Verendete Fische, hier ein Döbel, sind in vielen Bereichen der Oder zu sehen.
Verendete Fische, hier ein Döbel, sind in vielen Bereichen der Oder zu sehen. Frank Hammerschmidt
Umweltverschmutzung

Tote Fische in der Oder – ist der Fluss vergiftet?

Noch immer wissen die Behörden nicht, was zu den vielen toten Fischen in der Oder geführt hat. Eine Badestelle in Schwedt wurde mittlerweile geschlossen. Das LKA ermittelt bereits.
dpa
Prenzlau

Badespaß in der Oder ist wegen des Fischsterbens im Fluss derzeit tabu. Die Flussbadestelle in Schwedt an der Oder wurde vorsorglich gesperrt, wie eine Sprecherin der Kreisverwaltung Uckermark am Donnerstag in Prenzlau sagte. Der Verein, der die Badestelle betreibe, habe damit auf die Empfehlung des Landkreises Uckermark reagiert, Kontakt mit dem Flusswasser zu meiden. Auch andere Landkreise riefen nach Bekanntwerden des Fischsterbens in Frankfurt (Oder) und umliegenden Regionen dazu auf, die Berührung mit dem Wasser zu vermeiden.

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Ende Juli waren noch giftige Substanzen im Wasser

In der Oder ist es zu einem massiven Fischsterben gekommen. In Polen ermittelt die Staatsanwaltschaft Wroclaw (Breslau) wegen eines möglichen Umweltdelikts. Ob giftige Chemikalien die Ursache sind, war am Donnerstag weiterhin unklar. Neuere Wasserproben in Niederschlesien sind indes nach Angaben des Gewässeramts in Wroclaw (Breslau) unbelastet. Seit dem 1. August sei die giftige Substanz Mesitylen in Proben nicht mehr nachgewiesen worden, teilte die Behörde am Donnerstag mit. Der physische und chemische Zustand des Wassers werde weiterhin täglich untersucht. Wasserproben kamen zur Analyse auch in das Landeslabor Berlin-Brandenburg.

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Inspektoren des Gewässeramts in Niederschlesien hatten den Berichten zufolge bereits Ende Juli Wasserproben an drei Stellen entnommen. Anfang August teilte das Gewässeramt in Wroclaw mit, der hohe Sauerstoffgehalt im Wasser weiche von den typischen Sauerstoffkonzentrationen im Sommer ab. Es sei möglich, dass eine Substanz mit stark oxidierenden Eigenschaften ins Wasser gelangt sei. Zudem wurde an zwei Stellen die giftige Substanz Mesitylen nachgewiesen.

„Sowas haben wir noch nicht erlebt”

Auch das Landeskriminalamt (LKA) in Brandenburg ermittelt zum Fischsterben in der Oder. Es sei eine Wasserprobe entnommen worden, die das Landeskriminalamt auswerte, sagte eine Sprecherin des Polizeipräsidiums in Potsdam am Donnerstag. Wann ein Ergebnis vorliege, sei unklar. Das Landesamt für Umwelt berichtete, es seien am Dienstag Proben aus der automatischen Messstation in Frankfurt/Oder zur Analyse in das Landeslabor Berlin-Brandenburg gebracht worden. Die Einrichtung sei über die Dringlichkeit der Auswertung informiert, hieß es.

Der Berufsfischer Henry Schneider zeigt sich erschüttert über das massive Fischsterben in der Oder. Die wirtschaftlichen Folgen seien noch nicht abschätzbar. „Sowas haben wir noch nicht erlebt. Tote Fische sind überall zu sehen. Es sind viele”, sagte der Fischermeister. Er führt in Brieskow-Finkenheerd im Kreis Oder-Spree, nicht weit entfernt von Frankfurt (Oder), einen Familienbetrieb in der fünften Generation.

Für sein aktuelles Geschäft sieht er bislang keine direkten Folgen. „Wir kommen gut über den Sommer”, sagte Schneider. Da die Oder extremes Niedrigwasser führe, habe er bereits vor drei Wochen die Fischerei in der Oder eingestellt und sei auf andere Gewässer ausgewichen. Ob Laich- und Jungfische gestorben seien, lasse sich erst in einigen Monaten sehen. „Es kann schlimm ausgehen, oder es kann sein, dass die Anrainer mit einem blauen Auge davon kommen.”

 

 

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