KOMMENTAR

Wohin sollen die ganzen Regeln führen?

Tempolimit auf Autobahnen, Volvo will Neuwagen auf 180 km/h begrenzen, Kinder dürfen keine Indianer mehr sein und beim Essen hört der Spaß ganz auf. Die Freiheit schwindet, findet unsere Kommentatorin.
Carina Göls Carina Göls
Noch setzt die Polizei bei der Verbrecherjagd auch auf Volvo. Auch noch, wenn der Autobauer die Topgeschwindigkeit auf 180 km/h begrenzt? (Archivbild)
Noch setzt die Polizei bei der Verbrecherjagd auch auf Volvo. Auch noch, wenn der Autobauer die Topgeschwindigkeit auf 180 km/h begrenzt? (Archivbild) Polizei Ludwigslust
Göteborg.

Auf der Überholspur oder Freiheitsbremse? Autos von Volvo sollen künftig nicht schneller als 180 Kilometer pro Stunde fahren können. Der Konzern will von 2020 an die maximale Geschwindigkeit ihrer Autos drosseln. Ziel: weniger Verkehrstote auf den Straßen.

Ein Tempolimit sei zwar kein Allheilmittel, sagte Volvo-Chef Håkan Samuelsson. Aber wenn dadurch auch nur ein Menschenleben gerettet werden könne, sei der Schritt ein Erfolg. Der Entschluss betrifft vor allem Fahrer auf den deutschen Autobahnen.

Kritik kam prompt aus Schweden. 180km/h Topgeschwindigkeit? Das sei doch viel zu viel, hieß es aus dem dortigen Verkehrssicherheitsverband. Grund: In dem Königreich gibt es keine Straßen ohne Geschwindigkeitsbegrenzung. Meistens fordern Schilder auf schwedischen Autobahnen und Landstraßen eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 110 km/h, mancherorts darf auch auf 120 km/h beschleunigt werden.

Verstöße werden für den Verkehrssünder deutlich teurer als auf deutschen Straßen. Der schwedische Verkehrssicherheitsverband habe aber Verständnis dafür, dass der Konzern auf Märkten wie Deutschland, „wo extreme Geschwindigkeiten zugelassen sind”, das Tempo nicht so stark drosselt, um den Gewinn nicht zu gefährden.

Überall diese Reglementierung

Na prima! Schon wieder eine Reglementierung und schon gar nicht für des Deutschen liebstes Kind, mag mancher da aufschreien. Reicht es nicht, dass man verbal, gesellschaftlich und beim Essen immer wieder zurückgepfiffen wird? Flüchtlinge sollen Geflüchtete genannt werden, und überhaupt, wir sollen weniger ausgrenzend reden. Unsere Kinder zum Fasching als Indianer verkleiden? Geht gar nicht!

Wir sollen weniger Fleisch essen wegen des Klimas. Es muss eifrig gegendert werden – nicht nur auf Toiletten für das dritte Geschlecht, dass dank Annegret Kramp-Karrenbauer (AKK) wieder in den Lokus; pardon: Fokus geraten ist. Wir sollen dem Silvesterfeuerwerk abschwören und Veganer mehr achten.

Und dann auch noch das: Tempolimit nicht nur auf den Straßen und so mancher Autobahn, sondern im eigenen Wagen. Empörend!? Darf man denn gar nichts mehr und wittert nur Moralapostel um sich herum?

Das sind durchaus Fragen von Moral und Gewissens – auch beim Rasen. Denn blickt man auf die aktuelle Unfallstatistik allein in Mecklenburg-Vorpommern, dann sind nach wie vor die häufigsten Ursachen bei den Unfällen mit tödlichem Ausgang überhöhte Geschwindigkeit und Fehler beim Überholen, wie ein Ministeriumssprecher mitteilte. Auch wegen Missachtung der Vorfahrt kracht es überdurchschnittlich oft.

Bis November des vergangenen Jahres (neuere Zahlen stellt das Innenministerium für Anfang April in Aussicht) starben in MV 78 Menschen bei Verkehrsunfällen und damit zehn mehr als Im Vorjahreszeitraum. Dies entspricht einem Plus von 29 Prozent. Auch die Zahl der Schwerverletzten durch Unfälle nahm um 47 Menschen zu.

Blick in die Zukunft

Der schwedische Autobauer will – völlig zu Recht – gegen weitere Probleme auf den Straßen kämpfen: gegen Alkohol oder Drogen am Steuer und Ablenkung der Fahrer etwa durch ihre Smartphones. Außerdem werde über automatische Geschwindigkeitsbegrenzungen in der Nähe von Schulen, Kindergärten oder Krankenhäusern nachgedacht, die via GPS und Navi greifen sollen.

„Wir würden gerne eine grundsätzliche Diskussion darüber haben, ob Autohersteller nicht nur ein Recht, sondern sogar die Pflicht haben, Technik zu installieren, mit der in das Verhalten des Fahrers eingegriffen wird”, hofft der Volvo-Chef Samuelsson.

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Kommentare (1)

Genau, macht auch einen erheblichen Unterschied, ob man mit 180 oder 200 oder 250 von der Straße abkommt.
Denk ich an Deutschland in der Nacht, tut es gut, das man solche Meldungen ließt.
Aber da sind wir auch bald; zu mindestens weiß man, wo die Reise hingeht.