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Von wegen Dauersurfer und Stubenhocker!

Bücher sind bei Kindern out? Offenbar nicht.
Bücher sind bei Kindern out? Offenbar nicht.
Marijan Murat

Bedrucktes Papier statt Smartphone: Nach einer Verlagsstudie steht die Lektüre von Büchern und Zeitschriften bei Kindern hoch im Kurs – noch immer.

Kinder lesen nach wie vor gerne Bücher und Zeitschriften und spielen mit Gleichaltrigen, oft sogar lieber, als digital zu spielen oder mit Freunden zu chatten. Das geht jedenfalls aus einer Umfrage im Auftrag von sechs Verlagen hervor, die Zeitschriften und Magazine für Kinder und Jugendliche veröffentlichen und mit der Studie auch auf die Bedeutung ihrer Titel für die Werbung aufmerksam machen wollen.

Demnach erreichen die 39 Kinder- und Jugendtitel der Verlage, darunter Klassiker wie „Disneys lustiges Taschenbuch”, das Fußball-Magazin „Just kick it” oder das Pferdemagazin „Wendy” 71,5 Prozent der rund 7,17 Millionen Jungen und Mädchen im Alter von vier bis 13 Jahren.

Kinder nutzen mehrere Inhalte gleichzeitig

Die Verlage stoßen damit auf offene Ohren und Augen. Fast drei Viertel (72 Prozent) der Kinder im Alter von vier bis 13 Jahren gaben an, mehrmals pro Woche zum Buch oder einer Zeitschrift zu greifen. Danach folgen Gameboy, Spielkonsole oder Tablet: 57 Prozent spielen damit mehrmals in der Woche. In der Gruppe der Sechs- bis 13-Jährigen liegt das klassische Lesen sogar weit vor digitalen Unterhaltungsangeboten wie YouTube, Spielkonsolen oder DVDs.

Die Ergebnisse dürften der Verlagsbranche gefallen. Smartphone, Kopfhörer und Comic – alles gleichzeitig: Kinder seien in der Lage, multimedial verschiedene Inhalte parallel zu nutzen, sagte Gerd Brüne, Verlagsgeschäftsführer bei Gruner+ Jahr und einer der Auftraggeber bei der Präsentation der Studie am Dienstag in Berlin.

Tägliche Smartphone-Nutzung birgt Gefahren für Kinder

Bei den 13-Jährigen etwa seien Smartphones selbstverständlich. Jedes dritte Kind (37 Prozent) im Alter von sechs bis neun Jahren besitzt ein Smartphone oder ein Handy, bei den Zehn- bis 13-Jährigen sind es sogar 84 Prozent. Doch was löst die Vernetzung bei den Kindern aus?

Noch jüngst hatte die Drogenbeauftragte des Bundes, Marlene Mortler (CSU), Eltern aufgerufen, mehr auf die Mediennutzung ihrer Kinder zu achten. Durch tägliche Smartphone-Nutzung setzten sich Kinder verstärkt Risiken wie Konzentrationsschwäche, Sprach-Störungen oder Hyperaktivität aus. Mortler stützte sich auf eine Studie, bei der mehr als 5500 Kinder und Eltern zum Thema befragt worden waren. Kinder sollten nicht vor dem 12. Geburtstag ein Smartphone bekommen.

Mehrere hundert Euro Taschengeld und Geldgeschenke im Jahr

Für die Verlagsstudie wurden rund 2000 Kinder und Erziehungsberechtigte befragt. Ob sie alle sich auch so verhielten, wie es die Antworten suggerierten, ließ Brüne offen. Das würde das Ausmaß einer solchen Untersuchung sprengen.

Untersucht wurde auch das Konsumverhalten. Demnach erhalten die Kinder in Deutschland im Durchschnitt mehrere hundert Euro Taschengeld und Geldgeschenke im Jahr. Die 10- bis 13-jährigen Jungen kommen auf etwa 654 Euro pro Jahr. Überhaupt kriegen die Jungen im Schnitt mehr Geld als die Mädchen.

So bekommen Mädchen im Vorschulalter monatlich knapp 17 Euro, bei Jungen sind es dagegen 20 Euro. Dieser Unterschied bleibt auch in der Altersgruppe von sechs bis 13 Jahren erhalten: Mädchen bekommen dann pro Monat im Schnitt 41 Euro, Jungen hingegen fast 44 Euro. Das Geld geben die Kinder vor allem für Kekse, Süßigkeiten und Kaugummi aus, aber auch für Zeitschriften, Comics und für Eis.

Für die Untersuchung „Young Digital Natives – wie digital sind sie wirklich” wurden rund 2000 Kinder und Erziehungsberechtigte im Auftrag der Verlage Blue Ocean Entertainment, Egmont Ehapa, Gruner + Jahr, Panini, Spiegel-Verlag und Zeit Verlag befragt.