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Warum das Jobcenter eine Klassenfahrt nach New York bezahlt hat

Ein Traum für viele Menschen: Die Freiheitsstatue und die Skyline von New York sehen.
Ein Traum für viele Menschen: Die Freiheitsstatue und die Skyline von New York sehen.
Fritz Schumann

Freiheitsstatue statt Fränkische Schweiz: Eine teure Klassenfahrt von 15 Berliner Schülern nach New York sorgt bundesweit für Wirbel. Denn die Reise zum „Big Apple“ wurde vom Steuerzahler finanziert.

Die Straßen aus der Serie „Sex and the City“ statt Schillers Schlafzimmer, der Central Park statt Goethes Gartenhaus: Eine Klassenfahrt nach New York ist ohne Frage verlockender als eine in deutsche Klassiker-Städte. Ein Englisch-Leistungskurs des Berliner Robert-Koch-Gymnasiums hat diese Studienreise gemacht - und Jobcenter bezahlten 38 000 Euro an staatlichen Sozialleistungen. Nicht nur für Lehrerfunktionäre eine Zumutung. Schülervertreter hingegen sagen: Wenn der Steuerbürger Bildung will, muss auch mal was möglich sein.

„Es ist heutzutage wichtig, dass Schüler ein Erlebnis haben“, sagt Micha Schmidt, Koordinator der Berliner Landesschülervertretung. „Man kann nicht sagen: Du musst zur Schule gehen - aber wir geben dafür nur die geringsten Mittel.“ Im Schulgesetz stehe unter anderem, dass Schüler andere Kulturen kennenlernen sollen. Wenn sich Steuerzahler auch diesen Aspekt von Bildung auf die Fahnen schrieben, dann müssten sie das Gesetz auch ernst nehmen, meint Schmidt.

Ohrfeige für andere Schulen

Der Vorsitzende der Gymnasiallehrer-Gewerkschaft Philologenverband, Heinz-Peter Meidinger, findet die Reise indes „skandalös und auch für mich persönlich unvorstellbar“. Dass so viel Geld aus Mitteln des Bildungs- und Teilhabepakets (BuT) der Bundesregierung bewilligt wurde, sei „eine Ohrfeige für alle Schulen, die sich bemühen, für sozial schlechter gestellte Eltern Austauschprogramme und Studienfahrten zu vernünftigen Preisen anzubieten“.

Die Berliner Robert-Koch-Schüler hatten sich in ihrem Kurs besonders mit amerikanischer Kultur beschäftigt. „Ich habe sie als besonders engagiert erlebt, wie ich es hier nicht unbedingt gewöhnt bin“, sagt ihr Rektor Rainer Völkel und begründet damit seine Entscheidung, für die exklusive Klassenfahrt grünes Licht zu geben. Weil die Schüler alle „lernmittelbefreit“ waren, weil ihre Eltern die Kosten für ihre Klassenfahrt nicht selbst bezahlen konnten, übernahmen die Jobcenter. Der Berliner Rektor Völkel hat sich inzwischen öffentlich entschuldigt - die Genehmigung sei möglicherweise ein Fehler gewesen.