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KZ-Gedenkstätte

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AfD-Besuchergruppe verharmlost Verbrechen in Sachsenhausen

Besucher im früheren Konzentrationslager Sachsenhausen bei Oranienburg. (Symbolbild)
Besucher im früheren Konzentrationslager Sachsenhausen bei Oranienburg. (Symbolbild)
Bernd Settnik

Von der AfD eingeladene Besucher in der KZ-Gedenkstätte Sachsenhausen stellten den Massenmord der Nazis in Frage. Offenbar waren sie darin gut geübt.

Eine Besuchergruppe aus dem Wahlkreis von AfD-Bundestagsfraktionschefin Alice Weidel hat die KZ-Gedenkstätte Sachsenhausen wegen Äußerungen zum Massenmord der Nationalsozialisten verlassen müssen. Die etwa 20-köpfige Gruppe sei am 10. Juli gleich zu Beginn der Führung auffällig geworden, weil Teilnehmer mehrfach Tatsachen zum NS-Massenmord in Zweifel gezogen hätten, sagte der Sprecher der Gedenkstätten-Stiftung, Horst Seferens, am Freitag. Wenig später habe der Mitarbeiter das pädagogische Programm abgebrochen. Die Gruppe sei des Geländes verwiesen worden. Zuerst hatte der „Tagesspiegel” am Freitag über den Vorfall berichtet.

Provokation mit Holocaust-Relativierung

„Diese Leute kannten sich offenbar gut aus – da wurde das gesamte Repertoire des geschichtlichen Revisionismus und des Relativismus aufgefahren”, berichtete Seferens. So seien auch Verbrechen der Nazis in dem Konzentrationslager durch Vergleich mit angeblichen Verbrechen der Alliierten relativiert sowie Zweifel an der technischen Durchführung der Massenmorde geäußert worden. „Dabei wurde nach unserer Wahrnehmung die Grenze zu strafbaren Äußerungen bewusst nicht überschritten. Sie wirkten sehr geübt in einem solchen Verhalten”, so Seferens.

„Der Vorfall wurde anschließend intern diskutiert. An die Presse wollten wir uns nicht wenden, da AfD-Mitglieder generell durch Provokationen um die öffentliche Aufmerksamkeit buhlen und wir ihnen diese nicht geben wollten”, so Seferens weiter. Kürzlich sorgte der Vorsitzende der niedersächsischen AfD-Jugendorganisation Junge Alternative für Aufsehen, weil er den Hitler-Attentäter Claus Schenk Graf von Stauffenberg in einem Facebook-Eintrag diffamiert hatte.

Fälle durch AfD-Mitglieder häufen sich

Die Brandenburger Polizei leitete nach der berichterstattung des „Tagesspiegel” Ermittlungen ein. Dazu ermittele der Staatsschutz in der Gedenkstätte, sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums. Nach Angaben der Gedenkstätte ist es schon mehrfach zu solchen Vorfällen mit Besuchergruppen gekommen.

„Wir beobachten mit Sorge, dass zumindest Teile der AfD ganz klar solche geschichtsrevisionistischen Tendenzen propagieren”, sagte der Direktor der Gedenkstättenstiftung, Axel Drecoll, der Deutschen Presse-Agentur. „An einem herausgehobenen Ort nicht nur der NS-Vergangenheit, sondern auch einem Ort des massenhaften Sterbens und Leidens, sind für uns revisionistische oder gar rechtsradikale Diskurse überhaupt nicht tolerabel.”

Alice Weidel begrüßte die Gruppe vorher

Die Fahrt der Gruppe vom Bodensee war vom Bundespresseamt finanziert worden. Weidel hatte die 17 Besucher am Tag vor dem Eklat in der Gedenkstätte zu einem Gespräch im Bundestag empfangen. Ihr Sprecher sagte, bei dem Besuch in Sachsenhausen sei kein Mitarbeiter Weidels zugegen gewesen, sondern nur ein Begleiter des Bundespresseamts. „Zu dem, was da genau geäußert wurde, haben wir noch kein Licht ins Dunkel bringen können”, sagte Weidels Sprecher Daniel Tapp. Von dem Zwischenfall hätten Weidel und ihre Mitarbeiter erst durch Recherchen eines Journalisten erfahren.

Die Aussage Tapps, dass nur eine Person in der Gruppe negativ aufgefallen sei, verneint der Sprecher der Gedenkstätten-Stiftung entschieden: „Es waren fünf Personen dieser Gruppe, die immer wieder in unterschiedlicher Intensität gezielt provoziert haben, Beweise für die NS-Verbrechen forderten und diese verharmlosten”, erklärt Horst Seferens.