„GRENZENLOS”?

Wolfgang Stumph auf Spurensuche bei Ost-Auswanderern

Wolfgang Stumph hat für eine Dokumentation Menschen besucht, die 1989 die DDR verließen, und dabei die „Stimmung im Land hautnah gespürt.” Er kommt zu einem ernüchternden Schluss.
dpa
Stumph ist 3000 Kilometer quer durch Deutschland gefahren.
Stumph ist für seine Dokumentation 3000 Kilometer quer durch Deutschland gefahren. Marko Förster/Archiv
Dresden.

Nach „Go Trabi Go Forever” und „HeimatLiebe” ist Schauspieler und Kabarettist Wolfgang Stumph erneut als Dokumentarfilmer durch Deutschland gereist. Diesmal hat der 73-Jährige in Ost und West Menschen, die vor 30 Jahren die DDR verließen und dabei fotografiert wurden, aufgespürt und nach ihrem Leben seitdem befragt.

Von Treuhand über West-Chefs bis zu Flüchtlingen, Stumph hat in verschiedenen Fernsehrollen – als Stankowski, Stankoweit, Strunz oder Stein – bereits Brisantes im deutsch-deutschen Gefüge thematisiert. Hohe Einschaltquoten und Wiederholungen sprechen dafür, dass er damit den Nerv der Menschen trifft.

„Waren im Miteinander vor zehn Jahren schon mal weiter”

Mit „GrenzenLos” legt er nun dokumentarisch ein Zeugnis der jüngsten drei Jahrzehnte vor. Wie bei „HeimatLiebe” lässt er dafür ganz normale Menschen zu Wort kommen: Männer und Frauen, fotografiert auf ihrer Flucht im Sommer und Herbst 1989, in Zügen aus Ungarn und der Prager Botschaft oder bei der Auszahlung von Begrüßungsgeld. Stumph ist 3000 Kilometer quer durch Deutschland gefahren. Die sieben Geschichten seien eine „Sicht von unten statt der Draufsicht von oben”, sagt er.

Der Film, der am 29. September um 20.15 Uhr im MDR-Fernsehen gezeigt wird, ist auch ein Beitrag zum Mauerfalljubiläum. „Bei der Spurensuche haben wir die Stimmung im Land hautnah gespürt”, berichtet Stumph. Der Rückblick führe erschreckend Situation und Probleme des geteilten Deutschlands vor Augen – und: „Ich glaube, wir waren im Zusammenwachsen, Verständnis und Miteinander vor zehn Jahren schon mal weiter”, sagt der Künstler, der durch die Begegnungen selbst viel dazulernte. „Es war für mich eine Lehrstunde, die mich nochmal zurückgebeamt hat in meine eigene Situation.”

„Salto Postale” wird wiederholt

In dieser Rückschau sei sein Weg anstrengend, selbstkritisch und notwendig gewesen. Stumph sagt aber auch: „Ich habe nichts geschenkt bekommen, alles erarbeitet, erkämpft, erstritten, im wahrsten Sinne mit Mitstreitern.” Mit seiner künstlerischen Arbeit mischt er sich ein, auch im Unruhestand. „Wer meine Filme sieht weiß, wie meine Bilanz und Sichtweise ist, denn sie ist immer eine gesamtdeutsche.”

Auch für „GrenzenLos” wünscht er sich, dass er noch außerhalb des MDR-Sendegebiets läuft – wie einst seine Sitcom „Salto Postale”, ein ZDF-Publikumsrenner der frühen 90er Jahre. Die beiden ersten Episoden aus dem Postamt mit West-Chef in einem fiktiven Ort in Brandenburg kurz nach der Wiedervereinigung werden am Nachmittag vor der „GrenzenLos”-Premiere wiederholt – und an den Sonntagen darauf je zwei weitere der insgesamt 24 Folgen mit Stumph als Postbeamter Stankoweit. „Die Menschen können in Heiterkeit und Souveränität über diese Zeit nachdenken, lachen und vielleicht heutige Parallelen feststellen.”

Stadt. Land. Klassik! - Konzert in Dresden

Kommende Events in Dresden

zur Homepage