Unsere Themenseiten

:

Brandenburg erbt öfter – und verdient trotzdem kaum

Das Land Brandenburg wird immer häufiger als Erbe eingesetzt: Waren es 2006 noch 86 Fälle, gingen im vergangenen Jahr bereits 215 Nachlässe an den Fiskus. ...

Das Land Brandenburg wird immer häufiger als Erbe eingesetzt: Waren es 2006 noch 86 Fälle, gingen im vergangenen Jahr bereits 215 Nachlässe an den Fiskus. Die Erträge haben sich allerdings nicht erhöht.
Rund 910000 Euro erbte das Land im Jahr 2006. Im vergangenen Jahr waren es etwa 924000 Euro. Derzeit besitzt das Land 152 geerbte Grundstücke. „Insgesamt liegen wir damit im Vergleich zu den alten Bundesländern auf einem relativ geringen Niveau“, sagt der stellvertretende Sprecher des Potsdamer Finanzministeriums, Thomas Vieweg.

Insgesamt erhielt das Land in den vergangenen sieben Jahren rund 6,8 Millionen Euro aus Fiskalerbschaften. Für die Verwaltung der Nachlässe und die Bewirtschaftung geerbter Grundstücke wurden 1,3 Millionen Euro ausgegeben. „Es entstehen bereits Kosten, bevor das Land das Erbe bekommt“, erklärt Vieweg. „Denn erst muss geprüft werden, ob überhaupt Vermögen da ist.“

Besteht der Nachlass nur aus Schulden, wird das Erbe gewöhnlich abgelehnt. Auch das sei häufig der Fall. Um sicherzustellen, dass kein entfernter Verwandter übergangen wird, suchen die Nachlassabteilungen der Amtsgerichte je nach Wert des Nachlasses bis zu zweieinhalb Jahre nach möglichen Erben.
„Wenn wir nicht fündig werden, machen wir noch eine öffentlich Ausschreibung im Bundesanzeiger“, erzählt Kerstin Schwer, Rechtspflegerin am Amtsgericht Cottbus.

Erst, wenn auch diese Maßnahme erfolglos bleibt, fällt dem Land das Erb-recht zu.
Meldet sich später doch noch ein Erbe, zahlt das Land den Rest des Vermögens trotzdem aus. Erst 30 Jahre nach dem Tod des Erblassers erlöschen sämtliche Ansprüche. Das Land erbt jedoch nicht nur Geld, sondern auch Grundstücke, Fahrzeuge und Möbel. „Antiquitäten und Kunstwerke sind selten“, berichtet Schwer.
Auch am Amtsgericht Brandenburg/Havel sind kuriose Erbschaften eher die Ausnahme als die Regel. „Im Jahr 2011 haben wir das Land in neun Fällen zum Erben erklärt. Meist sind Sparbücher und Grundstücke im Nachlass“, sagt die Direktorin Adelheid van Lessen.

Fast nie wird das Land bereits im Testament als Erbe festgelegt. „Das gab es im vergangenen Jahr überhaupt nicht. 2011 haben wir landesweit nur zwei Fälle gezählt“, erzählt Ministeriumssprecher Vieweg.