Ab in den Bus!

Bahn-Chaos an Pfingsten zwischen Ostsee und Berlin

Fluchende Fahrgäste, hilflose Reisende – viel Frust: Dass die Bahn ausgerechnet am Pfingstwochenende den Verkehr von Berlin an die Ostsee gekappt hat, war nicht ihre beste Idee.
Gabriel Kords Gabriel Kords
Die Deutsche Bahn hat am Pfingstwochenende die wichtige Strecke zur Ostsee und an die Müritz gekappt.
Die Deutsche Bahn hat am Pfingstwochenende die wichtige Strecke zur Ostsee und an die Müritz gekappt. Gabriel Kords
Von Berlin nach Neustrelitz und weiter nach Rostock beziehungsweise Neubrandenburg geht es nicht ohne Umsteigen.
Von Berlin nach Neustrelitz und weiter nach Rostock beziehungsweise Neubrandenburg geht es nicht ohne Umsteigen.
Wegen Arbeiten an der Oberleitung müssen Fahrgäste zwischen Löwenberg und Fürstenberg/Havel auf Busse umsteigen.
Wegen Arbeiten an der Oberleitung müssen Fahrgäste zwischen Löwenberg und Fürstenberg/Havel auf Busse umsteigen. Gabriel Kords
Treppen satt Aufzug: Dies war ein mühsames Unterfangen.
Treppen satt Aufzug: Dies war ein mühsames Unterfangen. Gabriel Kords
Hier ging's mit der Bahn nicht weiter.
Hier ging's mit der Bahn nicht weiter. Gabriel Kords
Mit dem Bus ging es weiter.
Mit dem Bus ging es weiter. Gabriel Kords
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Löwenberg.

Chaos mit Ansage: Wie angekündigt hat die Deutsche Bahn am Pfingstwochenende die wichtige Strecke zur Ostsee und an die Müritz gekappt: Von Berlin nach Neustrelitz und weiter nach Rostock beziehungsweise Neubrandenburg geht es nicht ohne Umsteigen: Wegen Arbeiten an der Oberleitung müssen Fahrgäste zwischen Löwenberg und Fürstenberg/Havel auf Busse umsteigen.

Für Ärger bei den Reisenden sorgte das gleich aus mehreren Gründen: Erstens verlängert sich die Fahrtzeit um mindestens eine Stunde, weil die Zug-Fahrpläne nicht verändert wurden. Wer die Fahrt mit dem Ersatz-Bus hinter sich hat, muss sozusagen zur Belohnung noch eine halbe Stunde auf den Anschluss warten.

Umstieg in Ersatzbusse

Zweitens ist der Umstieg in die Ersatzbusse mit erheblichem Aufwand verbunden.Während es am Fürstenberger Bahnhof zumindest rudimentäre Infrastruktur wie einen Kiosk und ein Bahnhofsdach gibt, ist die Station in Löwenberg vollkommen freudlos. Dort gab es am Pfingstsonntag, als der Nordkurier vorbeischaute, nicht einmal ausreichend Sonnenschutz für alle Fahrgäste, die gerne nicht in der prallen Sonne gestanden hätten.

Hinzu kommt ein weiteres Ärgernis: In Löwenberg müssen knapp 100 Treppenstufen überwunden werden, weil die Gleise nur per Treppe zugänglich sind. Es gibt zwar auch ein Gleis mit direktem Zugang zur Straße, dieses wurde von den Zügen allerdings ohne erkennbaren Grund nicht genutzt.

Koffer, Kinderwägen und Fahrräder ein Problem

Reisende mit schweren Koffern, Kinderwägen oder Fahrrädern hatten es deswegen schwer – mehreren älteren Menschen musste von andere Fahrgästen geholfen werden, ihre Sachen über die Treppe zu tragen. Ein Schaffner sah der Prozedur teilnahmslos zu.

Immerhin: Der Platz in den Bussen hatte für die rund 200 Fahrgäste gereicht – auch für alle Fahrräder und Kinderwagen, obwohl die Bahn im Vorfeld vorsorglich darauf hingewiesen hatte, dass diese möglicherweise auf der Strecke bleiben würden.

Während es vor Ort kein Bahn-Personal gab, gingen die Busfahrer den Fahrgästen sehr freundlich zur Hand. Die Busse stammten sämtlich von Drittfirmen – ein buntes Sammelsurium ausgemusterter Linien- und Reisebusse.

Service in Fürstenberg

Während die Reisenden in Löwenberg auf sich gestellt waren, kümmerten sich aber zumindest am Sonntag in Fürstenberg Bahn-Mitarbeiter um die Fahrgäste und waren engagiert zur Stelle, als es darum ging, alle Fahrräder und Kinderwagen in den Bussen zu verstauen. Diese waren allerdings grenzwertig voll.

Nach Auskunft von Amelie Kemmerzehl und Tom Slotta, Betreiber des Cafés „Ahoi“ im Bahnhofsgebäude, war der Verkehr am Sonntag schwächer als am Sonnabend. Da sei es zeitweise sehr voll auf dem Bahnhof gewesen, manche Fahrgäste hätten dort zudem zwei Stunden auf Anschluss warten müssen.

Pfingstmontag hat der Spuk ein Ende

Warum die Bauarbeiten ausgerechnet am Pfingst-Wochenende stattfinden mussten, bleibt indes vorerst das Geheimnis der Bahn. Der Staatskonzern hatte sich auf den Strecken an die Ostsee schon im vorigen Jahr mehrfach unbeliebt gemacht. Denn Baustellen und überfüllte Züge vermiesten Urlaubern, die ökologisch korrekt an die Ostsee reisen wollten, die An- und Abreise. Touristiker insbesondere von der Seenplatte hatten dies scharf kritisiert.

Die aktuellen Bauarbeiten sollen noch bis zum Vormittag des Pfingstmontags andauern. Wer die Rückreise von der Ostsee also spät genug antreten kann, hat Glück und kann durchfahren.

Kommentare (2)

...den Supergau der baldigen Energiewende. Wenn Strom zu teuer und rationiert wird wegen fehlendem Wind und fehlender Sonne wird auf Diesel umdisponiert.

Akuter Versorgungsengpass. So etwas passiert nur, weil man die Eisenbahn jahrzehntelang vernachlässigt hat.