Oliver Sydow steht vor dem Digimobil der Verbraucherzentrale Brandenburg. Zahlreiche Anbieter wollen Brandenburgs ländlic
Oliver Sydow steht vor dem Digimobil der Verbraucherzentrale Brandenburg. Zahlreiche Anbieter wollen Brandenburgs ländliche Regionen so gut wie möglich mobil versorgen. Christian Bark
Versorgung

Auf dem Land kommen Bäcker und Bank-Berater mit dem Bus

Ob rollende Bank oder Bäckerladen: Zahlreiche Anbieter wollen Brandenburgs ländliche Regionen so gut wie möglich mobil versorgen. Das funktioniert nicht immer.
dpa
Potsdam

Für die Versorgung im ländlichen Raum in Brandenburg bieten einige Dienstleister einen rollenden Service an. So schickt etwa die Verbraucherzentrale seit 2019 ihr „Digimobil“ auf Tour durch den Norden des Landes. 16 Kommunen werden dort einmal im Monat angefahren. Etwa 130 Menschen nutzten das Angebot, sagte Franziska Wenk, Sprecherin der Verbraucherzentrale. Während der Lockdowns konnte das Mobil allerdings nicht unterwegs sein.

In dem Fahrzeug können Kunden via Videolivechat Kontakt zu einem Berater aufnehmen. Es gilt die 2G-Regel: Geimpft oder genesen müssen die Besucher sein. „Im Bus stehen Scanner und Drucker für das Senden von Formularen bereit“, sagt Mobil-Betreuer Oliver Sydow. Vor allem ältere Menschen hätten noch Scheu, könnten mit einem Videochat weniger anfangen. „Dabei ist das sehr einfach, und ich helfe bei Problemen auch“, so Sydow. Über einen eigenen Breitbandrouter verfüge das „Digimobil“ überall über eine ausreichend gute Internetverbindung.

Seit Anfang dieses Jahres ist nun auch ein zweites Fahrzeug auf Tour und bedient den Süden des Landes. „Offizielle Eröffnung ist am 10. Februar in Luckau“, kündigt Franziska Wenk an. 15 Kommunen – darunter Forst, Wildau und Senftenberg – sollen einmal im Monat angefahren werden.

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Mit dem Mammobil gegen den Brustkrebs

Zur Erkennung von Brustkrebs sind in Brandenburg insgesamt sieben sogenannte „Mammobile“ unterwegs. „Wichtig ist, dass jeder Standort innerhalb der vorgeschriebenen Frist, also alle zwei Jahre wieder angefahren wird, damit man den fristgerechten Einladungen Rechnung tragen kann“, sagt Corinna Heinrich, Sprecherin der Kooperationsgemeinschaft Mammografie in Berlin, die das mobile Screening organisiert. Zuletzt hätten im Jahr 2019 landesweit rund 106.000 Frauen das Angebot genutzt.

Elf Orte, darunter Werder (Havel) und Wandlitz, fährt der Bankbus der Berliner Volksbank in Brandenburg an. Das mobile Angebot gibt es seit 2018. Auch die Volks- und Raiffeisenbanken im Land verfügten einst über einen solchen Service. Aber: „Seit mindestens 15 Jahren verwenden wir in unserer Bank keine mobile Fahrstelle mehr“, berichtet Viola Müller von der Volksbank Spree-Neiße.

Bankbus 2020 wieder abgeschafft

2020 hatte auch die Volksbank Prignitz ihren Bankbus abgeschafft. Die Nutzung an den 20 angefahrenen Orten verringerte sich in den vergangenen Jahren zunehmend, sagt Banksprecher Ronny Löwe. „Durch starke Nutzung des Online-Bankings und die Nutzung der bargeldlosen Zahlungen wurde der Bus sehr selten von den Kunden genutzt“, begründet er die Entscheidung. Daher habe die Bank 2020 keinen neuen Bus angeschafft.

Der Sparpolitik zum Opfer gefallen sind in den vergangenen Jahren auch die Fahrbibliotheken in Brandenburg. Aktuell gibt es noch vier: in den Landkreisen Elbe-Elster, Dahme-Spreewald, Teltow-Fläming und Oder-Spree, wie die Vorsitzende des Landesbibliotheksverbands, Cornelia Stabrodt, sagt.

Immer schwieriger wird es auch für Bäckereiunternehmen, Ziele im ländlichen Raum anzusteuern. „Hohe Material- und Spritkosten bereiten uns gerade Kopfzerbrechen“, sagt Norbert Janke, Geschäftsführer der Landbäckerei Janke in Flecken Zechlin (Ostprignitz-Ruppin). Mit vier Mobilen toure sein Team aktuell noch durch Nordwestbrandenburg und das südliche Mecklenburg. 200 Orte werden wöchentlich angefahren. „Wir wollen den mobilen Service natürlich aufrecht erhalten, aber das hängt auch immer von der Kaufkraft in den jeweiligen Orten ab“, sagt der Bäckermeister.

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