CORONA-STERBERATE

Wie tödlich ist das Coronavirus wirklich?

Eine neue Studie zeigt, dass die Dunkelziffer der Corona-Infizierten höher liegen könnte als bisher angenommen. Das hätte auch Auswirkungen auf die Covid-Sterberate.
Ein Intensivpfleger kümmert sich in Berlin um einen Covid-Patienten, der künstlich beatmet wird.
Ein Intensivpfleger kümmert sich in Berlin um einen Covid-Patienten, der künstlich beatmet wird. Kay Nietfeld
Neubrandenburg ·

Forscher des Tropeninstituts des LMU-Klinikums München sind der Frage nachgegangen, wie hoch die Dunkelziffer der Corona-Infektionen in der bayrischen Landeshauptstadt ist. Sie sammelten im Frühjahr Blutproben von etwa 5300 Personen in knapp 3000 zufällig ausgewählten Münchner Haushalten und untersuchten diese auf Corona-Antikörper. Dabei kamen sie zu einem erstaunlichen Ergebnis: Etwa 1,8 Prozent der Münchner haben in der ersten Welle der Corona-Pandemie Antikörper gegen das Virus entwickelt – diese Zahl liegt etwa vier Mal höher als die der offiziell bestätigten Corona-Fälle beim Statistischen Amt, die rund 0,4 Prozent der Münchner Bevölkerung betrugen.

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Auf der anderen Seite sei die Dunkelziffer bei den Todesfällen – also jene, die auf das Coronavirus zurückgingen, aber nicht als solche in die Statistik einflossen – den Wissenschaftlern zufolge niedrig. Das bedeutet: Zumindest in der Stadt München gibt es deutlich mehr Corona-Infizierte, aber nur geringfügig mehr Corona-Tote, als bisher angenommen. Kritiker der Corona-Maßnahmen folgern daraus, dass die bisher vom Robert-Koch-Institut angegebene Corona-Sterberate deutlich geringer ist als angegeben – und dass das Coronavirus daher auch nicht so tödlich ist wie bisher behauptet.

RKI geht selbst von noch höherer Dunkelziffer aus

Stimmt das? Nehmen wir an, die Münchner Zahlen lassen sich verallgemeinern. Dann liegen die Kritiker mit ihrem Argument durchaus richtig. Die weitere Folgerung, dass das RKI eine mit Absicht hohe Zahl kommuniziere, um damit Panik in der Bevölkerung zu schüren, ist allerdings falsch. Das RKI unterscheidet tatsächlich zwischen zwei Sterberaten, nämlich der Fallsterblichkeit und der Infektionssterblichkeit – erstere ist die Sterberate in Bezug auf die gemeldeten Infektionen, letztere die Sterberate bezogen auf alle Infektionen einschließlich Dunkelziffer.

Beide Zahlen werden kommuniziert. Da es allerdings wissenschaftlich notorisch schwierig ist, Dunkelziffern zu bestimmen, wird bei allen Krankheiten die Fallsterblichkeit, also die Sterberate bezüglich der diagnostizierten Infektionen, zu Vergleichszwecken herangezogen. Das trifft nicht nur auf Covid-19, sondern auch auf Grippe oder Masern zu. Tatsächlich geht das RKI selbst von einer noch höheren Dunkelziffer als die Münchner Wissenschaftler aus, nämlich von etwa vier bis fünf Mal so vielen Infektionen als gemeldet.

WHO-Studie sieht Corona und Grippe gleichauf

Tatsache ist aber auch, dass die Maßnahmen-Kritiker einen wichtigen Schluss aus der Münchner Studie zumeist unterschlagen. Denn die Wissenschaftler kommen zu dem sehr konkreten Ergebnis, dass die Sterblichkeit an Covid-19 einschließlich Dunkelziffer in München bei 0,76 Prozent der Menschen mit Antikörpern betrug. Sie liege damit „um ein Vielfaches über der für saisonale Grippeinfektionen”. Doch auch diese Projektion ist nicht in Stein gemeißelt. Es ist derzeit schlicht zu früh, um hier ein abschließendes Urteil zu fälle.

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Jüngst kam eine globale Metastudie der WHO zu dem Schluss, dass der Medianwert der Covid-Sterblichkeit bei etwa 0,23 liege, das heißt, das 2,3 von 1000 Corona-Positiven an der Krankheit sterben. Damit wäre Corona ähnlich gefährlich wie die Grippe. Allerdings warnt der Urheber der Studie, der Epidemiologe John Ioannidis von der US-Eliteuniversität Stanford, dass die Sterblichkeit enormen Schwankungen unterliege und von Land zu Land, Stadt zu Stadt und teils sogar von Viertel zu Viertel unterschiedlich sei.

Kein Rosinenpicken bei Studienergebnissen

Die Faktoren, die hier eine Rolle spielten, seien der Anteil alter Menschen in der Bevölkerung, die Qualität des Gesundheitswesens, die Bevölkerungsdichte und Umstände, die eine starke Ausbreitung des Virus begünstigten, wie volle Verkehrsmittel oder offene Bars und Kneipen, in denen viele Menschen verkehrten. Das erklärt auch die stark abweichenden Ergebnisse verschiedener Studien.

Deshalb ist es wichtig, besonnen mit den vorhandenen Zahlen umzugehen. Es ist wenig zielführend, wenn sich Maßnahmen-Kritiker nur die Studien mit den für sie besten Ergebnissen rauspicken, Maßnahmen-Befürworter hingegen jene mit den wiederum für sie besten Ergebnissen. Derzeit basieren alle Bestimmungen der Sterberate auf Schätzungen, die zwar zunehmend konkret werden, die sich aber immer noch als zu hoch oder zu niedrig herausstellen könnten. Mit dieser Unsicherheit müssen wir momentan einfach leben.

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Kommentare (20)

Toll fände ich, wenn die MAßNAHMENGEGNER uns mal sagen könnten, welche anderen Maßnahmen als die derzeitigen, wir ergreifen sollten um die Ansteckungskurve weiterhin auf niedrigem Niveau zu halten und so eine Überlastung des Gesundheitssystems zu verhindern..Zahlen hin oder her, wer mit offenen Augen auch ins europäische Ausland schaut, sieht was passiert, wenn die Maßnahmen nicht eingehalten werden..
Schönes Wochenende!

die sehen das Virus als genauso schlimm an, wie eine Grippe! Bei dieser trifft man auch keine Maßnahmen. Nach deren Meinung sollte das Leben so weitergehen, wie eh und je! Zahlen, sie dagegen sprechen, sind von der Regierung gefaked. Das ist wie bei Pippi Langstrumpf: Sie malen sich die Welt, wie es ihnen gefällt!

Ach so, und jeder mit anderer Meinung wird in das linke Lager gedrückt, weil das rechte ja schon voll ist. So etwas wie die „Schweiz“ existiert nicht mehr! Da muss man sich schon entscheiden!

Genau genommen, ist das, was gerade passiert, schlimmer als jeder Kindergarten es jemals sein könnte!

(das Wort wollte ich schon immer mal verwenden) wie links und rechts, dann kann das nichts werden. Bisher habe ich noch nirgendwo gelesen, dass Manu dem linken Lager zuzurechnen wäre. Ich habe aber mehr als einmal Beiträge von Coronisti gelesen, dass jeder der auch nur eine Frage zur Angemessenheit der festgelegten Maßnahmen hat, auf jeden ein rechter Spinner sein muss.

Im übrigen soll Lesen bilden.
Vielleicht beim RKI, da steht übrigens auch, welche Maßnahme etwas nützt und welche nicht. Also Absage von Großveranstaltungen bringt was, kompletter Lockdown, Schließen von Schulen, Gaststätten und Theatern bringen nichts außer trügerischer Sicherheit für eine nicht hinreichend informierte Bevölkerung.

also ich lese hier immer nur entweder oder. Ist man für die Maßnahmen, ist man links, ist man dagegen, ist man rechts. Ich lasse mich da aber gerne eines besseren belehren und werde die Äuglein offen halte ... 🤷‍♀️

Schwerer Anfall von Denken?
Im übrigen muss ein Mensch weder die Existenz des Virus leugnen noch gegen alle Maßnahmen sein, und kann sich trotzdem um die Angemessenheit der Einschränkung der Grundrechte sorgen. Im übrigen ist Abschottung ala Manu sicher keine linke Haltung, mal abgesehen, davon, dass es nur schadet.

Ihnen empfehle ich dringend, meine Beiträge genauer zu lesen! Ich habe lediglich den Eindruck zusammengefasst, den ich bekomme, wenn ich mich durch die zahlreichen Kommentare unter Artikeln zu COVID-19 wühle! Und meine „Meinung“ werden Sie mir doch wohl nicht absprechen wollen, wo Sie doch gerade für die freiheitlichen Rechte einer Demokratie plädieren.

Ihnen empfehle ich dringend, meine Beiträge genauer zu lesen! Ich habe lediglich den Eindruck zusammengefasst, den ich bekomme, wenn ich mich durch die zahlreichen Kommentare unter Artikeln zu COVID-19 wühle! Und meine „Meinung“ werden Sie mir doch wohl nicht absprechen wollen, wo Sie doch gerade für die freiheitlichen Rechte einer Demokratie plädieren.

Ihnen empfehle ich dringend, meine Beiträge genauer zu lesen! Ich habe lediglich den Eindruck zusammengefasst, den ich bekomme, wenn ich mich durch die zahlreichen Kommentare unter Artikeln zu COVID-19 wühle! Und meine „Meinung“ werden Sie mir doch wohl nicht absprechen wollen, wo Sie doch gerade für die freiheitlichen Rechte einer Demokratie plädieren.

das nenne ich mal Angst vor der eigenen Courage. Haben Sie doch Angst vor dem eigenen Gedanken bekommen?

aber es lohnt sich nicht, mit jemandem zu diskutieren, der wissentlich falsch verstehen möchte! Da fühlt sich mein Intellekt verarscht!

der ohne eigene Meinung, der nur "zusammenfasst". Alles klar.

"...sehen das Virus als genauso schlimm an, wie eine Grippe! Bei dieser trifft man auch keine Maßnahmen."

Also kam es bisher jedes Jahr bei jeder Grippewelle zu dem Zustand, dass die Patienten auf den Fluren verstorben sind, weil die Intensiv-Kapazitäten erschöpft waren?
Wenn es so wäre, hätten die Krankenhäuser und Behörden das aber all die Jahre brilliant verschleiert.

Also hinkt der Vergleich doch extrem, oder?

In D haben wir (entgegen anderer Länder in Europa) bisher das Glück, dass die Krankenhaus-Flure noch nicht zum letzten Ort für die Sterbenden geworden ist, und nichts anderes soll vermieden werden.

Jedes Jahr ab Herbst suchen Rettungswagen im Süden Deutschlands Kliniken, die Patienten aufnehmen. Die RTWs haben Tablets und Software dabei und können schauen, wo sie besser nicht hinfahren, weil die Klinik niemanden aufnimmt und die Klinikaufnahme nur verzögert. Corona hat diese Situation lediglich noch weiter verschärft. Dass solch Situation in den kühlen Jahreszeiten bisher auftrat, ist kein Geheimnis, aber fand eben mit nicht-meldepflichtiger Grippe statt und somit kein umfangreich mediales und politisches Echo.

haben aber schon mitbekommen, dass ich lediglich zusammengefasst habe, was zahlreiche Covidioten verbreiten?

würden sicher nicht erklären, dass sie an der Front taten, was von Ihnen erwartet wurde.
Milgram lässt grüßen. Sie Idiot.

welch intelligentes Gewinsel.

stammt von der Bundesregierung.

"Die Couch sei „die Front” gewesen, die Geduld „unsere Waffe”."

Ab morgen werden die Zügel noch straffer gezogen.
Hier auf dem Dorf kann man sich ja relativ frei bewegen, hat eigentlich mit dem Maßnahmen nur beim einkaufen und Arztbesuchen zu tun. Aber die Stadtmenschen im Hochhaus ohne Balkon, die tun mir Leid.
Das ist die Rache für „Merkel muss raus“ rufe !

Mir auch 😭.

Morgen kommen wieder die Dörfler zum Einkaufen und auf Arztbesuch in die Städte.

Aaaaaaaaahhhhhhhhh 🤪😂😫😩