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Amt lässt Wisent abschießen und steckt heftige Kritik ein

Ein Wisent lief auf einem Deich bei Lebus herum, das Amt ließ das Tier abschießen – zum Schutz der Bevölkerung, wie es hieß. Die Entscheidung wird offenbar ein Nachspiel haben.

Das Amt Lebus ließ das Wisent abschießen, der WWF hat Strafanzeige gestellt. 
Nestor Bachmann Das Amt Lebus ließ das Wisent abschießen, der WWF hat Strafanzeige gestellt.

Nach dem angeordneten Abschuss eines freilaufenden Wisents in Ostbrandenburg wird das Amt Lebus für das Vorgehen heftig kritisiert. Das Umweltministerium in Potsdam teilte am Freitag auf Anfrage mit, dass man „entsetzt und empört“ sei. Weder das Ministerium noch das Landesumweltamt seien in die Vorgänge eingebunden gewesen.

Nach Polizeiangaben hatte ein Mann am Mittwoch den Wisent auf einem Deich bei Lebus (Märkisch-Oderland) gesichtet und die Polizei gerufen. Gemeinsam mit dem zuständigen Ordnungsamtsleiter sei bei Einbruch der Dunkelheit beschlossen worden, das Tier zum Schutz der Bevölkerung zu erlegen. Zwei Jagdpächter hätten den Wisent dann getötet. Das Amt war für eine Stellungnahme am Freitagnachmittag telefonisch nicht erreichbar.

Kritik an dem Abschuss kam auch von der Umweltorganisation WWF, die nach eigenen Angaben Strafanzeige gegen den Ordnungsamtsleiter stellte. Die Grünen-Fraktion im Landtag will den Vorfall im Umweltausschuss thematisieren. „Der Abschuss erscheint mir völlig unverhältnismäßig“, sagte der Grünen-Landtagsabgeordnete Benjamin Raschke.

Wisente zählen zu den streng geschützten Tierarten in Deutschland. Laut Umweltministerium, das sich auf polnische Angaben bezieht, handelte es sich bei dem Wisent um einen Bullen, der dort im Gebiet des Nationalparks Warthemündung seit längerem frei herumlief.