ÜBERFLUTUNGEN

Zahl der Toten bei Hochwasserkatastrophe auf 80 gestiegen

Nach den Überschwemmungen in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen werden immer mehr Tote gefunden. Die hohe Zahl an Vermissten gibt Anlass zu noch größerer Sorge. Die Rettungsarbeiten sind im vollen Gange.
dpa
Fahrzeuge der Bundeswehr rücken in Altenahr an, um die Rettungsdienste zu unterstützen. Starkregen führte zu ex
Fahrzeuge der Bundeswehr rücken in Altenahr an, um die Rettungsdienste zu unterstützen. Starkregen führte zu extremen Überschwemmungen. Thomas Frey
Erftstadt: Eine Fahrbahn steht halb unter Wasser. Das Regen-Unwetter in Nordrhein-Westfalen hat auf zahlreichen Autobahnen f&u
Erftstadt: Eine Fahrbahn steht halb unter Wasser. Das Regen-Unwetter in Nordrhein-Westfalen hat auf zahlreichen Autobahnen für überflutete Fahrbahnen gesorgt Vincent Kempf
Wuppertal: Feuerwehrmänner verlegen einen Schlauch, um einen Keller auszupumpen, der beim Hochwasser vollgelaufen ist. In
Wuppertal: Feuerwehrmänner verlegen einen Schlauch, um einen Keller auszupumpen, der beim Hochwasser vollgelaufen ist. In der Nacht war wegen des Starkregens das Wohngebiet Epplingser Halde überschwemmt worden. Mehrere Keller liefen voll. Roberto Pfeil
Mainz ·

Bei der Hochwasserkatastrophe im Westen Deutschlands ist die Zahl der Toten auf mindestens 80 gestiegen. Aus Rheinland-Pfalz wurden bis Freitagmorgen mehr als 50 Opfer gemeldet, in Nordrhein-Westfalen waren nach jüngstem Stand 30 Tote zu beklagen. „Die Befürchtung ist, dass es noch mehr werden”, sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Koblenz am Freitagmorgen. Die Bergungsarbeiten liefen weiter.

Es gab zudem noch eine große Zahl vermisster Menschen. Aus Sicht der Polizei würden in Rheinland-Pfalz knapp unter 100 Menschen vermisst, sagte der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz (SPD) am Freitag im Deutschlandfunk. Angaben zu insgesamt 1300 Vermissten mache er sich hingegen nicht zu eigen.

Der Kreis Ahrweiler hatte von 1300 Vermissten im Kreisgebiet gesprochen. Eine Sprecherin erklärte das auch mit dem teilweise lahmgelegten Mobilfunknetz. Daher gebe es keinen Handy-Empfang; viele Menschen seien nicht erreichbar.

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Stundenlanger Starkregen hatte zu einem verheerenden Hochwasser geführt. Schwerpunkt der Katastrophe in Rheinland-Pfalz ist der Kreis Ahrweiler. Allein in dem 700 Einwohner zählenden Dorf Schuld an der Ahr wurden mehrere Häuser von den Wassermassen mitgerissen, zahlreiche weitere Gebäude teils schwer beschädigt. Erhebliche Schäden gab es auch in weiteren Regionen der Eifel sowie im Landkreis Trier-Saarburg.

In Nordrhein-Westfalen blieb die Lage in den Überschwemmungsgebieten am Freitag ebenso angespannt wie im benachbarten Rheinland-Pfalz. Dramatische Berichte kamen aus Erftstadt: In Erftstadt-Blessem sei eine Reihe von Häusern ganz oder teilweise eingestürzt, teilte die Bezirksregierung Köln am Freitagmorgen mit. Ursache seien massive und schnell fortschreitende Unterspülungen der Häuser.

Aus den Häusern kämen immer wieder Notrufe. Menschen könnten derzeit nur mit Booten vom Wasser aus gerettet werden. Dazu erschwere ein Gasaustritt die Rettungsarbeiten. Mehrere Pflegeheime würden geräumt. Die Feuerwehr hatte am Donnerstagabend im Kreis Heinsberg drei schwer verletzte Menschen aus dem Fluss Wurm retten können, die dort zu ertrinken drohten.

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Das NRW-Innenministerium sprach am späten Donnerstagabend von mindestens 30 Toten. Der Landrat von Euskirchen, Markus Ramers (SPD), sagte, er rechne mit weiteren Toten, die entdeckt würden, wenn das Wasser abgeflossen sei.

Nach Angaben des Bundesamtes für Bevölkerung und Katastrophenschutz (BBK) in Bonn sind in Nordrhein-Westfalen 23 Städte und Landkreise von Überschwemmungen betroffen. Das Landeskabinett wollte am Vormittag zu einer Sondersitzung zusammenkommen, um über die katastrophale Lage zu beraten. Bundeskanzlerin Angela Merkel versprach den Betroffenen Hilfen. Sie sprach in Washington von einer „Tragödie”.

In Rheinland-Pfalz wurden die Aufräum- und Bergungsarbeiten am Morgen fortgesetzt. Auch Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr sind zur Unterstützung in die Hochwasserregionen gekommen. Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) wollte sich am Freitagmorgen in Trier über die Situation in ihrer Heimatstadt informieren.

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Das nordrhein-westfälische Kabinett berät am Freitag (10.00 Uhr) in einer Sondersitzung über die Lage und Hilfen für die betroffenen Kommunen. Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) sagte am Donnerstagabend in der ZDF-Sendung „Maybrit Illner”, es müssten Wege gefunden werden, sehr schnell wieder Straßen, Brücken und andere Infrastruktur in Gang zu setzen. Das Land werde helfen, nötig sei aber auch „eine große nationale Kraftanstrengung, damit schnell die schlimmsten Dinge beseitigt werden”.

Die Rettungskräfte setzen unterdessen die Suche nach Vermissten fort. Die Bundeswehr hat zur Unterstützung inzwischen rund 900 Soldaten in die Katastrophengebiete in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz geschickt. Im heftig betroffenen Kreis Euskirchen in NRW soll ein Gutachter am Freitag erneut die Steinbachtalsperre unter die Lupe nehmen. Der Wasserstand war am Donnerstagabend durch Abpumpen zwar gesunken.

In Nordrhein-Westfalen lief kurz vor Mitternacht die Rurtalsperre über, „mit einer geringen Dynamik”, wie der Wasserverband Eifel-Rur (WVER) mitteilte. Dadurch sei im Unterlauf der Rur mit Überschwemmungen sowie Überflutungen von Häusern und Kellern zu rechnen.

Ebenfalls mit Hochwasser zu kämpfen haben Nachbarländer Deutschlands. In der Schweiz stiegen Flusspegel nach starken Regenfällen stark an. Im Kanton Schaffhausen überschwemmten laut der Nachrichtenagentur Keystone-sda angeschwollene Bäche die Dörfer Schleitheim und Beggingen. Wassermassen flossen durch Straßen, in Keller, rissen Fahrzeuge mit und zerstörten kleinere Brücken. In Belgien wurden entlang der Maas vorbeugend Menschen aus einigen Gemeinden in Sicherheit gebracht, wie die Nachrichtenagentur Belga meldete.

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