Unsere Themenseiten

:

Aus für Cent-Münzen findet wenig Freunde

Ein- und Zwei-Cent-Münzen sind in der Herstellung teurer, als ihr Nennwert. Vor einer möglichen Abschaffung fordern Verbraucherschützer allerdings, die Folgen für die Bürger zu untersuchen. Auch Hilfsorganisationen fürchten enorme Spendenverluste.  FOTO: Boris Roessler

VonDaniel RademacherWer den Pfennig nicht ehrt, ist des Talers nicht wert:Der Spruch trifft hierzulande die Haltung vieler Bürger. Kein Wunder, dass eine ...

VonDaniel Rademacher

Wer den Pfennig nicht ehrt, ist des Talers nicht wert:
Der Spruch trifft hierzulande die Haltung vieler Bürger. Kein Wunder, dass eine mögliche Abschaffung von Ein- und Zwei-Cent-Münzen für Diskussionen sorgt.

Berlin/Frankfurt.Die mögliche Abschaffung von Ein- und Zwei-Cent-Münzen trifft auf Ablehnung in Deutschland: Bundesbank-Präsident Jens Weidmann sprach sich gegen entsprechende Überlegungen auf EU-Ebene aus. „In der deutschen Bevölkerung besteht der Wunsch, an den Kleinmünzen festzuhalten. Ich persönlich kann mich dem nur anschließen“, sagte Weidmann. Er wies darauf hin, dass die Abschaffung nur eines der von der EU-Kommission vorgestellten Szenarien sei. Grundsätzlich liege die Entscheidung auch nicht bei den Notenbanken, sondern bei den europäischen Finanzministern. Hintergrund der Pläne, die die EU-Behörde in der vergangenen Woche präsentiert hatte, sind die Kosten für die Herstellung der kupfernen Ein- und Zwei-Cent-Münzen. Die Produktion ist nach Angaben der Kommission angesichts der hohen Rohstoffpreise für die Staaten ein Verlustgeschäft.

Angst um Spenden
im sechstelligen Bereich
Sorgen machen sich auch Hilfsorganisationen wie das Deutsche Kinderhilfswerk: Denn sie befürchten bei einer Abschaffung der Münzen einen deutlichen Spendenrückgang. In diesem Fall rechnet das Kinderhilfswerk mit einem Rückgang des Spendenvolumens „im hohen sechsstelligen Bereich“, wie Sprecher Uwe Kamp in Berlin sagte. Bundesweit gebe es ungefähr 50 000 Spendendosen des Werks in Einzelhandelsgeschäften. „Das Problem ist, dass wir ungefähr ein Viertel unserer Spendeneinnahmen, die aus der Spendendose kommen, durch Ein- und Zwei-Cent-Münzen generieren.“
Ein Fünf-Cent-Stück werde dann nicht so einfach in eine Spendendose gehen wie die kleineren Kupfermünzen. Kamp bezifferte die Einnahmen aus der Spendendose beim Kinderhilfswerk pro Jahr auf 1,2 bis 1,3 Millionen Euro. Er hält es sogar für möglich, dass die Spendendose dann verschwinden könnte.
Gegen eine Abschaffung spreche, dass sie eine verdeckte Preiserhöhung zur Folge haben könnte, weil Preise aufgerundet würden, so Pauli. Dafür könnte aus seiner Sicht hingegen angeführt werden, „dass man weniger Kleinstmünzen als Wechselgeld im Portemonnaie sammelt und dass es eine Abkehr von den x,99-Euro-Preisen geben würde“. Diese legten nahe, dass eine Ware unter einer bestimmten Preisgrenze liege.
Vor einer möglichen Abschaffung der Münzen fordert der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv), die Folgen für die Bürger zu untersuchen. „Es bedarf mehr als eines Bauchgefühls, um entscheiden zu können, ob man diese Münzen abschaffen kann und welche Spielregeln dafür gelten müssten“, sagte der vzbv-Finanzexperte Frank-Christian Pauli.

Produktion der Münzen ist teurer als ihr Nennwert
Die Produktion der kleinen Cent-Münzen ist nach Angaben der EU-Kommission teurer als der Nennwert der Münzen: Seit der Einführung des Euro-Bargeldes im Jahr 2002 belaufe sich diese Differenz auf rund 1,4 Milliarden Euro, heißt es von der Brüsseler Behörde. Vier mögliche Szenarien seien denkbar – von einer Beibehaltung der derzeitigen Stückelung bis hin zur Abschaffung der Münzen, schrieb die Kommission in einem Bericht. Als Alternative könnte man die Produktion der Münzen verbilligen – indem die materielle Zusammensetzung der Cent-Stücke geändert wird – oder die Produktion langsam ausklingen lassen. Nun werde man mit den Mitgliedsstaaten und Interessenvertretern über die Münzfrage diskutieren. Eine Frist nannte EU-Währungskommissar Olli Rehn nicht. Über eine mögliche Abschaffung müssen letztlich die EU-Regierungen entscheiden. Bislang galt dies als unwahrscheinlich.

Automaten-Probleme
mit neuem Schein
Bei den Problemen mit dem neuen Fünf-Euro-Schein, der an manchen Automaten nicht akzeptiert wurde, sieht Bundesbank-Präsident Weidmann die Verantwortung bei den Herstellern und Gerätebetreibern: „Wir haben ihnen rechtzeitig die Gelegenheit gegeben, ihre Geräte zu testen“, sagte er. Er ist nach eigenen Worten aber zuversichtlich, dass die Umstellung bald abgeschlossen sein wird.