädchen und Frauen, doch kaum etwas für Jungen und Männer, sagt Hollstein, der auch Gutachter des Europarates für Männerfragen ist. „Das weckt langsam Ärger und bei einer Minderheit eben auch – wie die Allensbach-Zahlen belegen – langsam Zorn“, sagt Hollstein. Dass trotzdem noch so viele Männer der Meinung seien, für die Gleichstellung der Frauen müsse mehr getan werden, findet der Forscher fast überraschend.

Ulrike Helwerth betont im Gegenzug, dass Frauen trotz gleicher Qualifizierung zum Teil immer noch weniger verdienten als Männer. Trotz des „großen Bildungszugewinns“ bei Frauen habe sich an der „geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung“ bis heute wenig geändert. Sie ist überzeugt, viele Männer fürchteten bloß, bei einer tatsächlichen Gleichberechtigung Privilegien zu verlieren.