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Wir suchen Erinnerungen an das Kriegsende

Der Vater von Ulli Poch (oben links), sitzend Oma und Opa Repschläger sowie die Uroma Poch.
Der Vater von Ulli Poch (oben links), sitzend Oma und Opa Repschläger sowie die Uroma Poch.
Ulli Poch

Die letzten Tage des Zweiten Weltkrieges liegen inzwischen 70 Jahre zurück. Wir haben unsere Leser aufgerufen, ihre Erinnerungen daran aufzuschreiben. Den Anfang macht die Geschichte der Familie Poch aus Vorpommern.

Sechs Jahre alt war Ulli Poch, als der Weltkrieg zurückkehrte nach Deutschland. Ende April 1945 zog die Rote Armee aus Richtung Osten unaufhaltbar über Vorpommern hinweg. Am 25. April wurde Pasewalk eingenommen, notierte Pastor Friedrich Jäckel. Zwischen Pasewalk und Ferdinandshof, wo Ulli Pochs Familie seit Generationen lebte, liegen nur etwas mehr als 20 Kilometer.

„Fliehen hat keinen Zweck mehr, meinte mein Großvater Otto Repschläger damals“, erinnert sich Ulli Poch. „Vom Osten kommen die Russen, vom Westen die Amis.“ Der heute 76-Jährige weiß noch, wie es damals zuging in der Scharmützelkirche, in die sich zahlreiche Ferdinandshöfer zurückgezogen hatten. Viele waren unter die Kirchenbänke gekrochen. Ein älterer Herr habe auf der Treppe zum Altar gesessen, sei dann aber doch nach oben gerutscht. „Kurz danach schlug ein Geschoss genau dort ein, wo der Mann gesessen hatte“, sagt Ulli Poch.

Aufzeichnungen auf Niederdeutsch

Sein Großvater Otto Repschläger war Steinschläger. Ein harter, längst ausgestorbener Beruf. Die Steinschläger fertigten aus den auf den Feldern gefundenen Steinen Straßenpflaster. Später arbeitete Repschläger als Kleinbauer und Chausseearbeiter. Der Großvater mütterlicherseits war offensichtlich kein ängstlicher Mann. Als sich ein Russe mit Eiern aus seinem Hühnerstall bediente, habe er den Rotarmisten „vom Hof geschmissen“.

Die wertvollste Erinnerung bewahrt Poch aber in Form des Manuskripts von Friedrich Jäckel auf. Der Pastor war Seelsorger in Kleinschönfeld (heute Chwarstnica), südlich von Stettin gelegen. Die Flucht vor der Front verschlug ihn über Bergholz bei Löcknitz und Hammer bei Torgelow bis nach Ferdinandshof. Poch, der sich im Kirchgemeinderat engagiert, entdeckte Jäckels Aufzeichnungen aus den letzten Kriegs- und den ersten Friedenstagen in der Kirchenchronik – handgeschrieben auf Niederdeutsch. Zwei Frauen aus Ferdinandshof „übersetzten“ die Handschrift. Nur wenige Monate, bis Ende Mai, war Friedrich Jäckel in Ferdinandshof. Ein Foto des Kirchenmanns gibt es in Ferdinandshof nicht. Er soll dann nach Berlin gegangen sein.

Heimatkurier und Buch mit Erinnerungen geplant

Ulli Poch hatte sich auf unseren Aufruf gemeldet: Wir haben unsere Leser gebeten, Ihre Erinnerungen an die letzten Tage des Zweiten Weltkrieges und die ersten Tage des Friedens niederzuschreiben. Die Resonanz ist enorm. Zahlreiche Briefe und E-Mails gingen bei uns ein. Am kommenden Montag wird es eine Sonderausgabe des Heimatkurier geben, in der wir viele der Erinnerungen dokumentieren wollen. Zudem plant der Nordkurier ein Buch „Zwischen Krieg und Frieden“, in dem wir die teils umfangreichen Texte veröffentlichen wollen.

So kommen Ihre Erlebnisse zu uns

Sie können uns Ihre Erinnerungen – möglichst mit Fotos – per E-Mail an f.wilhelm@nordkurier.de schicken oder auf dem Postweg zukommen lassen: Nordkurier, Chefredaktion, Friedrich-Engels-Ring 29, 17033 Neubrandenburg.

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