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Älteste Spuren der Ur-Märker präsentiert

Archäologen arbeiten im Tagebau Jänschwalde bei Heinersbrück (Spree-Neiße). An dem eiszeitlichen Fundplatz im Tagebau sind die ältesten Zeugnisse menschlichen Lebens im Gebiet des Landes Brandenburg entdeckt worden. Schon das erste Mammutskelett in Deutschland wurde nach Betreiber-Angaben am Rande des Tagebaus gefunden. Sehen Sie in unserer Fotostrecke einige der Fundstücke.
Archäologen arbeiten im Tagebau Jänschwalde bei Heinersbrück (Spree-Neiße). An dem eiszeitlichen Fundplatz im Tagebau sind die ältesten Zeugnisse menschlichen Lebens im Gebiet des Landes Brandenburg entdeckt worden. Schon das erste Mammutskelett in Deutschland wurde nach Betreiber-Angaben am Rande des Tagebaus gefunden. Sehen Sie in unserer Fotostrecke einige der Fundstücke.
Arno Burgi

Urmenschen haben auf Brandenburger Gebiet schon viel früher gelebt als bisher bekannt. Das belegen neueste Funde aus ihrem Umfeld. Muss die Geschichte des Neandertalers nun neu geschrieben werden?

Schon vor 130000 Jahren haben nach Erkenntnissen von Archäologen Urmenschen auf märkischem Territorium gelebt. Das belegten etwa Feuerstein-Werkzeuge und Tierknochen, die bei Grabungen im Vorfeld des Lausitzer Braunkohletagebaus Jänschwalde gefunden wurden, sagte der Landesarchäologe Franz Schopper. Er äußerte sich am Tagebaurand nahe der Gemeinde Heinersbrück (Spree-Neiße). Die bisher ältesten Fundstücke zum Lebensumfeld des Neandertalers im gesamten Land Brandenburg sind dagegen nur 50000 Jahre alt.

„Die Geschichte des Neandertalers muss zwar jetzt nicht neu geschrieben werden, aber wir ergänzen sie durch die neuen Funde“, sagte Schopper, als er die in Vitrinen am Rande der Kohlegrube ausgestellten Knochen und Werkzeuge erläuterte. „Die aus früheren Grabungen im Tagebau geborgenen Feuersteinwaffen der Rentierjäger stammen vom Ende der letzten Eiszeit vor 13000 Jahren. „Die neuen Zeugnisse sind also zehnmal älter.“

Auch Werkzeuge aus Feuerstein wurden entdeckt, darunter ein Schaber. „Damit haben die Neandertaler vermutlich Felle bearbeitet und Fleischreste von Knochen abgeschabt“, sagte der Grabungstechniker Roberto Piskorski vom Landesdenkmalamt. Er arbeitet schon etwa 20 Jahre im Tagebaugelände, bei Wind und Wetter – in Erdschichten etwa 60 Meter über der Braunkohle.

Im Sommer gelang dem Forscher ein spektakulärer Fund

In einem Graben, etwa 150 Meter von der Tagebaukante entfernt, entdeckte er einen bearbeiteten Feuerstein. „Damit haben die Neandertaler Werkzeuge und Waffen hergestellt“, berichtete Piskorski. „Wir haben das Alter der Gesteinsschicht mit etwa 130000 Jahren ermittelt, und deshalb können wir jetzt auch die Besiedelung Brandenburgs auf eine deutlich frühere Zeit datieren.“

Angesichts der spektakulären Funde aus dem Leben des „Ur-Märkers“ zog es auch Brandenburgs Wissenschaftsministerin Sabine Kunst (parteilos) in den Tagebau: „Wir müssen jetzt die Geschichte der Besiedelung Brandenburgs neu schreiben.“

Der Vorstandschef der Lausitzer Braunkohlensparte von Vattenfall, Hartmuth Zeiß, sagte: „Wir verdanken den Archäologen den Blick in die Geschichte.“ Das Unternehmen unterstütze deren Arbeit mit acht Millionen Euro. Bereits 1903 sei am Rande des Tagebaus das erste Mammutskelett in Deutschland ausgegraben worden. Auch die jüngsten Funde sollen in der Archäologieschau des Landes in Brandenburg an der Havel vorgestellt werden.