WEIßRUSSLAND

Virus? Bei uns doch nicht!

Ganz Europa steht in der Corona-Krise still, hören wir dieser Tage immer wieder. Das stimmt nicht. In Weißrussland geht das Leben ganz normal weiter.
Anhänger des FC Slutsk feierten am vergangenen Sonntag ein Tor gegen Slavia Mazyr im weißrussischen Fußball-C
Anhänger des FC Slutsk feierten am vergangenen Sonntag ein Tor gegen Slavia Mazyr im weißrussischen Fußball-Cup. Natalia Fedosenko
Minsk.

Weltweit zwingt das Corona-Virus immer mehr Staaten in den Ausnahmezustand. Schulen, Kitas, Universitäten und gastronomische Einrichtungen sind geschlossen, Massenveranstaltungen finden schon seit Wochen nicht mehr statt. Wo es geht, arbeiten die Menschen von Zuhause. Einige Länder haben gar rigide Ausgangssperren verhängt, um die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen.

Doch in Weißrussland sieht das Leben anders aus. Dort sind die Geschäfte offen, die Kinder gehen zur Schule, Studenten zur Uni, die Menschen ganz normal ihrer Arbeit nach. Und am vergangenen Wochenende hat sogar die nationale Fußball-Liga nach einer in Russland und den Ex-Sowjetrepubliken üblichen langen Winterpause ihren Betrieb aufgenommen. Damit ist die Wyschejschaja Liha die einzige Fußballmeisterschaft in ganz Europa, die derzeit ausgespielt wird.

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Nach Zahlen der Johns-Hopkins-Universität gibt es 86 Corona-Fälle in Weißrussland (Stand: 26. März 2020, 13 Uhr). Tendenz wie fast überall: steigend. Doch der als „letzter Diktator Europas” kritisierte Präsident Alexander Lukaschenko sieht keinen Grund für „drakonische Maßnahmen”. Der 65-Jährige gab früh die Devise aus, dass die Corona-Panik am Ende schlimmer sein könne als das Virus selbst. „Ich nenne dieses Coronavirus nicht anders als eine Psychose und lasse mich auch nicht davon abbringen”, sagte Lukaschenko. „Die zivilisierte Welt ist verrückt geworden, und die Politiker haben schon damit angefangen, die Situation für ihre Interessen auszunutzen.” Es sei eine „absolute Dummheit”, etwa Grenzen zu schließen.

Ex-Bundesligaprofi kritisiert Regierung

Mittlerweile nimmt die Kritik an dem Vorgehen zu. „Es ist, als wenn sich niemand darum kümmert”, sagte der frühere Bundesliga-Profi Alexander Hleb der britischen Boulevardzeitung „Sun”. „Jeder weiß, was in Spanien und Italien passiert. Das sieht nicht gut aus. Aber in unserem Land glaubt die Präsidenten-Bürokratie, dass es nicht so schlimm ist”, so Hleb weiter. Der 39-jährige Ex-Profi spielte in der Bundesliga für den VfB Stuttgart und den VfL Wolfsburg und hatte seine große Zeit beim FC Arsenal London und dem FC Barcelona. Hleb bleibt während der Corona-Krise zu Hause. Aber wenn er einmal „raus gehe, sind die Straßen und Restaurants immer noch voll”.

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Sportkommentatoren befürchten, dass die Liga so lange weitergespielt wird, bis der europäische Fußballverband UEFA ein Machtwort spricht. Wie es weitergeht, ist ungewiss, im Land wagen es nur wenige Menschen, sich gegen die offizielle Linie der Regierung und des Präsidenten zu stellen. Die orthodoxe Kirche in Belarus nahm inzwischen die Ängste vor einem möglichen großflächigen Ausbruch der Lungenkrankheit ernst.

Der Erzbischof der weißrussischen Hauptstadt Minsk, Pawel Ponomarjow, erhob sich nach dem Sonntagsgebet im Hubschrauber, um in der Hand Weihwasser zum Schutz vor dem Coronavirus zu verteilen. Auf Linie der Staatsführung blieb er dennoch: „Die Panik, die durch die Ausbreitung des Coronavirus entsteht, benebelt den Verstand.” Gott werde das Land vor der tödlichen Epidemie schützen.

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