WETTER-WARNUNG

Wirbel um vermeintlichen Dürresommer 2019

Die Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer: Deutschland drohe ein weiterer Dürresommer, das Katastrophenjahr 2018 sollte sogar noch übertroffen werden. Bei näherem Hinsehen stellen wir fest: Die Meldung war ein Sturm im Wasserglas.
Carsten Korfmacher Carsten Korfmacher
In Brandenburg – hier in Wandlitz – ist die fehlende Bodenfeuchte für Landwirte derzeit problematisch.
In Brandenburg – hier in Wandlitz – ist die fehlende Bodenfeuchte für Landwirte derzeit problematisch. Monika Skolimowska
Neubrandenburg.

„Deutschland droht 2019 ein weiterer Dürresommer”. So überschrieb am Mittwoch eine Vielzahl an Medien, auch der Nordkurier, einen Text der Deutschen Presse-Agentur über die klimatische Entwicklung in diesem Jahr. Tatsächlich sah es auf den ersten Blick so aus, als wäre es wieder einmal an der Zeit, sich kollektiv in Klima-Alarmbereitschaft versetzen zu lassen. Ein Experte des Deutschen Wetterdienstes äußerte sich ausgiebig zum Thema. Und zu präsent waren schließlich noch die Bilder aus dem Vorjahr, von ausgetrockneten Flüssen, staubigen Äckern und mickrigen Ernten.

Kachelmann nennt Journalisten „Lügner”

Doch dann kam Wetterpapst Jörg Kachelmann und sandte über sein Twitter-Konto quasi im Minutentakt wütende Nachrichten an die deutsche Journalistenschaft. Er wetterte über „die Lügner”, die eine „frei erfundene Lügengeschichte” weiterverbreiten, „weil sie in den Kram passt”.

Kachelmann schreibt weiter: „Die skrupellosen und zynischen Journalistendarsteller, die heute Morgen die Lügengeschichte von der angeblichen Dürrevorhersage verbreiten, scheren sich einen Dreck darum, was die Falschmeldung in vielen landwirtschaftlichen Haushalten auslöst.” Kachelmann schlug stattdessen folgende Überschrift vor: „Dürresommer kann, muss nicht – nichts ist sicher”.

Falsche logische Ableitung

Und in der Tat: Diese Überschrift hätte besser gepasst. Denn die genaue Aussage des Leiters der DWD-Agrarmeteorologie in Offenbach, Udo Busch, lautete: „Sollte die trockene Witterung in den kommenden Monaten anhalten, könnte sich die Dürre des Jahres 2018 wiederholen oder sogar übertroffen werden”.

Zu einer knalligen Überschrift taugt diese Aussage natürlich nicht, dafür ist sie viel zu profan. Wer würde schon bezweifeln, dass es trocken bleibt, wenn es nicht regnet? Logisch gesehen ist die entscheidende Frage: Wie wahrscheinlich ist es, dass es in den nächsten Monaten trocken bleibt?

Startbedingungen schlechter als 2018

Darüber gibt der Text keine Auskunft. Zwar geht der Artikel auf die derzeitigen Vorbedingungen eines vermeintlichen Dürresommers ein. Zum einen ist die Bodenfeuchte in Deutschland, und besonders in Sachsen-Anhalt und Thüringen, viel zu gering. Zum anderen konnten Pflanzen und Bäume mit langen Wurzeln noch Feuchtigkeit aus den Wasserspeichern tiefer Bodenschichten ziehen, die dieses Jahr aber weniger gut gefüllt seien.

Doch daraus lässt sich nur schließen, dass ein Dürresommer, sollte es denn einen weiteren geben, noch weitreichendere Folgen haben könnte als noch im Vorjahr. Mit anderen Worten: „Die Startbedingungen für die Vegetation sind 2019 in vielen Gebieten Deutschlands deutlich schlechter als im Vorjahr”. So hat es schon der Experte des DWD, Udo Busch, gesagt. Aber das ist dann auch weitaus weniger aufregend als die eingangs erwähnte Schlagzeile.

zur Homepage
Unser Sommerhit: Nordkurier digital + gratis Tablet