KATHOLISCHE KIRCHE

Auch Missbrauchsfälle in Vorpommern und Brandenburg

Das katholische Erzbistum Berlin, das auch für Vorpommern zuständig ist, hat konkrete Zahlen zu Missbrauchsfällen genannt. In einigen Fällen ermittelt auch die Staatsanwaltschaft.
Benjamin Lassiwe Benjamin Lassiwe
Der Berliner Erzbischof Heiner Koch hat sich mit Opfern getroffen.
Der Berliner Erzbischof Heiner Koch hat sich mit Opfern getroffen. Holger Hollemann
Berlin.

Im katholischen Erzbistum Berlin, zu dem Berlin, Brandenburg und Vorpommern gehören, hat es bislang in 14 Fällen staatsanwaltschaftliche Ermittlungen gegen katholische Priester wegen sexuellem Missbrauchs gegeben. Zehn Fälle davon waren in Berlin, je zwei in Vorpommern und in Brandenburg. Das teilte das katholische Erzbistum am Mittwoch mit.

Viele Beschuldigte sind bereits tot

Insgesamt sind der von Erzbischof Heiner Koch geleiteten Diözese seit 1946 55 Fälle von sexuellem Missbrauch bekannt geworden. In 33 Fällen seien die Beschuldigten bereits verstorben. Etwa die Hälfte der Vorwürfe bezieht sich dabei auf die Jahre 1946 bis 1970, ein Viertel auf den Zeitraum von 1971 bis 1990 und das weitere Viertel auf den Zeitraum ab dem Jahr 1991.

Nicht in die Statistik gehen die kirchenrechtlich selbständigen Orden ein – so sind beispielsweise die Fälle am Berliner Canisius-Kolleg, das den Jesuiten gehört, nicht erfasst. Nicht erfasst sind auch die Fälle in der Pfarrei Neubrandenburg: Dieser Ort gehört kirchlich bereits zum Erzbistum Hamburg. Auch dort gab es etliche Missbrauchs-Verdachtsfälle.

In einigen Fällen sind die Beschuldigten noch im Amt – Konsequenzen geprüft

Wie das Erzbistum mitteilt, hat man die Personalakten aller beschuldigten lebenden Geistlichen bereits im Dezember 2018 an die jeweils zuständige Staatsanwaltschaft übergeben. Die Übergabe der Unterlagen hinsichtlich der bereits verstorbenen Priester und Diakone ist teilweise erfolgt und wird voraussichtlich bis Mitte März 2019 vollständig abgeschlossen sein. Dies gelte auch für Fälle, in denen es nach Kenntnis des Erzbistums Berlin bereits staatsanwaltliche Ermittlungen gegeben hat.

Geprüft werde weiterhin, in welchen Fällen auch kirchenrechtliche Verfahren eingeleitet werden können, die dann zu einer Entlassung des Betreffenden aus dem priesterlichen Dienst oder einer Streichung von Pensionsansprüchen führen können. „Auch hier geht es nicht nur um den einzelnen Fall, sondern darum, weitere Einsichten zu gewinnen, wie auf Vorwürfe reagiert, was geahndet oder was nicht beachtet wurde, um daraus Konsequenzen zu ziehen”, sagte Erzbischof Heiner Koch. „Wir werden weiterhin Nachlässigkeiten, Ignoranz und Versagen aufdecken und die dafür Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen.“

Erzbischof hat Gespräche mit Opfern geführt

Ebenfalls hat Erzbischof Koch wie angekündigt mittlerweile weitere Kontakte zu Opfern sexuellen Missbrauchs aufgenommen und seine Gesprächsbereitschaft zum Ausdruck gebracht, erste Gespräche haben bereits stattgefunden.”

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