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Wie viel Hausaufgaben-Hilfe ist gut fürs Kind?

Kinder müssen lernen, ihre Hausaufgaben eigenständig zu erledigen. Foto: Silvia Marks
Kinder müssen lernen, ihre Hausaufgaben eigenständig zu erledigen. Foto: Silvia Marks
Silvia Marks

Die Mathe-Gleichung ist zu schwer, der Text strotzt vor Fehlern. Wenn es beim Lernen zu Hause nicht läuft, greifen die meisten Eltern ein. Lehrer sehen das aber nicht immer gern.

Im Unterricht wird erklärt, mit den Hausaufgaben wird geübt – oder gestritten und gelitten. Hausaufgaben sind in vielen Familien ein Dauerbrennerthema. Wenn der Nachwuchs mit den Aufgaben nicht klarkommt, stundenlang sitzt oder trödelt, pfuscht oder schmiert, fragen Eltern sich zu Recht: Müssen wir jetzt Ersatzlehrer spielen?

„Im Zweifel schon“, sagt Professor Ludwig Haag, Leiter des Lehrstuhls für Schulpädagogik an der Universität Bayreuth. „Es ist doch eine große Lüge, wenn behauptet wird, dass Kinder die schulischen Anforderungen alleine schaffen müssen.“ Er rät Eltern zur sanften Begleitung: „Man sollte wissen, wie der Stand der Dinge ist und bei Bedarf auch unterstützen.“

Doch wie erklärt es sich, dass Lehrkräfte auf Elternabenden häufig genau das Gegenteil fordern, nämlich die Eltern bitten, sich keinesfalls in die Hausaufgaben einzumischen? Josef Kraus, Vorsitzender des Deutschen Lehrerverbandes (DL) erklärt: „Die Hausaufgaben sind für Lehrer ein wichtiges Instrument. Sie zeigen, auf welchem Lern- und Wissensstand die Schüler stehen.“

Eltern, die ihren Kindern die Hausaufgaben aus der Hand nehmen oder täglich dafür sorgen, dass alles fehlerfrei ist, verfälschen diese Überprüfung. „Stellen Sie sich mal vor, alle Eltern machen das – dann muss der Lehrer ja denken, die Klasse hat alles optimal verstanden, auch wenn das in Wirklichkeit gar nicht der Fall ist.“ Die Folge: Das Tempo wird angezogen, und neuer Unterrichtsstoff folgt. „Durch die Hilfe können Eltern also dafür sorgen, dass ein völlig falsches Bild entsteht und der Lerndruck auf den Schüler unnötig wächst.“

Zeichnungen und Eselsbrücken anbieten

„Nehmen Sie nicht die Zügel in die Hand, sondern betrachten Sie sich als Steigbügelhalter – wie können Sie Ihrem Kind helfen, die Führung selbst zu übernehmen?“, empfiehlt Glaser. In Mathe können zum Beispiel kleine Zeichnungen helfen, um Textaufgaben anschaulicher zu machen, bei Englisch-
vokabeln wirken Eselsbrücken Wunder. Wenn die Hausaufgaben im Großen und Ganzen okay sind, sollten Eltern zufrieden sein, sagt Kraus: „Es ist nicht so entscheidend, wie die Hausaufgaben gemacht sind, sondern dass sie überhaupt gemacht sind.“