Suchtberatungsstellen

Alkohol bleibt größtes Suchtproblem in Brandenburg

Alkohol und Drogen treiben immer noch viele Brandenburger in die Abhängigkeit. Doch auch Spielsucht wird immer häufiger zum Problem.
dpa
In der Uckermark waren es von rund 1000 Beratungsfällen fast 80 Prozent der Klienten, die ein Alkoholproblem hatten.
In der Uckermark waren es von rund 1000 Beratungsfällen fast 80 Prozent der Klienten, die ein Alkoholproblem hatten. Alexander Heinl
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Potsdam.

Die Abhängigkeit von Alkohol ist nach wie vor das größte Suchtproblem in Brandenburg. Das ergab eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur bei kommunalen Suchtberatungsstellen im Land. „Der Schwerpunkt in der Suchthilfe liegt in Potsdam, wie auch bundesweit, in der Beratung und Behandlung von Alkoholabhängigkeit”, sagt Potsdams Stadtsprecherin, Christine Hohmann.

Über 60 Prozent der 2017 aufgenommenen Klienten hätten die Beratungen aufgrund einer primären Alkoholabhängigkeit in Anspruch genommen. Über 14 Prozent seien abhängig von Cannabis gewesen.

Im Landkreis Oder-Spree drehten sich mehr als 75 Prozent der insgesamt 752 Fälle, die die Suchtberatungsstellen im vergangenen Jahr bearbeitet haben, um Alkoholabhängigkeit. Die Sucht nach Cannabis rangierte auch dort mit über zwölf Prozent der Beratungen an zweiter Stelle, wie Kreissprecher Mario Behnke berichtet.

Fast alle Beratungen in der Uckermarkn zu Alkohol

Im Landkreis Uckermark waren es von rund 1000 Beratungsfällen sogar fast 80 Prozent der Klienten, die ein Alkoholproblem hatten. Etwa 17 Prozent aller Betroffenen haben sich, einer Kreissprecherin zufolge, zum Thema Glücksspiel beraten lassen.

Zwar rangiert Glücksspielsucht mit nicht einmal fünf Prozent aller Beratungsfälle in Potsdam und Oder-Spree eher im hinteren Bereich, das Problem hat in den vergangenen Jahren aber an Bedeutung dazugewonnen, wie Katrin Ulmer von der Arbeiterwohlfahrt (Awo) in Wittstock (Ostprignitz-Ruppin) erklärt.

Im Gegensatz zu Potsdam und Oder-Spree ist die Awo dort zwar nicht im Auftrag des Landkreises bei der Suchthilfe aktiv, dafür arbeite sie aber eng mit der kommunalen Suchtberatung zusammen. „Wir leiten Klienten oft an entsprechende Stellen weiter”, so Katrin Ulmer. Das sei dann notwendig, wenn in den drei Suchtselbsthilfegruppen – darunter eine für Spielsucht – das Problem nicht mehr bewältigt werden könne.

Bedarf an Angeboten in der Uckermark

In Ostprignitz-Ruppin ist die Tannenhof Berlin-Brandenburg mit der integrierten Suchthilfe beauftragt. Die bietet ihren Klienten seit einiger Zeit sogar eine Onlineberatung via Livechat an. Dennoch hat die persönliche Beratung für viele Kommunen eine vorrangige Bedeutung. „Im ländlichen Raum ist die aufsuchende Hilfe für suchtkranke Menschen von besonderer Bedeutung”, betont die Kreissprecherin aus der Uckermark.

Weiterhin sehe der Kreis Bedarf an Kontaktstellen für Suchtkranke mit tagesstrukturierendem Angebot. Auch in Oder-Spree ist die Awo als Träger der Suchtberatungsstellen an einer besseren finanziellen Ausstattung durch das Land und den Kreis interessiert, wie Mario Behnke sagt.

Das sei besonders wichtig, um Wartezeiten zu verringern, Kontaktcafes für Betroffene zu ermöglichen und die dauerhafte Finanzierung von Projekten für Senioren, für Drogenabhängige und jugendliche PC-User zu realisieren.

In Potsdam sieht die Stadtverwaltung, trotz aller Herausforderungen in der Zukunft, die kommunale Suchthilfe auf gute Beine gestellt. „Die Landeshauptstadt verfügt über ein historisch gewachsenes, gut ausgebautes Suchthilfenetzwerk”, betont Christine Hohmann. Die Förderung der zwei Suchtpräventionsfachstellen sowie der ambulanten Suchtberatungsstelle stellen ein solides Angebot der Suchthilfe für die Potsdamer dar.