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Sollte die Corona-Anwältin mundtot gemacht werden?

Anwältin Beate Bahner wollte vor dem Bundesverfassungsgericht gegen die Corona-Maßnahmen klagen. Sie landete in der Psychiatrie, der Fall wirft Fragen auf.
Anwältin Beate Bahner protestierte gegen die Corona-Maßnahmen und wurde gegen ihren Willen in die Psychiatrie einge
Anwältin Beate Bahner protestierte gegen die Corona-Maßnahmen und soll gegen ihren Willen in die Psychiatrie eingewiesen worden sein. www.beatebahner.de
Heidelberg.

Eine lautstarke Kritikerin der Corona-Verordnung soll am Ostersonntag von der Polizei gegen ihren Willen in die Psychiatrie gebracht worden sein. In den sozialen Medien wird nun heiß diskutiert, ob die Frau in einem psychischen Ausnahmezustand vor sich selbst geschützt oder eine unbequeme Protestlerin durch autoritäres Eingreifen mundtot gemacht werden sollte.

Klage vor dem Bundesverfassungsgericht

Medizinrechtlerin Beate Bahner aus Heidelberg wollte vor dem Bundesverfassungsgericht gegen die Corona-Verordnung klagen, da diese mit ihren Verboten (Läden müssen schließen, Versammlungsverbot) und den daraus resultierenden wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Schäden zu stark in die Grundrechte der Bürger eingreifen würde.

„Nicht gelungen, die Grundrechte zu retten”

Am Karfreitag hatte das Bundesverfassungsgericht Bahners Antrag allerdings im Eilverfahren zurückgewiesen. Die Anwältin, die seriöse Fachbücher schrieb und bis zu ihrer Einweisung einen guten Ruf genoss, reagierte am Osterwochenende öffentlich und drastisch auf das Scheitern ihrer Klage.

Auf ihrer Homepage kündigte sie an, ihre Zulassung als Anwältin zurückzugeben und erklärte, dass es ihr nicht gelungen sei, die freiheitlich-demokratische Grundordnung in Deutschland und die verfassungsrechtlich verankerten Grundrechte „vor dem schlimmsten weltweiten Angriff und der blitzschnellen Etablierung der menschenverachtensten Tyrannei” zu retten.

Bahner veröffentliche am Osterwochenende außerdem eine sarkastisch anmutende „Corona-Auferstehungs-Verordnung”, in der sie dazu aufrief, alle Firmen, Unternehmen, Einrichtungen, die zwecks Kontrolle des Coronavirus schließen mussten, ab sofort wieder zu öffnen.

Gegen ihren Willen eingewiesen

Am Sonntagabend wurde die Heidelbergerin dann im Rahmen einer polizeilichen Maßnahme in eine psychiatrische Einrichtung gebracht, bestätigte die Polizei auf Medienanfragen. Sprecher Norbert Schätzle vom Heidelberger Polizeipräsidium sagte der „Welt”, Anwältin Bahner habe sich gewehrt und Polizisten angegriffen.

Ein Arzt in der Psychiatrie habe sodann entschieden, sie einzuweisen. „Sie hat einen sehr verwirrten Eindruck gemacht“, begründete der Polizeisprecher das Vorgehen gegenüber „Welt”. Aus Fürsorgegründen für die Frau hätten seine Polizeikollegen die Vorstellung in der Psychiatrie für erforderlich gehalten.

Bereits am 9. April soll Bahner über ihre Homepage zu einer bundesweiten Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen aufgerufen haben, was zu Ermittlungen wegen des Verdachts zum Aufruf einer Straftat der Heidelberger Staatsanwaltschaft führte. Die Behörde betonte am Dienstag, dass Bahners Einweisung in die Psychiatrie in keinster Weise mit diesem Ermittlungsverfahren zu tun habe. 

„Demokratie muss Hysterie aushalten”

Im Netz kursieren unbestätigte Schilderungen, wie es zum Zusammentreffen von Polizei und Anwältin kam. Bahner soll sich am Sonntag in ihrer eigenen Garage von zwei Personen bedroht gefühlt haben. Sie sei daraufhin weggelaufen und habe vorbeikommende Autofahrer gebeten, die Polizei zu rufen, heißt es.

Die Informationen stammen aus einer Tonaufnahme, in der Bahner ihrer Schwester aus der Psychiatrie heraus von den Geschehnissen und ihrer gewaltsamen Einweisung berichten soll. Der Mitschnitt wurde im Netz vielfach geteilt, ob es tatsächlich Beate Bahner ist, die spricht, blieb offen.

Inzwischen meldeten sich im Netz Bekannte der Anwältin zu Wort, die versichern, Bahner sei stets bei Verstand gewesen. Über den Stil ihrer Klageschrift ließe sich streiten. Aber: „In einer Demokratie muss es erlaubt sein, auch überzogen, gar hysterisch, seine Grundrechte einzufordern”, schreibt ein befreundeter Arzt im Internet.

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Kommentare (9)

Arme Frau.

Jetzt haben Sie Schröder die Chance genommen, den ersten Kommentar unter diesen CORONA-Artikel zu setzen.

Nur deshalb steht's da !

konnte noch nicht kommentieren, er begrüßt gerade den Neuzugang ;)

Sie übertreffen das. Anstand ist Ihnen offensichtlich völlig fremd.
Nun können Sie ruhig wider schreiben ich würde mit Schroedel82 in einer Zelle aus Gummi sitzen, dass ist schon ok.

Zwischen 1949 und 1989 wurden gegen das politische System der DDR Protestierende in Waldheim/Sachsen untergebracht. Die dortige Psychiatrie war auf solche Eingewiesenen spezialisiert. Nur geschah dies mit dem Hintergrund, dass es keine gerichtlichen Klagewege gab, um die Rechtmäßigkeit der Einweisung (die zutreffender "Zwangseinweisung" genannt werden sollte), zu überprüfen.
In Bayern saß ein unschuldig Eingewiesener (https://taz.de/Unrechte-Zwangseinweisung-in-Psychiatrie/!5637040/) 7 Jahre in der Psychiatrie, ehe ein Wiederaufnahmeverfahren erfolgreich verlaufen war.
Mal sehen, wie lange Frau Bahner abzusitzen hat.
In Sachsen hatte man Ähnliches geplant. Und drei Jahre früher machte man es sich einfach und taufte die Protestierenden (Pegida) einfach Nazis.

Wieso wurde hier heute schon der zweite Kommentar von mir gelöscht?? Ich bin so nett und gebe ihn einfach nochmal ab. Möge der geneigte Leser selbst beurteilen, ob eine Löschung dieses Kommentars angebracht war.

Hm, erstmal abwarten, was noch so an Informationen zu den näheren Umständen folgt. Aber krass finde ich die Sache auf den ersten Blick schon! Ich will mal hoffen, dass die Dame zwischenzeitlich zumindest wieder entlassen wurde, nachdem sie sich ja vermutlich inzwischen wieder beruhigt haben dürfte.

Übrigens lieber nordkurier, wo ist eigentlich mein Kommentar zu diesem Artikel vom heutigen Tag geblieben?

RKI ZUM CORONAVIRUS

„Im Vergleich zu anderen Ländern stehen wir sehr gut da”

Werden hier Meinungsäußerungen, die nicht mit der offiziellen Linie der Politik übereinstimmen, zensiert? Aus meiner Sicht habe ich weder in inhaltlicher noch in sprachlicher Hinsicht irgendwelche Regeln verletzt, die eine Löschung des Kommentars rechtfertigen würden.

https://www.t-online.de/nachrichten/deutschland/id_87685030/kritik-an-corona-massnahmen-ermittler-sperren-homepage-von-coronoai-anwaeltin.html?utm_source=pocket-newtab

Keine Angst Hr. Müritzsee, ich werde genau wie alle anderen Mahner auch verstummen. Der Grund dafür, ist der gleiche, wieso ich eine Woche lang aufgeschrien habe.
Meine Kinder.
Ich liebe sie viel mehr als meine Freiheit!