RKI zu Coronavirus

„Wir sind in einer Krise, deren Ausmaß ich mir nie hätte vorstellen können”

RKI-Chef Wieler kritisiert, dass Umfragen zufolge noch jeder Vierte von Panikmache spreche. Doch eine Epidemie mit diesen steigenden Zahlen ist so ernst, wie es nur geht.
Lothar Heinz Wieler, Präsident des Robert-Koch-Instituts, appellierte eindringlich daran, dass jetzt jeder Mensch in Deut
Lothar Heinz Wieler, Präsident des Robert-Koch-Instituts, appellierte eindringlich daran, dass jetzt jeder Mensch in Deutschland mithelfen müsse, die Corona-Epidemie auszubremsen. Jörg Carstensen
Berlin

Es sind unmissverständliche Worte, die Doktor Lothar Wieler, Präsident des Robert Koch Instituts (RKI), wählte: „Wir sind in einer Krise, deren Ausmaß ich mir nie hätte vorstellen können.” Am Freitag stellte er die offiziell über die Gesundheitsämter gemeldeten Fallzahlen zum Coronavirus vor. Die Tendenz: Es handle sich um eine exponentielle Ausbreitung, deren Höhepunkt noch gar nicht erreicht sei. Daher appellierte Wieler an jeden: „Wir können diese Epidemie nur verlangsamen, wenn wir uns an die Spielregeln halten: Distanzierung, Abstand halten!”

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Doch das sei noch immer nicht bei allen Menschen angekommen, zu oft seien soziale Kontakte nicht auf das Wesentliche eingeschränkt. Er nahm auch Bezug auf eine Umfrage von Bitcom, wonach jeder Vierte die Warnungen vor dem Coronavirus als Panikmache empfinde. Die Informationen des RKI jedoch stammen von hunderten Experten, die sich täglich weiterbilden und mit ähnlichen Instituten in zahlreichen Ländern zusammenarbeiten, so Wieler. Das sei das Gegenteil von Panikmache.

Niedrige Todesrate kann sich schnell ändern

In Deutschland gebe es bisher 13.957 Corona-Fälle, das seien 2958 mehr als am Vortag (Stand: Mitternacht). 31 Menschen seien gestorben, das sind 11 mehr als am Vortag. Die noch relativ niedrige Todesrate in Deutschland werde sich schnell ändern, sagte Wieler. „Wir brauchen so viele Intensivbetten wie möglich. Ich erwarte dass die Krankenhäuser vorbereitet sind“, sagte Wieler. Die Corona-Fälle hätten weiter zugenommen. „Mehr als 1000 Menschen haben den Virus schon überstanden. Aber es werden eben auch viele schwer erkranken. Und die müssen wir medizinisch versorgen können.“

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Doch laut der Bitcom-Umfrage meidet nur jeder Zweite öffentliche Plätze und Verkehrsmittel. Das könne nicht so weitergehen, so Wieler. In diesen Zeiten müsse man seine sozialen Kontakte einfach reduzieren, zum Schutz von sich und von anderen. „Das muss jeder verstehen.”

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