Experte für Leckereien
Karriere mit Keks und Kuchen

Azubi Nadine Kinder am Mixgerät: Süßwarentechniker experimentieren auch mit neuen Rezepturen.  Foto: Peter Steffen
Azubi Nadine Kinder am Mixgerät: Süßwarentechniker experimentieren auch mit neuen Rezepturen.  Foto: Peter Steffen
Peter Steffen

Naschkatzen gesucht! Damit süße Leckereien richtig gut schmecken, darf bei der Herstellung nichts schief gehen. Darum kümmern sich Fachkräfte für Süßwarentechnik. Aber die Lust am Backen und Kochen allein reicht nicht für diesen Beruf.

Knusprig-zart sollen die Blätterteigbrezeln sein, die Orangenplätzchen dürfen nicht so leicht brechen, und der Schokokuchen muss auch wie Schokokuchen schmecken. Auf diese Dinge muss Nadine Kinder in ihrem Berufsalltag genau achten. „Die Qualitätskontrolle ist ein ganz wesentlicher Teil meiner Tätigkeit“, sagt die 21-Jährige. Sie arbeitet im ersten Ausbildungsjahr als Fachkraft für Süßwarentechnik beim Gebäckhersteller Bahlsen in Hannover.

Tagtäglich hat Nadine Kinder ein wachsames Auge auf die Ware, die gerade maschinell hergestellt wird. Im Backlabor prüft sie, ob bestimmte Zutaten durch neue Stoffe – zum Beispiel nachhaltig produzierte statt herkömmliche Schokolade – ausgetauscht werden können, ohne dass das Endprodukt darunter leidet. „Spannend ist aber vor allem, dass ich auch als Azubi ständig eigene Produktideen einbringen darf und soll“, erzählt die 21-Jährige.

Beruf heißt jetzt
Süßwarentechnologe

Drei Jahre lernen die angehenden Fachkräfte, deren Ausbildung zum 1. August 2014 reformiert wird. „Neue Technologien haben die bisherige Aufteilung in die einzelnen Fachrichtungen Dauerbackwaren, Konfekt, Schokolade und Zuckerwaren überflüssig gemacht“, erklärt Michael Assenmacher vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag in Berlin. Die Arbeitsabläufe sind in den vergangenen Jahren deutlich prozessorientierter und technisierter geworden. Die neue Berufsbezeichnung „Süßwarentechnologe“ soll dem Rechnung tragen.

Mit der neuen Ausbildung sollen die angehenden Süßwarenspezialisten künftig breiter und einheitlicher qualifiziert werden. Auf dem Programm stehen bald auch die Einsatzgebiete „Knabberartikel“ und „Speiseeeis“. „Damit werden erstmalig alle von den Unternehmen der Süßwarenindustrie hergestellten Produkte auch in der Ausbildung erfasst“, sagt Ernst Kammerinke, Geschäftsführer im Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie in Bonn.

Zwischendurch ist Handarbeit gefragt: Teig für Plätzchen muss geformt, Pralinen müssen mit einer bestimmten Glasur und beispielsweise Nüssen verziert werden. Fallen Maschinen aus, müssen die Fachkräfte auch Wartungsarbeiten ausführen. Süßwarentechniker nehmen während des Herstellungsprozesses Proben der Leckereien, sie riechen daran, schmecken, untersuchen sie gegebenenfalls im Labor. Treten Abweichungen vom Geschmacksmuster auf, begeben sie sich auf Fehlersuche. Auch das korrekte Verpacken der Ware haben die Fachleute, die oft im Schichtdienst arbeiten, im Blick.

Wer Karriere mit Kuchen und Keksen machen will, kann sich zum Geprüften Industriemeister in den Fachrichtungen Süßwaren oder Lebensmittel weiterbilden. Mit dem Abitur in der Tasche steht den Süßwarentechnikern auch das Studienfach „Lebensmitteltechnologe Back- und Süßwarentechnologie“ offen. Ein Arbeitsplatz in der Branche gilt als krisensicher. Das war auch Nadine Kinder bei der Berufswahl wichtig: „Süßigkeiten werden immer gerne gegessen.“