BEATMUNG GESTOPPT

Zweifel an Geschichte vom Helden-Priester

Priester Giuseppe Berardelli soll gestorben sein, nachdem er sein Beatmungsgerät einem jüngeren Corona-Patienten überließ. Sein Umfeld erzählt etwas anderes.
Priester Giuseppe Berardelli starb am Coronavirus. Seine Gemeinde ist über den Tod des Geistlichen erschüttert.
Priester Giuseppe Berardelli starb am Coronavirus. Seine Gemeinde ist über den Tod des Geistlichen erschüttert.
Casigno.

Ein Corona-Mythos aus Italien geistert seit Tagen durchs Netz: Der an Covid-19 erkrankte Priester Guiseppe Berardelli aus Casigno (bei Bologna) soll sein eigenes Beatmungsgerät an einen jüngeren Corona-Patienten abgegeben haben, damit dieser überlebten konnte.

Berardelli selbst verlor den Kampf gegen das tückische Virus: Der 72-jährige starb in der Nacht zum 16. März im Krankenhaus von Lovere als Held, berichten italienische Medien. Natürlich verbreitete sich die rührende Geschichte umgehend im Internet und machte weltweit Schlagzeilen.

Er konnte es nicht mehr ertragen

Zu schön, um wahr zu sein? Die Seite „katholisch.de”, das offizielle Portal der katholischen Kirche in Deutschland, berichtet, dass die Schilderungen sehr wahrscheinlich nicht der Wahrheit entsprechen. Ein Bekannter des Verstorbenen berichtete demnach, dass Berardelli die Beatmung vor allem deshalb abgelehnt habe, weil er sie schlicht nicht habe ertragen können. Der Geistliche sei aber trotzdem ein Vorbild, sagte er.

„Es gab kein geschenktes Beatmungsgerät”

In der Helden-Geschichte wurde auch kolportiert, dass Berardellis Beatmungsgerät ein Geschenk seiner Gemeinde an ihn gewesen sei. Alle hätten Geld zusammengelegt, damit der Priester, der seit Jahren an Lungenproblemen litt, besser Luft bekam. Laut „katholisch.de” gab es auch dazu Widerspruch aus Berardellis engstem Umfeld.

„Es gab kein geschenktes Beatmungsgerät, es gab überhaupt keine Beatmungsgeräte, die von außerhalb des Krankenhauses kamen”, soll am Dienstag der Priester Giulio Dellavite, ein langjähriger Freund Berardellis, gesagt haben. Er sei sich jedoch sicher, dass der Verstorbene sein Beatmungsgerät einem Jüngeren gegeben hätte, wenn er die Chance dazu gehabt hätte.

Giuseppe Berardelli war trotzdem ein Held

Alte Weggefährten Berardellis, der in der 3.000-Einwohner-Gemeinde Casnigo lebte, äußerten sich am Dienstag gegenüber der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) bestürzt über seinen Tod. Walter Imberti, Leiter des dortigen Pflegeheims, sagte über das ehemalige Vorstandsmitglied der Einrichtung: „Er war ein außergewöhnlicher Mensch, der sich stets um alle sorgte.” Alle in der Umgebung hätten ihn gekannt, weil er im vollen Priestergewand mit seiner alten roten Moto Guzzi Galletto umherzufahren pflegte.

„Du wirst sehen, alles wird gut”

Priesterkollege Luigi Manenti äußerte sich laut „katholisch.de” ähnlich: „Er war immer freundlich und ging mit einem Lächeln auf die Menschen zu.” Berardelli sei eine Persönlichkeit gewesen, die anderen Zuversicht und Hoffnung vermittelt habe. Sein Motto sei gewesen: „Mach Dir keine Sorgen. Du wirst sehen, alles wird gut.”

Bislang sind in Italien mindestens 60 katholische Priester am Coronavirus gestorben.

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