Fahrzeugkolonnen auf der B96 in Fürstenberg. Die Verkehrslage könnte sich demnächst weiter zuspitzen.
Fahrzeugkolonnen auf der B96 in Fürstenberg. Die Verkehrslage könnte sich demnächst weiter zuspitzen. Jörg Spreemann
B96-Bauarbeiten

B96 wird zuerst in Brandenburg gebaut

Die B96 von der A20 bis zum Berliner Ring soll schon seit Jahrzehnten aufgemöbelt werden. Bisher sind nur drei Ortsumgehungen entstanden. In Fürstenberg taucht ein neues Risiko auf.
Fürstenberg

Die Baustellenampel zeigt Rot, in Sekunden entwickelt sich selbst bei wenig Verkehr ein Stau. Fürstenberg, die Stadt mit der engsten Stelle auf der B96 zwischen Neubrandenburg und Berliner Ring, probt den Sommer. Noch bis zum 8. April werden im Ort Hausanschlüsse ans Stromnetz erneuert. Per Ampel wird der Verkehr wechselseitig an der Baustelle vorbeigeschleust.

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Was mit der maroden Schleusenbrücke nebenan passieren soll, ist noch unklar, wie der Landesbetrieb Straßenwesen Brandenburg mitteilt. Fest steht dagegen, dass die Brücke für größere Lkw und Busse gesperrt wird. Es bleibe bei Ende März, so ein Sprecher. Ein exaktes Datum könne noch nicht genannt werden.

Nur zwei Ortsumgehungen und ein Teilstück geschafft

Die eingeschränkte Tragfähigkeit der Schleusenbrücke hat den Finger in die Wunde gelegt: Seit mehr als 25 Jahren kommt der Ausbau der viel befahrenen Bundesstraße kaum voran. Lediglich die Ortsumgehungen Neustrelitz und Oranienburg sorgen für kürzere Fahrzeiten auf der gut 100 Kilometer langen Strecke.

In Neubrandenburg wird durch die Teilumgehung der Weg zur Ostseebahn A20 verkürzt und am Stadtzentrum vorbeigeführt. Das Kernproblem bleibt: Gerade in der warmen Jahreszeit ist die Strecke extrem stauanfällig, weil Städte und Dörfer die langen Autoschlangen von und zur Küste nicht verkraften. Dazu kommen lange Kolonnen durch Lkw und Arbeitsmaschinen, die nicht überholt werden können.

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„Wir sind zufrieden, dass jetzt für alle Abschnitte die Planungen laufen“, so Ralf Pfoth, Vizehauptgeschäftsführer der IHK Neubrandenburg, die zusammen mit der IHK Potsdam und Gemeinden, Städten und Landkreisen entlang der Strecke seit Jahren Druck für einen beschleunigten Ausbau macht. Am weitesten vorangeschritten ist in Mecklenburg-Vorpommern der Abschnitt zwischen Neubrandenburg und Neustrelitz.

Laut einer Übersicht des Schweriner Wirtschaftsministeriums hat das Bundesverkehrsministerium den Planungen über den Streckenverlauf zugestimmt, der unter anderem zwei Ortsumgehungen und den teilweisen Neubau einer dreispurigen Fahrbahn vorsieht. Hier hatte es bereits Anwohnerproteste gegeben, weil nur wenige Auffahrten auf die neue B96 geplant sind. Inzwischen bereite eine Projektgruppe des Ministeriums den Gesamtentwurf für die Genehmigungsplanung vor.

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Auch zwischen Neubrandenburg und der Auffahrt auf die A20 gehen die Planungen laut Ministerium voran: So soll die Bahnstrecke bei Sponholz untertunnelt werden. Dafür stehe die EU-weite Ausschreibung für den Entwurf des Projekts bevor. Um den stauanfälligen Ort Warlin ist auf der B 197 eine Umgehung vorgesehen, für die derzeit die Untersuchung von möglichen Varianten läuft.

Noch ganz am Anfang stehen die Planungen für den B96-Abschnitt zwischen Neustrelitz und Fürstenberg, der die Ländergrenze von MV und Brandenburg überquert. Die zuständigen Ministerien in Schwerin und Potsdam verweisen auf laufende Vorplanungen. Dazu zählt unter anderem, dass gegenwärtig die Tierwelt in den langen Waldabschnitten untersucht und kartiert wird.

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Der erste Abschnitt, an dem tatsächlich gebaut werden könnte, befindet sich in Brandenburg. Wie das Potsdamer Infrastrukturministerium einschätzt, könnte angesichts des „erreichten Bearbeitungsstandes“ zunächst die Ortumgehung Teschendorf/Löwenberg angegangen werden. Allerdings gebe es hier noch kein rechtskräftiges Baurecht. Im Klartext: Anwohner verzögern mit Einsprüchen den Baubeginn.

Laut Ministerium laufen darüber hinaus auf allen Strecken in Brandenburg die Voruntersuchungen zur Festlegung einer Vorzugsvariante. In zwei weiteren Fällen sei diese Entscheidung bereits getroffen worden, darunter zwischen Löwenberg und Gransee. Es gibt jedoch eine Ausnahme: An der Ortsumgehung Gransee werde aus Gründen der „Prioritätensetzung im Gesamtnetz“ derzeit nicht geplant.

15 Jahre erbitterter Grabenkämpfe vergangen

Bleibt das Nadelöhr Fürstenberg: Die Ortsumgehung auf der Ostseite, die schon in den 1990er Jahren gebaut werden sollte, scheiterte am Konflikt mit der KZ-Gedenkstätte Ravensbrück. Rund 15 Jahre erbitterter Grabenkämpfe vergingen, bis eine neue Variante festgelegt wurde: Jetzt soll die Umgehung innerstädtisch entlang der Bahnstrecke verlaufen.

Der Vorschlag der Landesregierung dazu werde derzeit im Bundesverkehrsministerium bearbeitet, heißt es. Baldige Entlastung für den Ort ist somit nicht in Sicht. Im Gegenteil: Die mögliche Notbaustelle an der Schleusenbrücke könnte für längere Zeit für erheblichen Ärger sorgen. Noch stehe nicht fest, wie schwer die Brücke geschädigt sei, so die Straßenbaubehörde.

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Kommentare (1)

B 06 wird zuerst in Brandenburg ausgebaut
Dieses Projekt in Gänze ist Verkehrspolitischer Irrsinn aus dem letzten Jahrhindert ala freie Fahrt für freie Bürger. Werlin Stauanfällig ? bestimmt die Ampel. Oder das am Bahnübergang stündlich die Schranke für länger Zeit schließt, dann gibt mal es fix 2 km stau welcher aber nach 10 Minuten sich auflöst. Eine Untertunnelung würde Abhilfe schaffen aber um welchen Preis. Deshalb gleich eine Ortsumgehung für Werlin. Da kann ich nur sagen der Lack ist da also muss er wohl auf den Kopf geklopft werden. Was den Irrsinn zwischen Neustrelitz und Neubrandenburg angeht, hoffe ich sehr auf klamme Kassen am Ende des Jahrzehntes. Die Investitionen sind die 2 bis 3 Minuten weniger Fahrzeit nicht wert und an die IHK wenn ein Spediteur Gewinne machen kann fahren die auch über ein Knüppeldamm wen es sein muss. Warten wir es erstmal den Megastau auf Usedom ab wenn die die LKWs von Stettin ein paar Kilometer Maut einsparen können, dann kommt nämlich mit dem Swinetunnel die nächste Verkehrslawine. Mehr und bessere Straßen bringen immer mehr Verkehr und das alles soll klimapolitisch gut sein, wo bleibt der Ausbau von Schiene und Wasserstraßen??