DLRG
Zahl der Badetoten ist 2018 erheblich gestiegen

2018 gab es mehr Badetote in Deutschland, als im Jahr zuvor (Symbolbild).
2018 gab es mehr Badetote in Deutschland, als im Jahr zuvor (Symbolbild).
Carsten Rehder

Das DLRG schlägt Alarm: Im Jahr 2018 sind deutlich mehr Menschen beim Baden gestorben, als noch im Jahr zuvor. Dafür scheint nicht nur der warme Sommer verantwortlich zu sein.

Mindestens 504 Menschen sind nach Angaben der DLRG im vergangenen Jahr in Deutschland bei Badeunfällen ums Leben gekommen. Das seien 100 mehr als in 2017 gewesen, teilte die Deutschen Lebensrettungs-Gesesellschaft am Donnerstag in Hamburg mit.

Den Anstieg mit dem herausragenden Sommer zu erklären, sei zu einfach, sagte DLRG-Präsident Achim Haag. Es könnten leider nicht alle Menschen schwimmen, viele überschätzten sich oder unterschätzten die Gefahren in Gewässern. 407 Badetote waren männlich, 92 weiblich. Bei den übrigen Todesfällen konnte die DLRG das Geschlecht nicht klären. „Ertrinken scheint ein männliches Problem zu sein”, sagte DLRG-Sprecher Achim Wiese.

Die DLRG sieht die Schließung von Schwimmbädern als großes Problem, weil Gelegenheiten zum Schwimmenlernen verloren gingen. Die Zahl der Bäder in Westdeutschland sei von rund 7800 im Jahr 2000 auf 6500 im Jahr 2017 gesunken. Die Zahl der Grundschüler, die nicht sicher schwimmen könnten, sei nach repräsentativen Studien des Instituts forsa von 50 Prozent in 2010 auf 59 Prozent in 2017 gestiegen. Mit einer Online-Petition fordert die DLRG einen bundesweiten Masterplan zur Erhaltung der Bäder.

Ältere und Kinder betroffen

Besonders vom Ertrinken betroffen sind nach wie vor Ältere. In der Altersklasse ab 55 Jahren ertranken 203 Menschen, das sind 40,3 Prozent der Gesamtzahl, im Vorjahr waren es noch 29,2 Prozent. 

"Ertrinken ist ein sehr leiser Vorgang", sagt der Verbandssprecher der DLRG, Frank Villmow. Kinder gehen ins Wasser, plötzlich kommt eine tiefe Stelle - und sie sind verschwunden. Eltern müssten beim Baden immer "in Griffnähe" ihrer Kinder sein, die noch nicht schwimmen können, betont der Retter mit jahrzehntelanger Erfahrung.

Die Zahl der ertrunkenen Kinder und Jugendlichen unter 20 Jahren ist im vergangenen Jahr in Deutschland besonders stark gestiegen, und zwar um 38 Prozent. Unter den 71 Todesopfern dieser Altersgruppe waren 26 Kinder im Vor- und Grundschulalter.

Eine besondere Risikogruppe bilden weiterhin die Flüchtlinge. Im vergangenen Jahr ertranken 33 Asylsuchende, die so gut wie alle Nichtschwimmer waren.

Wo gab es die meisten tödlichen Badeunfälle?

Die meisten tödlichen Badeunfälle ereigneten sich an Flüssen (161 Badetote) und Seen bzw. Teichen (233). An Nord- und Ostsee starben 25 Menschen, drei weniger als 2017. In den Stränden der Ostsee zählte die DLRG 21 Opfer, an der Nordsee 4.

Im Vergleich der Bundesländer hatte Bayern mit 89 erneut die meisten Badetoten. Es folgten mit deutlichem Abstand Nordrhein-Westfalen mit 63 und Niedersachsen mit 61. Im Urlaubsland Mecklenburg-Vorpommern wurden 31 Todesopfer gezählt, eines weniger als im Vorjahr. In Schleswig-Holstein kamen 18 Badende ums Leben, in Hamburg 16 und Bremen 9.