Wahl-Wahnsinn

AfD-Parteitag bis in die frühen Morgenstunden

Bis in den frühen Montagmorgen hinein musste die AfD Brandenburg in Rangsdorf Stimmen auszählen – erst dann stand die Liste für die Landtagswahl. Zumindest zum Teil...
Benjamin Lassiwe Benjamin Lassiwe
Der Marathon-Parteitag muss im Februar fortgesetzt werden.
Der Marathon-Parteitag muss im Februar fortgesetzt werden. Bernd Settnik
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Rangsdorf.

Es ist der frühe Montag morgen. Im Seehotel in Rangsdorf sitzen einige übermüdete Menschen in einem leeren Saal. Am Sonntagvormittag hatte Brandenburgs Landesverband der „Alternative für Deutschland“ (AfD) hier mit der Wahl ihres Spitzenkandidaten für die Landtagswahl am 1. September begonnen.

Mehr als 500 teils extra zum Wahlakt herbeigeholte Parteimitglieder erhielten Stimmzettel, auf denen sie hinter den Namen von 86 Bewerbern jeweils „Ja“, „Nein“ und „Enthaltung“ ankreuzen durften. „Akzeptanzwahl“ nennt man dieses System. Wer dabei mehr „Ja“- als „Nein“-Stimmen erhält, ist gewählt. Über die Reihenfolge auf der Landesliste entscheidet die Zahl der „Ja“-Stimmen – der Kandidat mit den meisten Stimmen ist der Spitzenkandidat.

40.000 Stimmkreuze – das kann dauern...

Doch den zu ermitteln, bereitete der Brandenburger AfD am Sonntag massive Schwierigkeiten. Die Partei, die nach Aussage des Landesvorsitzenden Andreas Kalbitz das Land Brandenburg nach der nächsten Wahl regieren möchte, benötigte sechs Stunden allein für die Stimmabgabe. Ab 16:30 Uhr wurde dann ausgezählt – denn auf den Zetteln waren bis zu 40.000 Stimmkreuze auszuwerten.

Andere Parteien brauchen für die Vorstellungsreden, die Stimmabgabe und das Auszählen des Ergebnisses einen Nachmittag. Bei der „Alternative für Deutschland“ war zunächst kein Ende absehbar. Die ehrenamtlichen Mitglieder der Zählkommission zählten, zählten – und verzählten sich. Zwischenzeitlich wurde eine weitere Zählkomission in einem Nebenraum eingerichtet. Dass vor dem Seehotel in Rangsdorf ein Lautsprecherwagen mit der Aufschrift „Sei schlau, wähl blau!“ parkte, wirkte auf manche Beobachter wie bitterste Ironie.

Salzstangen für die Zählkommission

Nach über neun Stunden Auszählens ein Lichtblick. Um 01 Uhr 34 tritt der stellvertretende Versammlungsleiter, der sächsische Landtagsabgeordnete Carsten Hütter, tritt vor die Tür des Raumes der Zählkommission. Er kündigt eine so genannte „Prognose“ an – in 40 Minuten. Zwischenzeitlich gibt es Salzstangen für die zählenden Parteimitglieder. Im Plenarsaal liegt ein AfDler und hält auf einer Stuhlreihe ein Nickerchen, an der Bar warteten die letzten Unentwegten.

Um zwei Uhr betritt die Versammlungsleitung dann den Saal. „Meine Damen und Herren, im Namen des Wahl- und Zählkommsionsleiters kann ich Ihnen mitteilen, dass wir in der Zeit leider nur soweit gekommen sind, dass wir eine grobe Prognose abgeben können. Wir sind noch dabei, sämtliche Wahlzettel noch einmal querzukontrollieren“, sagt Hütter.

Keine Überraschung: Kalbitz an der Spitze

Dann nennt er den Spitzenkandidaten: Es wird der Landesvorsitzende Andreas Kalbitz. Auf Listenplatz zwei folgt Daniel Freiherr von Lützow, auf Platz drei der Gründer des rechtsgerichteten Vereins „Zukunft Heimat“ aus Golßen im Spreewald, Christoph Berndt. Die Abgeordnete Birgit Bessin ist auf Platz vier, der Kreisvorsitzende von Spree-Neiße, Steffen Kubitzki, auf Platz fünf. Stimmenzahlen nennt Hütter nicht: Denn es handelt sich eben nur um eine Prognose. Und bis zu einem Endergebnis könne es noch zweieinhalb Stunden dauern.

Doch manch bekannter Name fehlt: Die Landtagsabgeordneten Sven Schröder und Rainer van Raemdonck fehlen ebenso wie die Cottbuserin Marianne Spring-Räumschüssel. Dafür haben es der Landtagsabgeordnete Franz Wiese, dessen Diäten laut eines Berichts der BILD-Zeitung derzeit gepfändet werden, und die Islamkritikerin Layla Bilge auf die Liste geschafft.

Die Liste ist noch nicht vollständig

Und auch damit ist dann der Wahl-Wahnsinn der Alternative für Deutschland noch nicht vorbei. Denn den Mitgliedern, die zum Landesparteitag nach Rangsdorf kamen, gelang es nicht, eine vollständige, vierzig Plätze umfassende Landesliste zu wählen. Lediglich 29 Kandidaten kamen durch. Die übrigen Positionen auf der Liste sollen nun auf einem gesonderten Parteitag Anfang Februar bestimmt werden.